Nicht für das Amt kandidieren, sondern für die Fitness

Von: Rainer Herwartz
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Er hat es schon wieder getan: Hein-Gottfried Fischer kandidiert zum dritten Mal für einen Bürgermeisterposten. Foto: Jan Mönch

Selfkant/Gangelt. Ja wie heiß ist das denn?! Alle Welt pilgert gemeinhin ins Fitnessstudio, rennt sich im Wald die Seele aus dem Leib oder schwimmt im Hallenbad Bahn um Bahn, bis sich zwischen den Zehen erste Schwimmhäute andeuten – nur um fit zu bleiben.

Und das möglichst lange, auch im Alter. Doch da ist einer, der für sich ein ganz spezielles, völlig aus dem Rahmen fallendes „Trainingsprogramm“ ersonnen hat, um die müden Glieder und den trägen Geist in Schwung zu halten. Kein Witz, er kandidiert für das Amt eines Bürgermeisters. Irgendeines Bürgermeisters wohlgemerkt. Erfolglos zwar, aber immer wieder und offenbar auch überall. Sein Name: Hein-Gottfried Fischer. Sein Wohnort: Gangelt.

Im Kreis Heinsberg ist der Sozialpädagoge bestens bekannt, weil er bei der letzen Bürgermeisterwahl in Gangelt und später in Selfkant seinen Hut in den Ring warf. Jetzt dürfen sich die Wählerinnen und Wähler im Kreis Pinneberg in Schleswig-Holstein, genauer gesagt in der Gemeinde Halstenbek, auf einen – umschreiben wir es milde – bunt-skurrilen Wahlkampf gefasst machen. Eigentlich ist er schon in vollem Gange.

„Bevor ich zum ersten Mal kandidiert habe, bin ich rumgelaufen wie ein hundertjähriger Opa“, sagt der 72-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. Doch dann sei ihm quasi die Erleuchtung gekommen. „Da hat mir mein Körper gesagt, lass‘ Dich nicht hängen.“ Und das Rezept hierzu bildete praktisch den Beipackzettel der Offenbarung.

„Um mich fit zu halten und als Sozialpädagoge und Christ möchte ich als Bürgermeisterkandidat etwas für mich und andere tun.“ Sein Credo lautet: „Ich bin okay, Du bist okay.“ Diese Botschaft solle „überall rüberkommen“, hofft Fischer. Der Geilenkirchener Bürgermeister Georg Schmitz, parteilos, sei sein Vorbild, weil dieser es ja schließlich auch in den Ratssitzungen so menscheln lasse.

Wie er denn überhaupt auf den bald vakanten Job des Verwaltungschefs im verschlafenen Halstenbek gekommen sei? Das ist schon eine muntere Geschichte für sich. „Ich habe ein Foto mit Bernhard Tholen, dem Bürgermeister von Gangelt, gesehen, der vor einem Computer saß. Da hab‘ ich gedacht, Mensch Hein, dass kannste noch nicht. Da musst du dich unbedingt fortbilden.“ Und als der wissensdurstige Senior schließlich auch das Internet erobert hatte, ließ er gleich mal den Blick schweifen, ob da nicht irgendwo im Land ein Bürgermeisterposten auf ihn warte.

„Ich bin darauf gekommen, weil ich hier ja noch vier Jahre hätte warten müssen. Zuerst habe ich einen Bürgermeisterposten in Baden-Württemberg ins Auge gefasst, doch da lag die Altersbegrenzung bei 65 Jahren.“ Da kam Halstenbek wohl wie gerufen, zumal die dortige Bürgermeisterin Linda Hoß-Rickmann nicht mehr kandidiert. Seit Wochen pendelt Fischer nun schon an den Wochenenden mit dem Zug gen Halstenbek. 135 Unterschriften benötigte er, damit seine Kandidatur auch angenommen wurde. „Ich bin sogar sechs drüber. Durch Hausbesuche. Ich habe ja Erfahrung, da weiß man schon, wie man Unterschriften kriegt.“

Bislang gebe es nur zwei Gegenkandidaten, einen von der CDU und einen von der SPD. Noch bis zum 25. Juli können sich weitere Kandidaten melden, bevor am 11. September, dem Wahlsonntag, die Entscheidung fällt. Auch wenn Fischer es nicht ins Rathaus schaffen sollte, ins „Hamburger Abendblatt“ hat er es schon geschafft.

Beinahe ein wenig mitleidig schaut Fischer auf seine zukünftigen Amtskollegen in der hiesigen Region, denn der Bürgermeister „dort oben“ habe eine gänzlich andere Kragenweite. „Da wäre ich dann sowas wie ein Präsident. Für das, was die Bürgermeister hier so machen, gibt es dort einen Bürgervorsteher, der dem Bürgermeister unterstellt ist.“

Na ja, um ein Präsident zu werden, hätte es nicht der langen Fahrten bis nach Halstenbek bedurft. Bei dem Sinn für Humor hätte Fischer wohl auch Chancen bei so manchem Karnevalsverein.

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