Nur der Chef hat das richtige Bauchgefühl

Von: Nicola Gottfroh
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In der Post-Apotheke in Wegber
In der Post-Apotheke in Wegberg glänzte Rebekka Rütten stets mit viel Einsatz und guter Leistung: Die 21-Jährige wird am Dienstag in Düsseldorf von Hannelore Kraft als beste Auszubildende in NRW geehrt. Foto: Nicola Gottfroh

Wegberg. Es ist ein großes Hallo, mit dem Rebekka am Montag in der Post-Apotheke in Wegberg begrüßt wird. Auch wenn die 21-Jährige seit einigen Monaten kein offizielles Mitglied des Apotheken-Teams mehr ist - man ist immer noch stolz, wenn die junge Frau, die in der Post-Apotheke zur pharmazeutisch-kaufmännischen Angestellten (PKA) ausgebildet wurde, einen Abstecher in das Geschäft an der Bahnhofstraße macht.

Immerhin haben die Mitarbeiter zu einem nicht unerheblichen Teil dazu beigetragen, dass Rebekka ihre Ausbildung mit der Note „Sehr gut” - und mit Abstand dem besten „Sehr gut” im ganzen Land - abgeschlossen hat.

Am Montag wird ihr in Düsseldorf der Titel „Beste Auszubildende in Nordrhein-Westfalen” vom Verband freier Berufe verliehen - Ministerpräsidentin Hannelore Kraft wird ihr eine Medaille überreichen. Nicht nur die erfolgreiche Azubine macht das stolz.

Dass es einmal so weit kommen würde, das ahnte Rebekka nicht, als sie vor drei Jahren ihre Ausbildung begann. Ihr Chef Jörg Friehoff dagegen hatte wohl ein bestimmtes Bauchgefühl, wie anders könnte man sonst erklären, warum der Apotheker sie anstellte, obwohl er bereits eine Auszubildende hatte.

„In so kleinen Apotheken ist es selten, dass gleich zwei Leute ausgebildet werden, aber mein Chef hat es irgendwie doch möglich gemacht”, sagt Rebekka Rütten und betont: „Ich wollte aber auch nirgendwo anders meine Ausbildung machen. Denn schon beim Schnupperpraktikum habe ich mich direkt in den Betrieb und das tolle Team verliebt”, sagt sie.

Und weil ihr so viel Vertrauen entgegengebracht wurde und sich das Team für die Schaffung eines weiteren Ausbildungsplatzes einsetzte, nahm sich Rebekka eines vor: „Bloß nicht enttäuschen”, sagt sie. Und so glänzte sie mit viel Einsatz und immer guter Leistung.

„Das war aber auch gar nicht schwer. Der Job machte mir richtig Spaß. Der besondere Reiz dabei war immer, das Kaufmännische mit dem gesundheitlichen Aspekt zu verbinden”, sagt sie. Denn als pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte war ihre Aufgabe weniger das Herstellen von Medikamenten - das ist den Apothekern und den pharmazeutisch-technischen Assistenten überlassen - sondern vielmehr die ökonomische Seite der Apotheke.

Dazu gehörten die Warenbestellungen und die Betreuung des Internetshops und die Beratung im Bereich Kosmetik. „Ich liebe diese organisatorischen Dinge”, sagt Rebekka Rütten.

Und auch in der Berufsschule gehörte Rebekka immer zu denjenigen Schülern mit den besten Noten. Trotzdem war die Aufregung vor den beiden Abschlussprüfungen groß. Völlig unnötig, wie sich im Nachhinein herausstellte. „Aber ich wusste da ja noch nicht, dass ich so gut abschneiden würde”, sagt sie. Geschadet hat die Nervosität trotzdem nicht.

Nur einen Wermutstropfen hat die Abschlussprüfung hinterlassen. „Mit der Prüfung war dann auch meine Ausbildung beendet”, sagt Rebekka. Und damit auch die Zeit in der Postapotheke.

Mit großem Bedauern musste Jörg Friehoff seine Vorzeige-Azubine ziehen lassen. „Das ist sehr schade, denn Rebekka gehört zu den besten Azubis, die ich jemals hatte. Nicht nur was die Leistungen in der Schule angeht, sondern auch im Betrieb”, sagt Jörg Friehoff.

Doch eine Übernahme war in dem kleinem Betrieb kaum möglich - und die 21-Jährige wollte sich zudem gerne noch einmal anders orientieren. Das Arbeitsleben ist immerhin noch lang. „Und vielleicht gibt es etwas, das mir noch mehr Spaß macht”, erklärt Rebekka Rütten.

Inzwischen arbeitet sie seit einigen Wochen in der Personalabteilung eines Altenheims. „Und auch das macht riesig Spaß - ich organisiere ja gerne. Und bei dieser Arbeit muss man richtig viel organisieren”, sagt Rebekka.

Aber vielleicht, so sagt sie, geht sie irgendwann wieder zurück in den Apotheken-Bereich. Das Leben ist ja immerhin keine Einbahnstraße. Und wenn nicht, dann hat sie trotzdem keine Minute ihres Lebens in der Apotheke verschwendet. „In der Ausbildung lernt man fürs Leben. So etwas ist nie verschwendet”, sagt Rebekka Rütten.
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