Neues bei der Lebenshilfe: Baupläne und ein Leitbild

Von: anna
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Sie haben das neue Leitbild für die Lebenshilfe erarbeitet: Klaus Meier, Klaudia Kohnen, Rosemarie Gunia und Willi Gehrmann (von links nach rechts). Foto: Anna Petra Thomas

Kreis Heinsberg. Neubaupläne und ein neues Leitbild stellte der Vorstand der Lebenshilfe mit dem Vorsitzenden Klaus Meier an der Spitze bei der Mitgliederversammlung in Oberbruch vor. In seiner Rede ging Meier jedoch zunächst auf die aktuelle Finanzkrise ein, die auch an der Lebenshilfe nicht spurlos vorübergehe.

„Die klammen Kassen bei den Städten, Gemeinden und beim Land führen zu ­immer schwierigeren Verhandlungen über die zu erbringenden ­Leistungsentgelte für die Menschen in unseren Einrichtungen.“ Von Mitbewerbern aus Handel und Industrie um Aufträge werde die Lebenshilfe zudem mitunter argwöhnisch beäugt, weil sie ja vom Staat „subventioniert“ werde. „Früher haben wir uns in solchen Situationen, ich übertreibe jetzt ein wenig, weggeduckt und geschämt.“ Aber dafür gibt es laut Meier gar keinen Grund.

„Mit Stolz und großem Selbstbewusstsein kann die Lebenshilfe Heinsberg Beachtliches vorweisen und, vor allem, wir können es belegen.“ So habe die Lebenshilfe im Rahmen einer Studie (die gesellschaftliche und regionalökonomische Wirkung ihrer Werkstatt für behinderte Menschen war analysiert worden) berechnen lassen, dass von jedem Euro, den sie von der öffentlichen Hand erhalte, 45 Cent wieder in die öffentlichen Kassen zurückfließen würden. Alleine im Jahr 2010 habe die Lebenshilfe Waren und Dienstleistungen im Wert von über zwei Millionen Euro eingekauft. Sie beschäftige mehr als 700 Angestellte in Voll- und Teilzeit. „Wir sind anerkanntermaßen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im Kreis Heinsberg. Vor wem also, bitteschön, sollten wir uns ducken und verstecken müssen?“ So lautete die rhetorische Frage von Meier.

Weiter ging der Vorsitzende in seiner Rede auf das Thema Inklusion ein. Sicherlich sei sie ein gesamtgesellschaftliches Thema, aber sie könne nicht von oben ­herab verfügt werden, ohne dass die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen worden seien. „Bei der Umsetzung der inklusiven Schule in NRW ist der Motor dafür schon ganz schön ins Stottern geraten, weil einfach handwerkliche Fehler gemacht wurden“, so Meier. „Wir müssen auf der Hut sein, dass nicht Ähnliches mit den Werkstätten geschieht.“ Man komme nicht umhin zu glauben, dass der Inklusionsgedanke für Kosteneinsparungen genutzt werde. „Ich sage das deshalb, weil der Druck auf uns, deutlich mehr Menschen mit Behinderungen auf den ersten Arbeitsmarkt zu bringen, stetig erhöht wird.“

Dabei seien die Werkstätten vor Jahrzehnten entstanden, um einer Exklusion von Menschen mit Behinderung auf dem Arbeitsmarkt entgegenzuwirken. „Solange sich Betriebe von der Pflicht freikaufen können, Arbeitsplätze für behinderte Menschen bereitzustellen, wird sich auch nichts ändern.“ Gesellschaftliche Systeme, die diese Exklusion zu verantworten hätten, würden jetzt mit Fingern auf die Werkstätten zeigen, weil sie nicht inklusiv seien, würden sie gar auf den Prüfstand stellen wollen. „Wie frech ist das denn?“ So fragte Meier. „Da fehlen einem schon die Worte.“ Sicherlich werde sich die Werkstätten-Landschaft verändern, und auch die Lebenshilfe Heinsberg werde diese Veränderung konstruktiv begleiten, denn „Inklusion ist etwas Gutes“. Aber es gelte dabei aufzupassen, dass die Schwächsten, die Menschen mit schwersten und mehrfachen Behinderungen, dabei nicht auf der Strecke bleiben würden.

Nach Berichten aus den unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen der Lebenshilfe erfuhren die Mitglieder von den Neubauplänen. So sollen die in die Jahre gekommene Küche, der Speisesaal und die Verwaltung von Betrieb 1 in Oberbruch ab 2014 einem Neubau weichen. Ein neues, zweigeschossiges Gebäude soll in einem „Lebenshilfe-Zentrum“, so der Arbeitstitel, alle jetzt noch im Kreis verteilten Beratungs-, Fortbildungs- und Freizeitangebote sowie alle ambulanten Therapieangebote unter einem barrierefreien Dach zusammenfassen. Im Obergeschoss soll die Verwaltung ihren neuen Platz finden. Über einen Lichthof erreichbar, sind im hinteren Bereich eine neue Küche und ein neuer Speisesaal geplant.

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