Neue Attraktion: Blidenstein vom Heimatverein Wassenberg

Von: Dettmar Fischer
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„Geschafft!”, Walter Bienen,
„Geschafft!”, Walter Bienen, „Projektleiter Blidenstein-Stele”, enthüllte die Geschosskugel unter dem Beifall seiner Kameraden vom Heimatverein Wassenberg. Foto: defi

Wassenberg. Eine der schönsten Parkanlagen der Region, der neu gestaltete Park vom Bergfried hinunter bis zum Gondelweiher im Herzen von Wassenberg, ist um eine Attraktion reicher. Der Heimatverein Wassenberg hat einen Blidenstein, der einst vor der alten Stadtmauer gefunden wurde, hinter dem Wehrturm an der Kirchstraße in exponierter Stellung platziert.

Das Geschoss ist auf einer Stele in Höhe seiner Flugbahn kurz vor dem Einschlag in die Stadtbefestigung positioniert - so wie ein Schnappschuss aus einem Moment irgendwann im 12., 13. oder 14. Jahrhundert. Heute weiß niemand mehr zu sagen, welche Belagerungstruppen mit einer Blide, der größten und präzisesten Wurfwaffe unter den mittelalterlichen Belagerungsmaschinen mit einer Reichweite bis zu 300 Metern, den Stein abgeschossen hatten.

Eine Hinweistafel an der Stele erläutert die historischen Zusammenhänge und verweist auf die zahlreichen Belagerungen in der fast tausendjährigen Geschichte der Stadt Wassenberg.

Mit vereinten Kräften richteten die Männer des Wassenberger Heimatvereins die Stele auf und fixierten den Metallstab mit dem Stein an der Spitze auf dem Fundament, das der Heimatverein gemeinsam mit Helfern der KAB Wassenberg ausgehoben und gegossen hatte. „Projektleiter” Walter Bienen kam die Ehre zu, den Blidenstein in luftiger Höhe zu enthüllen.

Der Vorsitzende des Heimatvereins, Sepp Becker, erklärte den anwesenden Wasserberger Bürgern, wie der Stein in den Besitz des Heimatvereins gelangte. Im Gespräch mit dem späteren Stifter Willi Semleit auf dem Klompeball in der Oberstadt, habe er, so Becker, von der Existenz des Blidensteins erfahren.

Er habe den Stein in die Umrandung seines Teiches eingebaut, habe ihm Semleit erzählt. „Ah, da liegt er aber schön”, habe er dem Willi damals geantwortet, so Becker. Und Willi Semleit hatte den Wink verstanden und zugesagt: „Gut, dann sollt ihr den bekommen.”

Leider starb Willi Semleit zwischenzeitlich, doch Ehefrau Karin hielt das Wort ihres Mannes. Gefunden worden war das Geschoss ursprünglich im Garten der Familie Gansweidt in der Parkstraße.

Der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Wassenberg, Leo Stassny, dankte dem Heimatverein und der KAB für ihren Einsatz: „So kann Wassenberg was werden.”

Ehrenbürger Hanns Heidemanns stellte den Anwesenden die geschichtlichen Zusammenhänge dar, in die eine Blide einzuordnen ist. Heidemanns: „Das menschliche Hirn hat sich nie gescheut mit brutalsten Mitteln sein Ziel zu erreichen.”

Und so seien mit den Katapulten nicht nur Stein- und Feuerkugeln abgeschossen worden, sondern auch verseuchte Leichen und Leichenteile. 19 Eroberungen, 14 Brände, acht Plünderungen und fünf Schleifungen mussten die Festung Wassenberg und ihre Bewohner erleiden. Die heutige Stadtmauer, an der nun die Stele mit dem Blidenstein steht, wurde um 1400 errichtet.

Der Wehrturm aus dieser Zeit, weist bereits Schießscharten für Kanonen auf. Heidemanns erläuterte: „Der Übergang von den Wurf- zu den Rohrwaffen vollzog sich in dieser Zeit fließend.”

Mit dem Wassenberger Lied und einem wohlverdienten Schluck endete die bislang letzte Aktion zur Verschönerung der Wassenberger Parkanlage.
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