Orgelkonzert: St. Gangolf nimmt es mit den Großen auf

Von: sche
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Heinsberg. Auch das 19. Orgelfestival Limburg erfreut sich trotz tropischer Temperaturen großer Beliebtheit. Mehr als 50 konzertierende Organisten des In- und Auslandes gestalten einen Monat lang 80 Konzerte.

Neben unserer Grenzregion partizipiert davon auch Belgien. Dadurch kommt es zu zahlreichen internationalen Begegnungen, die auch nicht zu verachten sind. In Heinsberg gastierte nun Christoph Kuhlmann aus dem „hilligen” Köln. Mit ihm hatte das Festival einen großen Fang gemacht. Besucher glaubten, lange nicht so ein grandioses, spektakuläres Orgelkonzert erlebt zu haben, dank feiner, faszinierender Spiel- und Pedaltechnik. Die Seifertorgel muss danach Katzenjammer bekommen haben. Wenn der Vergleich gestattet ist: Ein PS-starkes Luxusgefährt raste durch St. Gangolf und am „Steuer” saß ein Formel-I-Pilot.

Christoph Kuhlmann geht der Ruf voraus, große Werke zu bevorzugen. Dabei knüpft er an die Zeit an, wo die Orgel „alleine laufen” gelernt und sich voll emanzipiert hatte. Dafür steht Widor als Begründer der französischen Orgelrenaissance. Er schrieb Kathedralmusik reinsten Wassers. Die größten Kirchen sind für diese Musik gerade gut genug. Aber St. Gangolf nahm es mit ihnen auf, und Kuhlmann holte alles aus der Orgel raus.

Das galt im Übrigen auch für den Belgier Nicolas-Jacques Lemmens. Auch seine dritte Sonate „Pascale” trumpfte mächtig auf, namentlich im Alleluja. Beide Komponisten schufen alle Voraussetzungen für einen dem Orchesterklang entgegengesetzten Orgelklang, spezifische Orgelmusik mit breiterem Entfaltungsfeld und vollendeter Spieltechnik. So selbstverständlich war er dann auch im Programm Kuhlmanns. Seine Fantasie G-Dur (BWV 572) entbehrte auch nicht einer gewissen „pathetischen Großartigkeit”. Diese drei Stücke steigerten das Konzert zu großen Szenerien.

Die beiden anderen Werke dienten dem Kontrast und der Schattenwirkung: Jan Pieterszoon Sweelinck mit einer für ihn charakteristischen Liedvariation, auf jedem Tasteninstrument spielbar, dann Olivier Messiaen mit dem 2. Stück aus LAscensio und den Meditationen über die Himmelfahrt. Für den ungewöhnlich langen stehenden Beifall bedankte sich der Organist mit einem Stück von Bach.
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