Nun warten die Glocken auf ihre Montage

Von: Wilfried Schröders
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Mit tatkräftiger Unterstützung des Kirchenvorstandes und der Messdiener wurden die neuen Bronzeglocken Christus König, Maria und Martin entgegengenommen. Für die Montage ist der Förderverein noch auf Spenden angewiesen. Foto/Archiv: Wilfried Schröders

Waldfeucht-Haaren. „Von dem Dome, schwer und bang, tönt die Glocke . . .” - Schülergenerationen begleitete Schillers „Lied der Glocke” über das Werden und Wesen der Glocke. Der für die Haarener vertraute Klang von St. Johannes wird hingegen bald weicher werden.

„Im Zusammenhang mit der zwischenzeitlich erfolgten Instandsetzung der Turmuhr wurde die Glockenanlage durch den ?Glockensachverständigen des Bistums Aachen begutachtet”, erläuterte Hubert Wallrafen, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins.

Als Bauingenieur begleitet Wallrafen die Sanierungsarbeiten im Bereich des Turmes zugleich für den Förderverein. Fazit des Gutachters: „Der Klang der vorhandenen Glocken ist sehr unbefriedigend und kann nicht als kirchenwürdig bezeichnet werden.” „Die Glocken verfügen über wenig Singtemperament, sie klingen blechern und stumpf. Die vorgegebene Tonfolge kann nur mit großer Phantasie erkannt werden”, ergänzt Werner Krings, Vorsitzender des Fördervereins.

1883 und 1890 erwarb die Haarener Pfarrgemeinde die bis heute in Gebrauch befindlichen drei Stahlglocken des Bochumer Vereins für Gussstahlfabrikation. Die Entscheidung für Stahlglocken war Ausdruck der bescheidenen Finanzkraft der damals gut 1500 Schäfchen zählenden Pfarrei. Glocken aus Stahl waren weitaus günstiger zu erstehen als ihre bronzenen Ebenbilder. Dafür war der Klang aber auch härter. Deutlich wurde dies in Kriegszeiten, die die Bronzeglocken gänzlich verstummen ließ.

Das Militär beschlagnahmte die Glocken und ließ sie einschmelzen, um hieraus Kanonen fertigen zu lassen. Etwa 65.000 Glocken wurden allein im Ersten Weltkrieg in Deutschland eingeschmolzen, im Zweiten Weltkrieg allein in Deutschland nochmal mindestens 45.000 und in den besetzten Gebieten weitere 35.000 Glocken.

Die Haarener „Gussstahlglocken” blieben hiervon verschont - das Material war nicht kriegswichtig genug, so dass das Geläut bis heute fast 130 Jahre Friedensdienst leisten konnte. Wegen ihres Alters, ihrer Qualität und der sakralen Zwecke macht eine kostenintensive Restaurierung der alten Glocken keinen Sinn. Stellvertretend für den Kirchenvorstand hat der Förderverein der Pfarrei Haaren daher die drei Glocken Christus König (Ton F /+1), Maria (as/+1) und St. Martin (b/+2) von der Kirchengemeinde St. Norbert in Duisburg erstanden, ließ Jochen Houben, Kassierer des Fördervereins, wissen.

Bedingt durch kirchliche Strukturveränderungen, stehe die Duisburger Kirche vor dem Abriss, so dass die drei Bronzeglocken anno 1977 ihren Dienst in Haaren fortsetzen werden. Die reinen Anschaffungskosten für die neuen Glocken blieben mit 10.500 Euro vergleichsweise günstig; der Transport von Duisburg nach Haaren wurde vor einem Monat in Eigenregie durch den Förderverein organisiert. Einen optischen Eindruck kann der Kirchenbesucher bereits unterhalb der Orgelbühne erhalten; dort stehen die „neuen” Glocken, die recht klein wirken, aber von ihrer Größe den alten vergleichbar sind. „Jetzt steht die Montage noch aus”, erklärt Houben.

Die Montage wird über die vorhandenen Schallfenster im Turm erfolgen, das vorhandene Stahlgerüst kann laut Gutachter für die Montage weiter genutzt werden. „Dabei taxieren wir die Montagekosten auf rund 15 000 Euro”, so Houben. Allerdings ist die Kasse des Fördervereins nach den Projekten der jüngeren Vergangenheit (Trennungstür zwischen Kirchturm und Sakralraum sowie Turmuhr) inzwischen leer. „Wir brauchen dringend Spenden”, appelliert der Vorstand des Fördervereins. Es gibt auch eine Spendenbescheinigung.

Für den milden Klang, der interessanterweise keine „Lärmgrenzwerte” überschreiten wird, ist inzwischen gesorgt. Es fehlen noch die starken Partner, um die Glocken auch wirklich erklingen zu lassen. „Denn nur wo Starkes sich und Mildes paarten, da gibt es einen guten Klang”, beschrieb es schon Schillers Glocke.
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