Heinsberg - Neues Denkmal mitten in der City: Tiefer Brunnenschacht im Gewölbekeller

Neues Denkmal mitten in der City: Tiefer Brunnenschacht im Gewölbekeller

Von: anna
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Nicht nur von vorne, auch von hinten präsentiert sich das ehemalige Ärztehaus von seiner frisch sanierten Seite. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg. Ein Gebäude, das unter Denkmalschutz steht, zu sanieren, stellt an seinen Besitzer ganz besondere Herausforderungen. Der ursprüngliche Charakter des Gebäudes muss nämlich dabei erhalten bleiben. Aber genau solch ein Gebäude wollten Gereon und Jörg Frauenrath, als sie Ende Oktober 2012 das Haus mit der Nummer 5 an der oberen Heinsberger Hochstraße von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) kauften.

Sie selbst engagierten sich für die Eintragung des Gebäudes in die Denkmalliste. Am 1. Dezember 2014 war es so weit, zwei Wochen später kam die Genehmigung zu der von ihnen geplanten Veränderung. Umgewandelt wurde das Gebäude allerdings nur in seinem Inneren, von einer zuvor gewerblichen Nutzung durch die AWO hin zu einer Wohnnutzung. Sechs Mietwohnungen mit Flächen zwischen 73 und 95 Quadratmetern entstanden nach Plänen des Heinsberger Architekten Volker Claßen.

„Wir sind es aus unserem Tagesgeschäft eigentlich gewohnt, alte Bauruinen abzureißen und neue Gebäude zu errichten“, erklärte Jörg Frauenrath bei der ersten öffentlichen Präsentation des neuen Heinsberger Denkmals, zu der auch Bürgermeister Wolfgang Dieder, Friedbert Görtz als Vertreter der Unteren Denkmalbehörde und AWO-Geschäftsführer Andreas Wagner gekommen waren.

„Diese Art des Bauens im Bestand ist natürlich aufwendiger als bei einem Neubau. Aber ich finde, das war es wert“, betonte Jörg Frauenrath stolz mit Blick auf die freistehende, hölzerne Eingangstür und die eindrucksvolle Eingangshalle mit einer nicht minder stattlichen Holztreppe, beides noch aus den 1920er Jahren, in denen das Gebäude vermutlich als Umbau und Erweiterung eines älteren Gebäudes entstand. Und wer dann am Rundgang durch das Bauwerk teilnahm, konnte auch einen historisch nicht minder wertvollen Gewölbekeller besichtigen, in dem sich noch ein tiefer Brunnenschacht befindet.

„Das Haus Hochstraße 5 ist eines der wenigen weitgehend unverändert und anschaulich erhaltenen Gebäude der Zeit vor 1945 im historisch bedeutenden Stadtkern von Heinsberg, darüber hinaus an städtebaulich wichtiger Stelle“, heißt es in der Begründung der Denkmalbehörde.

Die genauen Ursprünge seien nicht mehr zu ermitteln, die heute sichtbaren Formen würden jedoch auf eine Bauzeit Mitte der 1920er Jahre hinweisen, was sich auch mit Einträgen in alten Adressbüchern in Einklang bringen lasse. Vermutet wird das Jahr 1927, wo sich im Einwohner-Adressbuch für die Kreise Geilenkirchen, Heinsberg, Erkelenz eine Anzeige von einem Dr. med. H. Winkels findet. Der Brunnenschacht im Keller des Hauses überliefere zudem zumindest teilweise die ältere und ebenfalls hoch bedeutende Zeitschicht der Stadt in der frühen Neuzeit.

Städtebaulich gesehen gehöre das Gebäude zusammen mit dem Ensemble aus Propstei, Torhaus und ehemaligen Haus Lennartz, dem heutigen Begas-Haus, in der oberen Hochstraße zu dem am besten erhaltenen historischen Straßenbild im Ortskern von Heinsberg. Gewürdigt wird das neue Denkmal aber auch wegen seiner architekturgeschichtlichen Bedeutung. So seien Arzthäuser in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts eine durchaus typische Baugattung mit öffentlicher Bedeutung gewesen.

„Zwar sind bei Hochstraße 5 im Inneren keine spezifischen Grundriss-Details dieser Nutzung mehr erhalten, doch das durchaus repräsentative Äußere vermittelt auch heute noch anschaulich, dass es sich bei dem prägenden Umbau 1927 nicht um ein einfaches Wohnhaus, sondern um eine Nutzung mit öffentlicher Bedeutung handelte“, heißt es in der Begründung weiter.

Und diese öffentliche Bedeutung bleibt jetzt für Heinsberg erhalten. „Ich finde auch, die obere Hochstraße ist eines der schönsten Fleckchen von Heinsberg“, das es gelte, „aus dem Dornröschenschlaf zu erwecken“, erklärte Jörg Frauenrath abschließend. Eine Meile aus Wohnen und Gastronomie zu schaffen, so lautet seine Wunschvorstellung. „Übrigens, die Hochstraße 1 hier nebenan steht ebenfalls unter Denkmalschutz“, merkte er an. Sobald der richtige Pächter gefunden sei, stehe auch der Sanierung dieses Gebäudes nichts mehr im Wege.

„Wir stehen hier im historischen Stadtkern“, erklärte der Bürgermeister. Das frisch sanierte Gebäude sei ein bedeutsamer Gewinn für das Stadtbild, würdigte er das Engagement der Gebrüder Frauenrath.

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