Waldfeucht - Neue Windräder wären höher als der Kölner Dom

Neue Windräder wären höher als der Kölner Dom

Von: Franz Windelen
Letzte Aktualisierung:
Waldfeuchts Bürgermeister Hei
Waldfeuchts Bürgermeister Heinz-Josef Schrammen erläutert die Standorte, an denen die riesigen Windräder platziert werden könnten. Foto: Windelen

Waldfeucht. Alte Rotoren sollen durch neue, leistungsstarke ersetzt werden. Repowering nennen das die Fachleute. Auch der Windpark Waldfeucht/Selfkant soll aufgerüstet werden. Acht der insgesamt 14 Rotoren sollen - so der Antrag des Investors - abmontiert werden, sechs moderne Mühlen sollen stattdessen errichtet werden.

Diese Anlagen haben eine imposante Höhe von 200 Metern, überragen damit selbst den Kölner Dom um satte 40 Meter und wären im Kreisgebiet - bislang - von der Höhe her konkurrenzlos. Politisch ist noch nichts entschieden. Dies erklärt Heinz-Josef Schrammen, Bürgermeister der Gemeinde Waldfeucht, auf deren Gebiet drei der sechs Riesenräder platziert würden.

Vier alte Windräder, die die Höhe von 100 Metern haben, sollen durch drei effizientere Rotoren ersetzt werden. Die Firma Frauenrath BauConcept hat den Antrag gestellt. Die Riesenräder würden einen massiven Einschnitt in das Landschaftsbild darstellen.

Schrammen: Auch wenn in der Bevölkerung hier und da ein anderer Eindruck entstanden sein sollte: In dieser Sache ist noch gar nichts entschieden. Der Rat hat den Bürgermeister lediglich beauftragt, mit dem Investor weitergehende Gespräche über das Bauvorhaben zu führen. Darüber hinaus werde ich auch die Meinung der Nachbargemeinden Gangelt und Selfkant zu dem Vorhaben einholen. Die Gemeinde Waldfeucht muss sich im Übrigen mit einem zweiten Antrag, hier des EnergieKontors, befassen, der die Errichtung von drei Windrädern ebenfalls in der Höhe von 200 Metern östlich des bestehenden Windparks Harzelt/Breberen zum Gegenstand hat.

Es gibt keine Alternative zu den erneuerbaren Energien, ihnen gehört die Zukunft. Aber dennoch muss die Frage erlaubt sein: Warum müssen die Rotoren in einer dicht besiedelten Landschaft, die zudem als Freizeitregion vermarktet wird, diese gigantischen Ausmaße haben?

Schrammen: Diese Rotoren sind energieeffizienter und damit wirtschaftlicher. Sie sind weitaus leiser und werfen weniger Schatten als die Vorgänger-Modelle. Und da sie mehr Strom erzeugen, generieren sie auch mehr Einnahmen für die Gemeinde. Man muss wissen: Bislang bekommen wir nur für den Windpark Obspringen mit seinen zehn Anlagen 40 000 Euro pro Jahr, die Gemeinde ist mit einem Prozent an der Einspeisevergütung beteiligt. Das ist sozusagen der Ausgleich für die nicht wegzudiskutierende Beeinträchtigung des Landschaftsbildes. Außerdem fallen hier noch Gewerbesteuereinnahmen an.

...und für den Windpark Waldfeucht/Selfkant gab und gibt es bisher keinen Cent?

Schrammen: Nein. Damals waren die Zeiten wohl noch etwas anders, und man hat nicht daran gedacht, dies vertraglich zu fixieren. Vorausgesetzt, die insgesamt sechs Riesenräder - drei davon bekanntlich auf Selfkänter Gebiet - würden errichtet, würden diese jeweils 25.000 Euro in die beiden Gemeindekassen spülen, dazu kommen noch die Gewerbesteuereinnahmen. Das ist viel Geld für eine kleine Kommune. Aber hier ist noch nichts in trockenen Tüchern. Eines ist sicher: Für nen Appel und ein Ei lassen wir uns die Dinge nicht aufs Auge drücken.

Aber darf man die Situation nur rein wirtschaftlich betrachten? Wie steht es mit den Interessen der Bürger, die Sie - wie angekündigt - einbinden wollen? Vielleicht wollen die Anwohner nur 150, 160 Meter hohe Mühlen.

Schrammen: Bei beiden Anträgen - für den Windpark Waldfeucht wie auch für die drei neuen Rotoren im Feld zwischen Langbroich und Braunsrath - ist, ich sag es noch einmal, gar nichts entschieden. Beides ist noch ergebnisoffen. Der Willen der Bevölkerung ist für mich ausschlaggebend. Wäre die Mehrheit gegen 200 Meter hohe Windräder, würde diese Tatsache natürlich bei den weiteren Überlegungen und bei den Gesprächen mit den Investoren berücksichtigt. Wir werden nach den Sommerferien jeweils eine Info-Veranstaltung in Bocket und Braunsrath machen. Dort können Fragen gestellt werden, dort können Bedenken und Sorgen sowie Anregungen vorgetragen werden. Ich werde die Meinung der Bevölkerung bündeln und dann auf dieser Grundlage den Beschlussvorschlag zur Änderung des Flächennutzungsplanes für den Gemeinderat formulieren.

Was passiert, wenn sich die Bürger gegen die Riesenräder aussprechen?

Schrammen: Dann geht für mich und die Gemeinde Waldfeucht nicht die Welt unter. Dann werden die Investoren weiterziehen und sich nach einem anderen Standort umsehen. Die Gemeinde Waldfeucht ist mit ihren 9100 Einwohnern zwar die kleinste Kommune im Kreis Heinsberg, hat dafür aber in ihren Bemühungen um Erneuerbare Energien schon Beachtliches geleistet. Wir haben derzeit schon überdurchschnittlich viele Windräder auf unserem Gebiet: Es sind aktuell 19 Rotoren, die 24 Megawatt erzeugen. Damit könnten rund 15.000 Haushalte mit Strom versorgt werden.

Außerdem gibt es einen landwirtschaftlichen Betrieb mit einer Biogas-Anlage, die eine Leistung von 250 Kilowatt erbringt, und eine Reihe von Solardächern. Schulgebäude und Schwimmbad werden mit einer Pelletsheizung versorgt. Selbst wenn die neuen Windräder nicht installiert werden, bräuchten wir kein schlechtes ökologisches Gewissen zu haben. Wir produzieren heute schon deutlich mehr Strom, als die Haushalte in der Gemeinde verbrauchen.
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