Notfallpraxen: Votum für ein lokales Konzept

Von: disch
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Im Kreis-Ausschuss für Gesundheit und Soziales wird gerätselt, warum in den neuesten Nachrichten vom „Heinsberger Modell“ die Rede ist. Appell zum Erhalt der drei Praxen – nur eine „inakzeptabel“, zwei „absolutes Minimum“. Foto: defi

Kreis Heinsberg. Die online verbreiteten neuesten Nachrichten aus ­Aachen, nach denen die Schließung von Notfallpraxen vorerst – für die nächsten zwei Jahre – vom Tisch sei, sorgten am Montagabend im Ausschuss für Gesundheit und Soziales, der im Kreishaus tagte, für Gesprächsstoff.

Gerätselt wurde vor allem darüber, warum in diesem Zusammenhang vom sogenannten Heinsberger Modell die Rede ist. Auch Heinz-Josef Vergossen, Vorsitzender der Heinsberger Kreisstelle in der Kassenärztlichen Vereinigung, konnte dieses Rätsel nicht lösen.

Angedacht sei auf jeden Fall ein Modell, wonach ein Arzt „vorfiltrieren“ würde, ob der Notfallpatient in die Krankenhaus- oder in die Kassenarzt-Behandlung gelangen sollte. Details seien aber noch nicht besprochen worden. Und nebulös deutete Vergossen an, dass es am Ende auch einen „Salto mortale“ geben und alles ganz anders kommen könnte. Aber zu dieser weiteren Option, die „Zukunftsmusik“ sei, könne er nichts sagen.

„Erst einmal bleibt alles so, wie es ist“, bis ein Weg aus dem Dilemma gefunden sei: Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) und Ärztekammer Nordrhein (ÄKNO) müssten eine gemeinsame Lösung finden – und dabei sollten die Krankenhäuser mit am Tisch sitzen.

Nach Vorarbeit in einem interfraktionellen Gremium, in dem auch die Ärzteschaft mitwirkte, fasste der Kreis-Ausschuss für Gesundheit und Soziales am Montag auf Vorschlag der CDU einstimmig – bei einer Enthaltung der Partei Die Linke – einen Beschluss:

Kreistag und Kreisverwaltung sollen nachdrücklich an die Vorstände von KVNO und ÄKNO appellieren, im Rahmen der Umstrukturierung und Neuorganisation des Notdienstes im Interesse der medizinischen Versorgung der Bevölkerung an einem Fortbestand der bestehenden drei Notdienstpraxen im Kreis Heinsberg festzuhalten – hilfsweise über eine Dependancen-Regelung. Der Schlüssel von nur ­einer Notdienstpraxis für 250.000 Menschen sei gerade in einem Flächenkreis „keinesfalls sachgerecht und daher inakzeptabel“.

Angesichts der derzeit auch innerhalb und zwischen KVNO und ÄKNO noch laufenden Abstimmungsprozesse bestehe die Möglichkeit, im Einvernehmen mit den lokalen Vertretern der Ärzteschaft Einfluss auf die Abstimmungen in den Gremien der Ärzteschaft zu nehmen.

Unter Berücksichtigung der zu respektierenden Entscheidungskompetenzen von KVNO und ÄKNO soll die Verwaltung aufgefordert werden, zusammen mit der interfraktionellen Arbeitsgruppe ein lokales Konzept auszuarbeiten und es mit und über die Kreisstellen in die Beschlussgremien der Ärzteschaft einzubringen.

Dabei werde zu berücksichtigen sein, dass im Hinblick auf die demografische Entwicklung der Fahrdienst (Hausbesuche) besonders in einem Flächenkreis an Bedeutung gewinnen werde. Er müsse daher ein besonderer Fokus sein.

Kompromissbereitschaft

Eine Reduzierung auf zwei Notdienstpraxen im Kreisgebiet als „absolutes Versorgungsminimum“ könne nur dann toleriert werden, wenn eine den Ansprüchen eines Flächenkreises gerecht werdende Organisation und Kapazität eines solchen Fahrdienstes garantiert werden könne. So heißt es in dem Beschluss. Daran hatte sich die SPD – im Gegensatz zu FDP und Grünen – zunächst noch gestört.

Erst einmal sollte das Maximum gefordert werden, so Karl-Heinz Röhrich. Doch Dr. Hanno Kehren (CDU) konnte die Bedenken gegen die Kompromisslinie ausräumen. Auch die Spitzen der Ärzteschaft im Kreis Heinsberg hatten sich zu Wort gemeldet: „Mehr werden wir nicht bekommen“, sagte KV-Vorsitzender Heinz-Josef Vergossen zu der Zahl von zwei Notdienst­praxen. Und Dr. Ernst Lennartz als ÄK-Vorsitzender mahnte: „Man muss auch kompromissbereit sein.“ Lediglich Ullrich Wiehagen von der Partei Die Linke war in diesem Punkt nicht zu überzeugen.

Nach dem Beschluss des Ausschusses soll der Landrat auch aufgefordert werden, auf Landesregierung und Krankenkassen einzuwirken, damit die von der Bevölkerung gewünschte ortsnahe Versorgung außerhalb der Sprechstundenzeiten durch eine verlässliche Vergütung der Ärzte sichergestellt werden kann.

Dr. Karl-Heinz Feldhoff, Leiter des Kreisgesundheitsamtes, hatte festgestellt: „Wir haben im Kreis Heinsberg eine sehr gute und optimale Versorgung.“ Diese sehr komfortable Situation mit drei Notfallpraxen in und an Krankenhäusern sei in anderen Kreisen so nur ganz wenig vorhanden – aber dies sei eben „nicht zum Nulltarif zu haben“.

Die klare Botschaft laute: „Wir wollen auf keinen Fall eine Verschlechterung.“ Mit Blick auf die aktuellen Meldungen zeigte sich auch Feldhoff „erstaunt“, dass da vom Heinsberger Modell gesprochen wird. Ausschussvorsitzender Norbert Reyans (CDU) meinte nach dem einstimmigen Votum, mit dem ja ein lokales Konzept auf den Weg gebracht worden ist: Die interfraktionelle Arbeitsgruppe wolle nun das Heinsberger Modell entwickeln.

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