Neues Gesicht für eine noch nicht alte Stadt

Von: Norbert F. Schuldei
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Das Geschäftshaus am Wildauer Platz gibt der alten Zechenstadt Hückelhoven ein neues Gesicht. Foto: Schuldei

Hückelhoven. Es gibt Situationen, da möchte man am liebsten an die Decke gehen: „Ihr könnt mich mal!” Sie kennen das. So ungefähr wird es vor etwa zwei Jahren gewesen sein, als Franz Peter Greven immer noch darauf wartete, fünfzehn - ja 15! - Quadratmeter Grundstück kaufen zu dürfen.

Ohne dieses kleine Fleckchen Erde nämlich konnte das Projekt auf den 1500 Quadratmetern Grundfläche, die sich daran anschlossen, nicht gestartet werden. Fünfzehn lächerliche Quadratmeter fehlten. „Ohne diese winzige Fläche hätten wir das komplette Innenleben des Geschäftshauses überarbeiten, neu berechnen und anders gestalten müssen”, sagt der Architekt heute.

Wie jeder Hückelhoven-Besucher unschwer erkennen kann, hast´s dann ja doch noch geklappt: Die Grundstücksangelegenheit ist beigelegt worden, dem Startschuss für das Projekt „Geschäftshaus am Wildauer Platz”, also im Herzen Hückelhovens, stand nichts mehr im Wege. Das neue Gebäude, das war gleich bei der Planung allen Beteiligten klar, würde das Gesicht der Stadt entscheidend verändern, es würde Hückelhoven ein prägendes Aussehen geben.

Eine solche Chance bekommt man als Architekt nicht alle Tage. „Sicher war mir klar, dass der Auftrag über das Alltägliche hinausgeht”, sagt Franz Peter Greven. „Aber ob das eine Verantwortung war, die mich belastet hat? Nee, kann ich wirklich nicht sagen.” Die Chancen, die sich bieten, zu packen, Dinge auch einfach mal ausprobieren, ohne dass das Ergebnis von vornherein zementiert ist - das sind Handlungsweisen, die Grevens Vorgehen bestimmen.

„Ich war Ende der achtziger Jahre lange in Australien und habe dort in Australien in einem großen Architektturbüro gearbeitet. Zurück in Deutschland war ich in einem japanischen ingenieursbüro beschäftigt. Das hat mich geprägt”, sagt er. Bei den Australiern hat er die kreative Seite des Bauens studierten können und bei den Japanern die wirtschaftliche Seite der Architektur kennen gelernt. „Heute geht in jedem Architekturbüro die Kreativität, also das Ausprobieren neuer Formen und Stilmittel, Hand in Hand mit dem geschäftlichen Aspekt des Bauvorhabens”, sagt Greven. Wie in allen gesellschaftlichen Bereichen eben. „Natürlich hat man als Architekt eine Vielzahl von Gestaltungsmöglichkeiten in der Hand.”

Das, sagt er weiter, fließe dann eher unbewusst mit in die Vorstellung ein, wie man Veränderung eine Form geben kann. „Bevor ich den Blick über meinen Hückelhovener Tellerrand geworfen hatte, war für mich hier so, wie es war, alles in Ordnung.” Einfach weil es so war, wie es war. Als er dann aber aus Australien wieder an die Rur kam, „da habe ich auf einmal viele Dinge differenzierter gesehen.” Eigentlich, das sagt er natürlich nur hinter vorgehaltener Hand, eigentlich habe er ganz, ganz viele Baustellen gesehen. Und dann kam die Gelegenheit, seiner Geburtsstadt einen Stempel aufzudrücken. Seinen Stempel.

Natürlich hatte er ziemlich genaue Vorstellungen, wie das Gebäude aussehen würde, die Idee war schnell vor dem inneren Auge geboren: „Runde, geschwungene Formen, Transparenz und Licht durch große Glaselemente. Ohne die vorhandene städtebauliche Linie völlig aufzubrechen und auf der anderen Seite die Verbindung zwischen Parkhofstraße und Hückelhoven-Center zu schaffen”. Der Einfluss all der Erfahrungen, die er in den Jahren der „Blickerweiterung” angehäuft hatte. Überhaupt Erfahrungen sammeln: das ist etwas, was Greven begeistert. „Vom Beginn meines Berufslebens an wollte ich so schnell wie möglich ganz viele Erfahrungen sammeln. Damit ich auch noch lange und sehr viel davon profitieren kann”, sagt er.

Als nach dem Fall der Mauer Berlin praktisch neu aufgebaut wurde, „da bin ich jeden Monat zum Potsdamer Platz gefahren und hab´ mir fasziniert angeguckt, was da in kurzer Zeit entsteht. Mehr als zehn Jahre ist das schon her”. Er schüttelt kaum merklich den Kopf, als er das sagt. Nein, die Zeit lässt sich nicht in Formen pressen. Am 18. März wird sein weithin sichtbares Gestaltungselement in der Mitte der ehemaligen Zechenstadt Hückelhoven endlich, nach weit mehr als drei Jahren Planungs- und Bauzeit, der Bestimmung übergeben. Zufrieden? Grevens Antwort kommt rasch. „Da schlägt das Herz höher.”
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