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Niedersächsischer Ort Neuhof sucht Hilfe in Hückelhoven

Von: Norbert F. Schuldei
Letzte Aktualisierung:

Hückelhoven. Der Brief ist an den Bürgermeister der Stadt Hückelhoven adressiert. Martina Mühle aus dem niedersächsischen Ort Neuhof mit der Postleitzahl 31195 bittet Bernd Jansen um Hilfe. Der aber muss passen.

Das Dorf Neuhof liegt rund 30 Kilometer südlich von Hildesheim. In diesem Jahr wird dort mit einigen Feierlichkeiten das 700-jährige Bestehen der Ortschaft gefeiert. Wie das bei solchen Anlässen üblich ist, haben die Organisatoren auch vor, ein Buch herauszugeben. „Neuhofs Geschichte(n)” soll der Titel sein.

Und ein Teil von Neuhofs Geschichte ist mit der von Hückelhoven verknüpft: „Teil dieser Geschichten”, schreibt Martina Möhle in ihrem Brief an Bürgermeister Bernd Jansen, „ist natürlich die Nachkriegszeit, in der viele Hückelhovener in Neuhof Aufnahme gefunden haben, als sie vor dem Einmarsch der Amerikaner geflüchtet waren. Sie blieben längere Zeit und wurden nach Kriegsende von Neuhöfer Bauern mit Trecker und Anhänger zurück nach Hückelhoven gebracht”.

Die Autoren der Chronik des Dorfes suchen also Hückelhovener, die nach der Landung der Alliierten in der Normandie im Juni 1944 im Kriegswinter 1944/45 vor der Rurfront nach Norden geflohen sind.

„Es wurde angeordnet, dass alle Ratheimer sich zu bestimmten Zeiten am Ratheimer Bahnhof einzufinden hatten mit höchstens 15 Kilo Handgepäck pro Person, außer denen, die aus irgendeinem Grund von der Ortsgruppenleitung - das war die örtliche Parteileitung - dienstverpflichtet wurden”, schreibt der verstorbene ehemalige Hückelhovener Stadtdirektor Johannes Bürger.

Vom 10. September an rollten mehrere Züge mit Zivilisten von Ratheim aus in Richtung Norden. „Diejenigen, die Flüchtlinge aufnehmen mussten”, heißt es in der Chronologie des Ortes Neuhof bei Hildesheim über diese Zeit, „waren sicherlich alles andere als erfreut über die unbekannten Mitbewohner. Doch man arrangierte sich, wohl auch in der Hoffnung, dass dieser Zustand nicht allzu lange anhalten würde und die Westdeutschen bald wieder zurück in ihre Heimat konnten.”

Zunächst jedoch waren die Hückelhovener auf die Hilfe der Neuhöfer angewiesen. Erst als am 7. Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation aller deutschen Truppen unterzeichnet war, konnten auch die Hückelhovener zurück nach Hause. Die Neuhöfer Bauern waren bei der Rückkehr gern behilflich: „Sie packten die Habseligkeiten auf Treckeranhänger und man staunte, was alles den Weg von Neuhof nach Hückelhoven antreten sollte”, heißt es.

Martina Möhle also sucht nach Hückelhovenern, die sich an die Zeit der Evakuierung nach Neuhof am Fuße des Deisters erinnern und dies als Beitrag in dem Buch zur 700 Jahre währenden Geschichte des Ortes festhalten. Eines sollten die Neuhöfer Autoren allerdings lernen: Hückelhoven schreibt man mit „v” und nicht mit „f”.
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