Neue Bundestagsabgeordnete: Die ersten 100 Tage sind vorbei

Von: Anna Petra Thomas
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Große Kreis Heinsberger Koalition im Deutschen Bundestag: Wilfried Oellers (links) von der CDU und Norbert Spinrath (rechts) von der SPD im Plenarsaal des Reichstagsgebäudes in Berlin. Fotos (5): Anna Petra Thomas Foto: Anna Petra Thomas
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Norbert Spinrath im Gespräch mit seiner wissenschaftlichen Mitarbeiterin Ines Krolik. Ihre Kollegin Anja Fleischhauer weilte bei diesem Fototermin gerade im Urlaub.
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Wilfried Oellers mit seiner Berliner Büroleiterin Guénaelle Le Déroff (links) sowie Wahlkreis-Büroleiter Thomas Geller (rechts) und der Berliner Sekretärin Martina Stühmeier (2. v. r.).

Kreis Heinsberg/Berlin. Die berühmten ersten 100 Tage sind vergangen seit der Wahl der beiden neuen Abgeordneten aus dem Kreis Heinsberg in den 18. Deutschen Bundestag. Grund genug, ihnen in Berlin einmal über die Schulter zu schauen. Wilfried Oellers, als Direktkandidat für die CDU gewählt, hat mittlerweile sein endgültiges Domizil in der sechsten Etage des Jakob-Kaiser-Hauses, dem größten deutschen Parlamentsgebäude, bezogen.

Es liegt gleich gegenüber vom ARD-Hauptstadtstudio an der Wilhelmstraße. Norbert Spinrath, über die Liste für die SPD in den Bundestag gekommen, residiert noch „UdL“, wie es in Berlin heißt, im ehemaligen Büro von Franz Müntefering an der renommierten Adresse Unter den Linden, direkt gegenüber der russischen Botschaft. Da er aber jetzt europapolitischer Sprecher seiner Fraktion geworden ist, wird er in Kürze noch einmal umziehen, ebenfalls in die Nähe des ARD-Hauptstadtstudios.

Hell ist es in der obersten Etage des Jakob-Kaiser-Hauses, wo Oellers drei Büroräume nutzt. Viel Glas, helles Holz und weiß gestrichene Wände prägen die Büros. In zwei zusammenhängenden Räumen arbeiten Guénaelle Le Déroff als Büroleiterin und Martina Stühmeier als Sekretärin sowie während der Sitzungswochen auch Thomas Geller als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Er ist Leiter des Heinsberger Wahlkreisbüros, das sich im Heinrich-Köppler-Haus an der Schafhausener Straße in Heinsberg befindet.

20 Meter zu Fuß sind es in Berlin von den Büros der Mitarbeiter um die Ecke zum Domizil von Oellers. Kein Nachteil? „Nein“, erklärt er. Hier könne er abseits vom Tagesgeschäft des Büros in Ruhe arbeiten. Ja, angekommen in Berlin und in seiner Arbeit als Bundestagsabgeordneter fühle er sich jetzt, erklärt er. Er ist froh, dass die Übergangszeit vorbei ist, in der er sich zusammen mit einem weiteren Bundestagsneuling sowie allen Mitarbeitern ein Büro teilen musste.

„Da standen sechs Schreibtische in einem Zimmer“, erinnert er sich. Wenn er jetzt vom Schreibtisch aufschaut, blickt er auf zwei Aquarelle, die seinen Heimatort Horst zeigen, einmal mit der Kirche und einmal mit der Wurm. Auf der Wand links hat er zwei Zeichnungen aufgehängt, vom Heinsberger Selfkantdom und von der Schlangenkapelle. „Da bin ich früher in der Mittagspause öfters spazieren gegangen“, erinnert er sich an seine Zeit in der Anwaltskanzlei.

Als seine Mitarbeiter in Berlin hat er ganz bewusst solche gewählt, die bereits viel Erfahrung im „Bundestagsgeschäft“ haben. „Es reicht, wenn der Abgeordnete der Neuling ist“, sagt er. „Sie war schon zu Bonner Zeiten aktiv“, erzählt er über seine Büroleiterin in Berlin. Sie hat bereits für Willy Wimmer aus Neuss gearbeitet und zuletzt für Dieter Jasper aus Steinfurt, der nicht mehr zur Wahl angetreten ist. „Dass die Mitarbeiter die Abläufe kennen, ist enorm wichtig“, weiß er nach den ersten Wochen. „Da wäre sonst vieles an mir vorbeigelaufen.“ Sekretärin Martina Stühmeier war bisher für die FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag aktiv, mit Schwerpunkt Gesundheitswesen. Thomas Geller schließlich kommt aus dem Büro von Helmut Brandt aus Alsdorf.

Privat in Berlin lebt Oellers im Hotel und ist damit derzeit zufrieden. Klar müsse er da immer alles hin und her tragen, räumt er ein. Andererseits nutze er seine Zeit in Berlin allerdings sehr intensiv und sei eigentlich nur zum Schlafen im Hotel. „Wenn ich abends in einer Wohnung wäre, würde ich doch viel intensiver merken, dass ich nicht zu Hause bin“, sagt er. Auf lange Sicht werde er sich vielleicht eine Wohnung zulegen, derzeit jedoch sei dies kein Thema.

Anders bei Spinrath, der gerne schon kurzfristig vom Hotel in eine eigene Wohnung umziehen würde. Einerseits fehle bei vollem Terminkalender derzeit jedoch die Zeit zur Wohnungssuche, erklärt er. „Und ich habe das Gelübde abgelegt, keine Maklerprovision zu zahlen. Da wird es schwierig.“ Was seinen Arbeitsplatz in Berlin betrifft, hat auch er eine Übergangsphase hinter sich, in der er „Untermieter“ bei Dietmar Nietan aus Düren war.

Dabei habe ihn auch dessen Personal unterstützt, was ihm sehr geholfen habe, gesteht Spinrath. Er habe sich im Rahmen seiner Kandidatur sehr gründlich informiert, schließlich sei es ja bereits seine dritte hintereinander gewesen. „Ich glaubte, gut vorbereitet zu sein. Aber was kam, dazu hatte meine Fantasie dann doch nicht ausgereicht“, gibt er offen zu.

Mittlerweile fühlt aber auch er sich angekommen in seinem Amt. Zwei wissenschaftliche Mitarbeiterinnen hat er in Berlin: Anja Fleischhauer, die zuvor in Teilzeit bei Nietan tätig war, und Ines Krolik, zuvor für Lothar Ibrügger aus Minden im Einsatz, der nicht mehr zur Wahl angetreten ist. Auf eine Sekretärin hat er anders als Oellers ganz bewusst verzichtet. Seine beiden wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen würden die Büroorganisation mit übernehmen, sagt er.

Da er jetzt noch einmal umziehen muss, hat er sich jetzt in seinem Büro „UdL“ auch nur übergangsweise eingerichtet. Und doch, ein bisschen Heinsberg oder besser Heimatort Geilenkirchen findet sich auch hier, auf dem ­Augustblatt des Kalenders der NRW-Landesregierung. Die Couch im Büro ist zwar schwarz, aber zwei rote Kissen liegen drauf. Und die rote Wahlkampf-Couch, mit der er nach seiner Wahl nach Berlin gefahren ist?

Die sei schon wieder zurückgekehrt in die Heimat. „Die kommt in mein Wahlkreisbüro“, sagt er. Im März soll es eröffnet werden, im selben Gebäude in ­Hückelhoven, wo sich bereits die Büros des Unterbezirks befinden. Einen Mitarbeiter hat Spinrath dafür noch nicht eingestellt. „Da befinde ich mich noch im Auswahlprozess“, sagt er.

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