Norbert Röttgen: Ein einiges Europa als einzige Option

Von: Anna Petra Thomas
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Außenpolitischer Experte in Heinsberg: Norbert Röttgen. Foto: anna

Kreis Heinsberg. Auf Einladung des CDU-Kreisvorsitzenden Bernd Krückel war der Ex-Umweltminister, CDU-Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses nach Heinsberg gekommen, um aus seiner Sicht über die aktuelle weltpolitische Lage zu berichten. „Gerät die Welt aus den Angeln?“ war sein Vortrag überschrieben.

Ganz alleine fuhr er mit seinem schicken schwarzen Cabriolet bis hinters Rathaus. Die Sicherheitsbegleitung von Dr. Norbert Röttgen blieb in einiger Entfernung, ebenfalls die Heinsberger Polizei, die dem Umfeld der Begegnungsstätte besondere Aufmerksamkeit widmete.

Rund 100 Zuhörer waren schon vor Ort, als Krückel den Gast zusammen mit seinem Stellvertreter Dr. Gerd Hachen, Landtagsabgeordneter wie er, und mit Heinsbergs Bürgermeister Wolfgang Dieder in den Saal geleitete. Man kenne sich schon seit etwa 30 Jahren, noch aus Zeiten der Jungen Union, erzählte Krückel in seiner Begrüßung.

„Viel aktueller und viel brisanter kann Außenpolitik nicht sein“, so der Gastgeber weiter. Das sei ihm gerade erst beim EM-Spiel von Deutschland gegen die Ukraine bewusst geworden. Wissen wollte er von Röttgen, woher er den Optimismus genommen habe, 2009 ein Buch unter dem Titel „Deutschlands beste Jahre kommen noch“ zu veröffentlichen.

Er freue sich sehr über die Einladung, erklärte dann Röttgen. Aber es sei schon „ein bisschen verrückt“. Für ihn gelte es derzeit, nur über schwierige Themen zu sprechen. Am Anfang sei die Stimmung gut. Wenn der Vortrag vorbei sei, sei sie schlecht. „Das ist immer so.“ Innenpolitisch habe er mit seinem Buchtitel gar nicht so falsch gelegen, beantwortete er Krückels Frage. Deutschland sei gekennzeichnet durch eine hohe wirtschaftliche und politische Stabilität. „Aber es wird Zeit für eine zweite Auflage“, merkte er an, „um die Lageanalyse anzupassen.“

Die nahm er dann über eine Stunde in einer Art rasantem politischen Weltspiegel vor, hinter dem Rednerpult und immer wieder mit dem Blick auf ein Manuskript, das dort gar nicht vorhanden war. Röttgen entpuppte sich als brillanter Politiker der freien Rede und nahm seine Zuhörer dabei mit auf eine Reise rund um den Globus. Dabei erwies er sich auch als Kenner vieler Hintergründe und internationaler Verflechtungen.

Früher hätten Themen der Außen- und der Innenpolitik weit auseinandergelegen, betonte er. „Heute ist die Welt so eng zusammengerückt.“ Vor zwei Jahren, mit der Bürgerbewegung in der Ukraine, sei nach dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg und nach der Wiedervereinigung Deutschlands quasi eine Art drittes Kapitel der Geschichte begonnen worden. Europa werde vom Osten wie vom Süden herausgefordert und befinde sich im Innern zugleich in der schwersten Krise seit seinem Bestehen.

In dieser ganz neuen historischen Konstellation mit einer Gleichzeitigkeit von Krisen gebe es keinen Knopf, den man drücken könne. „Das wird für nicht absehbare Zeit so bleiben, und das wird uns viel intensiver beschäftigen als je zuvor.“ Deutschland befinde sich in diesem dritten Kapitel in einer neuen Rolle in puncto außenpolitischer Verantwortung, „die andere bei uns lokalisieren“, so Röttgen. In diesem Zusammenhang sprach er auch die Führungsrolle von Angela Merkel in der Moderation an.

Röttgen blickte nach Russland, nach Saudi-Arabien und in den Iran, aber auch in die Türkei. Migration sei ein globales Problem, das auf eine neue Art von Nationalismus treffe. Auch Deutschland habe sich weggeduckt, als die Flüchtlinge noch in Italien gewesen seien, so der CDU-Außenpolitiker weiter. Ein einiges Europa sei die einzige Option, irgendeinen Einfluss auf all das auszuüben. Der nationale Weg sei eine Illusion.

Röttgen stellte zwei wesentliche Forderungen auf: „Wir müssen uns als Europäer überall für Einigkeit einsetzen und nicht nur da, wo unsere Interessen berührt sind!“, forderte er. „Und wir müssen als Europäer endlich anfangen, europäische Außenpolitik zu machen!“

Finanzielle Investitionen seien gleichsam notwendig wie ein militärischer Schutz. „Mit einem Euro können wir in Jordanien 30 Mal mehr ausrichten als hier in Heinsberg“, fügte er hinzu. „Wir dürfen nicht warten, bis die Flüchtlinge hier sind“, ergänzte er und erntete dafür den Applaus seines Publikums.

„Es steht wirklich viel auf dem Spiel, auch unsere Stabilität hier in Deutschland!“, betonte er zum Schluss seiner Rede. „Die Europäer müssen erwachsen werden, einig werden!“ Er habe nicht von Naturkatastrophen berichtet. Und deshalb gelte es, Politik zu machen, um es besser zu machen.

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