Kreis Heinsberg - „Ohne Ehrenamt würde es keine Vereine geben“

„Ohne Ehrenamt würde es keine Vereine geben“

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Auf der Heinsberger Sportanlage im Klevchen in Aktion: Ronnie Goertz aus Geilenkirchen, Vorsitzender des Kreissportbundes, nennt die Leichtathletik seine ­„Heimatsportart“. Foto: agsb

Kreis Heinsberg. An diesem Samstag steigt sie bereits zum fünften Mal: Die große KSB-Sportgala findet diesmal in der (ausverkauften) Oberbrucher Festhalle statt. Im Vorfeld der Veranstaltung beantwortete Ronnie Goertz aus Geilenkirchen, seit 2007 Vorsitzender des Kreissportbundes Heinsberg, Fragen von Regionalredakteur Dieter Schuhmachers.

Bei der KSB-Sportgala wird natürlich wieder zurückgeblickt auf das vergangene Jahr. Deshalb an dieser Stelle zunächst die Frage: War 2014 aus Sicht des Kreissportbundes Heinsberg ein gutes Jahr?

Goertz: Die Arbeit des Kreissportbundes lässt sich nur sehr schwer auf ein Kalenderjahr reduzieren. Insgesamt kann ich aber sagen, dass die letzten Jahre sehr gute für den Kreissportbund waren, da wir inhaltlich über die Umsetzung der Landesprogramme aus „Sport bewegt NRW“ sehr gut vorangekommen sind und viele Akzente setzen konnten. Insbesondere durch die engagierte Arbeit unserer Fachkräfte vor Ort sind wir noch näher an die Bedürfnisse unserer Mitgliedsvereine gerückt und konnten diesen neue Impulse für die Vereinsarbeit geben.

Dabei konnten wir unsere Netzwerke stetig erweitern und unsere öffentliche Wahrnehmung deutlich steigern. Im gleichen Zeitraum konnten wir auch unser Qualifizierungsangebot im Sport weiter ausbauen. Wir sind also über alle Bereiche in den letzten Jahren deutlich gewachsen. Im letzten Jahr haben wir entschieden, uns eine Ruhephase zu gönnen, um die Arbeit in der Geschäftsstelle an das stattgefundene Wachstum anzupassen und die Arbeitsabläufe neu zu organisieren. Wenn dieser Prozess abgeschlossen ist, werden wir überlegen, wie wir unsere Angebote sinnvoll und nachhaltig abgesichert weiter ausbauen können.

Eine Jury mit Vertretern von Kreissportbund und Sponsoren entscheidet über die Platzierungen in den einzelnen Kategorien. Ohne der mit Spannung erwarteten Bekanntgabe der Ergebnisse bei der KSB-Sportgala vorgreifen zu wollen: Was war für Sie ganz persönlich der herausragende sportliche Erfolg?

Goertz: Ich kann das gar nicht an einem einzelnen Erfolg festmachen. Aber wir haben in den letzten Jahren verschiedene Nachwuchssportler gehabt, die in die Hauptkategorien aufgerückt sind. Und da freut es mich besonders, dass sich mit Maria Kleinschmidt bei den Sportlerinnen sowie Falk Janclas und Jonas Hanßen bei den Sportlern drei unter den Nominierten wiederfinden.

Das zeigt mir, dass es den Trainern gelungen ist, hier auf eine nachhaltige Entwicklung zu setzen und nicht den schnellen Erfolg zu suchen. Hierfür ein großes Kompliment und ein herzliches Dankeschön zugleich. Einen Erfolg muss ich aber dann doch noch hervorheben. Als ich vom vierten Platz von Jonas Hanßen bei der Junioren-WM über 400-Meter-Hürden erfahren habe, hat mich das sehr glücklich und auch ein wenig stolz gemacht.

Stolz in dem Sinne, dass wir als Kreissportbund durch die enge Zusammenarbeit mit dem Leichtathletikkreis Heinsberg zumindest einen kleinen Teil dazu beigetragen haben, die Rahmenbedingungen zu verbessern und somit zu ermöglichen, dass ein Top-Talent wie Jonas weiterhin vor Ort trainieren kann und auch leistungsdiagnostisch betreut wird. Rahmenbedingungen, die nur im Miteinander vieler Beteiligter geschaffen werden konnten. Jonas drücke ich die Daumen, dass er gesund bleibt und sich weiterhin so toll entwickelt. Dann bin ich sehr zuversichtlich, dass er auch den Sprung in die Weltspitze der Senioren schaffen kann und uns auch in den nächsten Jahren weiterhin mit tollen Erfolgen erfreut.

Auch in drei Ehrenamtskategorien werden bei der KSB-Sportgala Auszeichnungen verliehen. Wir würden Sie bitten, jetzt einmal grundsätzlich das Engagement aller Ehrenamtlichen im Sport des Kreises Heinsberg zu würdigen.

Goertz: Ich mache die Bedeutung des Ehrenamtes mal an der heutigen Sportgala fest. Ohne Ehrenamt würde es in unseren ländlichen Strukturen keine oder nur ganz ­wenige Sportvereine geben. Und ohne diese Sportvereine, die letztlich auch die Basis für sportliche Leistungen und Erfolge sind, hätten wir heute Abend nichts zu feiern. Ich persönlich fände das sehr schade, da wir ja gerade über die Sportgala die Breite des Leistungsspektrums des Sports im Kreis Heinsberg herausstellen können.

Ganz davon abgesehen, würde auch viel an Lebensqualität in unseren Städten und Gemeinden im Kreis Heinsberg verloren gehen. Fairness, Teamgeist, Respekt, ­Umgang mit Sieg und Niederlage, Emotionen, Spaß ließen sich dann nicht mehr vermitteln, da man sie nicht aus einem Buch lernen kann, sondern selbst erfahren muss. Heute Abend werden wir insgesamt vier Menschen in drei Kategorien stellvertretend für alle ­Ehrenamtlichen im Sport im Kreis Heinsberg auszeichnen. Auch wenn Ehrenamtliche immer sehr bescheiden sind, wenn es um ­eigene Auszeichnungen geht, so wird dies für die Preisträger ein ganz besonderer, auch emotionaler Moment werden.

Ein Moment, den sie sich mit viel Engagement und Herzblut verdient haben. Da wir bei der Sportgala nicht alle Ehrenamtlichen auszeichnen können, möchte ich hier die Gelegenheit nutzen, allen Ehrenamtlichen meinen herzlichen Dank auszusprechen. Egal ob Übungsleiter oder Trainer, ob Vorsitzender oder Geschäftsführer, ob Platzwart oder Reinigungskraft, ob Kampfrichter oder Schiedsrichter, ob Betreuer oder Gruppenhelfer, ob Helfer bei einzelnen Veranstaltungen oder beim regelmäßigen Spiel- oder Wettkampfbetrieb: Jede Form von ehrenamtlichem Engagement ist wichtig.

Mit meinem Dank möchte ich alle Ehrenamtlichen auch gleichzeitig motivieren, weiterzumachen. Denn es ist unbedingt erforderlich und lohnenswert zugleich, sich für das gesellschaftliche Miteinander einzusetzen und die Organisationsform des Sportvereins auch für die Zukunft zu sichern. Für einen selbst wegen der zahlreichen Erfahrungen und Kontakte, die sich durch das Vereinsleben ergeben, aber vor allem auch für unsere Kinder und Jugendlichen, damit wir für sie geschützte Erfahrungsräume erhalten, in denen sie sich mit ihren Begabungen und Fähigkeiten einbringen und neue Potenziale entfalten können.

„NRW bewegt seine Kinder!“, „Bewegt gesund bleiben in NRW!“ und „Bewegt älter werden in NRW!“ sind drei Landesprogramme, in deren Umsetzung der Kreissportbund unterwegs ist. Wie lautet beim Blick auf diese drei Tätigkeitsfelder des KSB Ihr Zwischenfazit?

Goertz: Die Umsetzung dieser Handlungsfelder ist für uns neben der Qualifizierung im Sport zur Kernaufgabe geworden und stellt den Motor unseres Wachstums in den letzten Jahren dar. Diese Handslungsfelder passen sehr gut in die heutige Zeit, da die Überschriften und Inhalte der Programme einerseits leicht verständlich sind und andererseits Lösungen für die gesellschaftlichen Herausforderungen bieten, denen sich unsere Sportvereine gleichermaßen wie Städte und Gemeinden stellen müssen. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, beispielhaft ein Highlight herauszustellen.

Besonders erfolgreich ist im vergangenen Jahr unsere Übungsleiter-Ausbildung unter dem Titel „Herbstgold“ für die Zielgruppe 50 plus gelaufen. Unser Anlass war eine Ausbildung speziell für diese Zielgruppe anzubieten, damit die Älteren nicht das Gefühl haben, sich an 20-Jährigen in der Ausbildung messen lassen zu müssen. Dadurch haben wir Menschen zu dieser Ausbildung motivieren können, die sich sonst nicht getraut hätten. Eine für mich noch viel interessantere Erkenntnis war aber, dass viele Teilnehmer durch die Ausbildung zum Übungsleiter einen neuen Lebensinhalt, eine neue Lebensaufgabe finden konnten. Das wurde insbesondere in einem Kurzfilm deutlich, den wir über diese Ausbildung drehen konnten. Die von den Teilnehmern in diesem Film getroffenen Aussagen haben mich sehr berührt und mir wieder mal gezeigt, wie wichtig es ist, sich für andere Menschen zu engagieren. Die neu ausgebildeten Übungsleiter sind zudem in ihrem Engagement kaum zu bremsen, sowohl im Verein als auch für unsere Aktivitäten.

Der Kreissportbund hat sich auch dem Deutschen Sportabzeichen verschrieben, das wieder an Bedeutung gewinnen soll. Sind Sie dabei auf einem gutem Weg?

Goertz: Wir sind sogar auf einem sehr guten Weg. Mit der Reform des Deutschen Sportabzeichens in 2013 zum 100-jährigen Jubiläum haben viele vermutet, dass die Erwerberzahlen erst mal deutlich zurückgehen. Gemeinsam mit der Kreissparkasse Heinsberg haben wir über den kreisweiten Sportabzeichen-Wettbewerb für Schulen sowie die Durchführung von Aktionstagen an drei Standorten im Kreisgebiet versucht entgegenzuwirken und mit einer Erwerberzahl von 5000 Sportabzeichen für 2015 ein sehr anspruchsvolles Ziel ausgerufen.

Dieses Ziel haben wir bereits im letzten Jahr erreicht, insbesondere durch eine sehr deutliche Steigerung bei den Schulen. Das hat viele überrascht, aber gleichzeitig bestätigt es, dass Projekte funktionieren, wenn man sie auf Nachhaltigkeit angeht und Geduld mitbringt. In diesem Jahr möchten wir uns über der magischen Zahl von 5000 verliehenen Sportabzeichen stabilisieren. Auch das Deutsche Sportabzeichen funktioniert nicht ohne ehrenamtliches Engagement.

Die zahlreichen Sportabzeichenprüfer und insbesondere unser Sportabzeichenbeauftragter Klaus Frese investieren viele, viele Stunden, da neben dem Training für die Vorbereitung und der Abnahme an sich auch viele administrative Tätigkeiten anfallen. Ein herzliches Dankeschön an alle, die sich für das Sportabzeichen engagieren.

Ohne Nachwuchs läuft bekanntlich nichts – das gilt für Sportvereine ebenso wie für den Kreissportbund. Der KSB setzt dabei vor allem auf seine Sportjugend. Wie ist es aktuell um sie bestellt?

Goertz: Hier treffen wir momentan leider auf Licht und Schatten. Beim gewählten Vorstand der Sportjugend haben wir es immer wieder mit Zyklen zu tun. Da wir auf junge Leute setzen und ihnen unser Vertrauen schenken, kommt alle paar Jahre wieder eine Situation, in der die jungen Menschen ihre Ausbildung oder ihr Studium abschließen und in andere Orte ziehen oder auch für das Studium umziehen müssen.

Dann steht in der Regel ein Wechsel an. Momentan haben wir wieder eine solche Situation, in der sich die Sportjugend neu finden muss und Gedanken darüber macht, wer zukünftig mit welchem Team an der Spitze steht. Freude bereitet uns seit mehreren Jahren das J-Team unserer Sportjugend. Dabei handelt es sich um eine offene und lockere Gemeinschaft von Jugendlichen, die sich selbst organisieren, ohne für ein Amt gewählt worden zu sein, und Aktionen und Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche planen.

Die durchschnittlich acht bis zwölf Teammitglieder stammen meist aus unseren Ausbildungen zum Gruppenhelfer oder Junior-Manager und sind echte Aktivposten mit guten Ideen. Diese teilweise sehr engagierten Jugendlichen sind zudem auch weiterhin in ihren Vereinen aktiv, sodass man wirklich sagen kann, dass es sich lohnt, als Verein in die Qualifizierung seiner Jugendlichen zu investieren. Wir erhoffen uns, aus dem J-Team auch immer wieder Nachwuchs für den Sportjugend-Vorstand gewinnen zu können.

Sie treten bekanntlich bei der Bürgermeisterwahl im September in Geilenkirchen für die CDU an. In der Vergangenheit haben Sie sich für einen Dialog zwischen Politik und Sport auf Augenhöhe ausgesprochen. Wie lautet denn Ihr Wahlversprechen speziell für die Geilenkirchener Sportvereine?

Goertz: Mit Wahlversprechen hält man sich bekanntlich besser zurück – nicht zu viel versprechen, sondern lieber machen. An meinen Grundüberzeugungen wird sich natürlich nichts ändern. Ich habe den sportpolitischen Dialog auf Augenhöhe – für den ich weiterhin eintrete – ja nicht ohne Grund gefordert und gesucht, sondern aus der Überzeugung heraus, dass sich nur im partnerschaftlichen Miteinander die vielfältigen Herausforderungen unserer Gesellschaft lösen lassen.

Wir brauchen den Dialog, wir brauchen kreative Ideen, wir brauchen das Zusammenwirken vieler Akteure, um heute unter der finanziell meist angespannten Situation der Städte und Gemeinden überhaupt noch etwas bewirken zu können. Die positiven Veränderungen an der Heinsberger Sportanlage im Klevchen in den letzten beiden Jahren sind hierfür genauso ein gutes Beispiel wie die zahlreichen Vernetzungen, die wir mit der Kreisverwaltung und anderen Organisationen und Institutionen geschaffen haben. Hierfür werde ich mich selbstverständlich auch in Geilenkirchen aussprechen und einsetzen, falls ich im September zum Bürgermeister gewählt werden sollte.

Ich glaube, es ist kein Geheimnis, dass die Sportlandschaft und die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Stadtsportverband in Geilenkirchen noch ausbaufähig sind. Hier müssen wir ein gemeinsames Verständnis dafür entwickeln, was wichtig für die Sportentwicklung in Geilenkirchen ist, gemeinsame Ziele und Prioritäten formulieren und uns auch offen darüber austauschen, wer sich in welcher Form einbringen und beteiligen kann. Meine Grundüberzeugungen gelten dabei natürlich nicht nur für den Sport.

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