Kreis Heinsberg - Öffentliche Tagung berät, was von inklusiver Schule erwartet wird

Öffentliche Tagung berät, was von inklusiver Schule erwartet wird

Von: jwb
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Bei der Inklusionstagung der Freien Wähler Kreis Heinsberg in der Oberbrucher Festhalle: Walter Leo Schreinemacher (l.) und Henning Rehse. Foto: Bindels

Kreis Heinsberg. Die Freien Wähler im Kreis Heinsberg (FW) hatten zu einer öffentlichen Tagung zum Thema Inklusion in die Festhalle Oberbruch eingeladen. Mit Vertretern von Schulen sowie Lehrer- und Elternverbänden sollte gemeinsam die zukünftige Ausrichtung für die Inklusionspolitik im Kreis Heinsberg erarbeitet werden.

Als Referenten hatte die Kreistagsfraktion der FW Henning Rehse, den Fraktionsvorsitzenden der Freien Wähler in der Landschaftsversammlung Rheinland, eingeladen. Die Moderation übernahm Walter Leo Schreinemacher, der Fraktionsvorsitzende der FW im Kreistag.

„Chancengleichheit besteht nicht darin, dass jeder einen Apfel pflücken darf, sondern dass der Zwerg eine Leiter bekommt“, begann Hennig Rehse mit einem Zitat seinen Vortrag, um in einer kurzen Einführung zur Inklusion auf der Grundlage der UN-Behindertenrechtskonvention dann den Status quo der Umsetzung der Inklusion in den Schulen mit Schwerpunkt im Bereich der Bezirksregierung Köln und des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) zu skizzieren.

Alle Menschen mit Behinderungen hätten alle Menschenrechte. Für den Bereich Bildung bedeute dies, dass Menschen aufgrund ihrer Behinderung nicht vom allgemeinen Bildungssystem und vom Besuch der weiterführenden Schulen ausgeschlossenen werden dürften. Grundschulen und alle weiterführenden Schulen bis zum Gymnasium sollten somit den Regelbesuch von behinderten Schülern ermöglichen. Das habe Auswirkungen auf die bisherigen Förderschulen, da diese konsequenterweise aufgelöst werden müssten.

Selbst Einrichtungen wie die Lebenshilfe und ihre Werkstätten stünden zur Disposition, wenn die UN-Behindertenrechtskonvention konsequent angewandt würde. Die Freien Wähler im Rheinland unterstützten nicht die Schließung der Förderschulen und anderer Einrichtungen. Zudem bestehe Bestandsschutz, wenn der Elternwille den Erhalt der Förderschule wolle, sofern die Schülerzahlen vorhanden seien.

Alleine die Barrierefreiheit in allen Schulen sicherzustellen, sei eine immense und kostenintensive Aufgabe. Mit der Auflösung von Förderschulen, besonders in den Bereichen Lernen, soziale Entwicklung und Sprache, und der Verteilung dieser Schüler auf die allgemeinbildenden Regelschulen würden sich Fragen nach den ausreichenden und notwendigen Ressourcen stellen. Die Frage nach dem Kindeswohl stelle sich dann auch aus dieser Sicht.

So schilderte eine betroffene Mutter aus dem Kreis Heinsberg, dass die Befürchtungen sich bewahrheiten würden, weil mit der Schließung und dem Auslaufen der bisherigen Förderschulen und der Verteilung auf Regelschulklassen der bisherige Klassenverbund der Förderschule aufgelöst würde. Selbst die letzte Schulbesuchsjahrklasse als die wichtigste vor dem Schulabschluss würde nicht mehr bestehen bleiben. Auch von Lehrerseite wurde berichtet, dass keine ausreichende Zahl von Inklusionsbetreuern in den Schulen zur Verfügung stehe. Mit der steigenden Zahl von zu beschulenden Flüchtlingskindern potenziere sich das Problem noch. Selbst beim Lernmaterial bestehe Mangel, sodass die Lehrerschaft dies nicht selten aus eigener Tasche bezahle.

Die Position der FW im Kreis Heinsberg lautet, dass – unter besonderer Beachtung des Konnexitätsprinzips – die benötigten Gelder zur Umsetzung von Maßnahmen, die Land und Bund den Kommunen abverlangen würden, auch den Kommunen zur Verfügung zu stellen seien. Mit dem vorhandenen Personal an den Regelschulen könnten die geforderten Aufgaben nicht umgesetzt werden. Das Ziel müsse es sein, eine inklusive Pädagogik zu schaffen, die mehr als nur eine Regelpädagogik plus Behindertenpädagogik darstelle.

Die Freien Wähler erwarten von einer inklusiven Schule, dass sie alle Kinder aufnehme, soweit dies möglich sei, dass sie pädagogische Angebote für die Kinder bereithalte, sich immer wieder neu entsprechend den Bedürfnissen der Kinder verändere und für sie ergänzende sowie fördernde Angebote aus ihrem Umfeld erschließe und vermittele.

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