Neues Dokumentationssystem bei Alten- und Pflegeheime St. Josef

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Nur noch ein Blatt statt einer dicken Mappe wird bei St. Josef für die Zusammenfassung der Dokumentation benötigt. Darüber freuen sich Geschäftsführer Volker Kratz, angehende Pflegefachkraft Stefanie Küppers, Pflegedienstleiterin Ursula Vollenbroich-Vogt und Qualitätsbeauftragter Markus Engstfeld (v. l. n. r.). Foto: St. Josef

Kreis Heinsberg. Die Alten- und Pflegeheime St. Josef haben – nach eigenen Angaben als erste im ­Bistum Aachen – in ihren Einrichtungen ein neues Pflegemodell und Dokumentationssystem für die Pflege eingeführt, das die dafür notwendige Zeit pro Schicht und Bewohner um fast zwei Drittel verkürzen soll.

Der in den vergangenen Jahren stetig gestiegene Aufwand für die Dokumentation in der Pflege hat keine Einrichtung in Deutschland verschont, auch die Alten- und Pflegeheime St. Josef nicht. Mit mehreren Einrichtungen in der stationären und in der teilstationären Pflege engagiert sich das gemeinnützige Unternehmen in der Region Heinsberg für das Wohl älterer und pflegebedürftiger Mitmenschen.

Das neue Dokumentationssystem lässt den Mitarbeitern wesentlich mehr Zeit für ihre eigentliche Aufgabe: die Betreuung und Pflege seiner Bewohner. Das neue System, „Strukturmodell“ genannt, hat im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit die damalige Ombudsfrau für die Entbürokratisierung in der Pflege, Elisabeth Beikirch, entwickelt, zusammen mit Fachleuten aus Praxis und Wissenschaft sowie juristischer Expertise. Von September 2013 bis Februar 2014 wurde es in mehr als 60 Einrichtungen erprobt. Derzeit laufen bundesweit Veranstaltungen, in denen Elisabeth Beikirch und Staatssekretär Karl-Josef Laumann, der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, für die Teilnahme am Projekt und damit für die Umsetzung des Strukturmodells werben.

Enorme Verbesserung

In den Einrichtungen von St. Josef in der Region Heinsberg gehört es schon zum Alltag. „Wir wollten nicht warten, bis wir zur Teilnahme aufgerufen werden, da wir den Entwicklungsprozess immer aufmerksam verfolgt und die enorme Verbesserung für Mitarbeiter und Bewohner gesehen haben“, erklärte Pflegedienstleiterin Ursula Vollenbroich-Vogt.

Waren bisher rund 40 Minuten pro Schicht und Mitarbeiter alleine für die Dokumentation zu leisten, sind es jetzt nicht mehr als 15 Minuten. Umfasste eine Mappe für einen Bewohner bisher zwischen 20 und 35 Formblätter, ist nach Angaben der Alten- und Pflegeheime St. Josef jetzt auf einem Blatt die strukturierte Informationssammlung (SIS) übersichtlich zusammengefasst.

Geübtes Auge

„Es werden nur noch die Abwei-chungen und Besonderheiten dokumentiert, nicht aber der komplette Leistungskomplex der Pflege, und dies immer wieder aufs Neue“, so Ursula Vollenbroich-Vogt. „Zudem wurden bisher auch viele Daten immer wieder neu erhoben, die für die eigentliche Pflege gar nicht relevant waren“, verwies sie als Beispiel darauf, dass examinierte Pflegekräfte trotz ihrer hohen Fachkompetenz regelmäßig unzählige Checklisten für mögliche Gesundheitsrisiken hätten ausfüllen müssen, obwohl ihr geübtes Auge dies auch ohne Bürokratie und Formblätter erkannt habe.

Zudem ermögliche das neue System jetzt nicht nur eine übersichtlichere, sondern auch eine ganzheitliche Darstellung des jeweiligen Bewohners, ergänzte ihr Stellvertreter Markus Engstfeld. „Und dabei hat jeder Bewohner jetzt auch deutlich mehr Mitwirkungsmöglichkeiten.“ Dadurch werde ihm mehr Wertschätzung entgegengebracht. Wie heißen bezeichnenderweise die ersten Fragen des neuen Strukturmodells beim Einzug ins Alten- und Pflegeheim: Was bewegt Sie im Augenblick? Was brauchen Sie? Was können wir für Sie tun?

Schlankeres System

„Insgesamt ein schlankeres System mit höherer Qualität“, so lautete jedenfalls das Fazit von Ursula Vollenbroich-Vogt. „Und ganz sicher hat es auch Auswirkungen auf die Gesundheit unserer Mitarbeiter. Das ständige Ankreuzen von Kästchen war auch in unseren Einrichtungen Motivationskiller Nummer eins!“

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