Neubau der Lebenshilfe soll sich für die Menschen öffnen

Von: Anna Petra Thomas
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Klaus Meier, Vorsitzender der Lebenshilfe (2.v.r.) und Geschäftsführer Edgar Johnen (4.v.r.) hatten zu einer ersten offiziellen Baustellenbesichtigung für den Lebenshilfe-Neubau eingeladen. Foto: Anna Petra Thomas
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Architekt Josef Viethen erläuterte am Plan auch Details zur behindertengerechten Ausstattung der neuen Lebenshilfe-Gebäude in Oberbruch.

Heinsberg-Oberbruch. „Jetzt ist schon richtig was zu sehen!“ Edgar Johnen, Geschäftsführer der Lebenshilfe deutete jenseits des Bauzauns an der Richard-Wagner-Straße auf eine große, gelbe Sandfläche, aus der hier und da schon kurze Stücke brauner Kunststoffrohre herausragten. Neben dem Vorstand der Lebenshilfe waren auch Vertreter des Werkstattrates und Architekt Josef Viethen zur ersten offiziellen Baubesichtigung gekommen.

Nachdem sich alle auf der Baustelle einen Eindruck von den laufenden Arbeiten verschafft hatten, blickte Johnen vor Ort zusammen mit Detlef Randerath und Sandra Küppers vom Werkstattrat noch einmal zurück auf den Abriss des bisherigen Verwaltungsgebäudes sowie von Küche und Speisesaal. „Da waren schon alle geschockt“, erzählt Sandra Küppers. „Aber alle freuen sich jetzt, dass neue Häuser kommen.“

Er habe vor 40 Jahren gedacht, man baue für die Ewigkeit, „und plötzlich ist es weg“, räumte das ehemalige Vorstandsmitglied Heinz Schmitz beim anschließenden Pressegespräch in Betrieb 2 ein. „Aber wenn man die Notwendigkeit sieht, ist man wieder versöhnt“, erklärte er.

Damals habe es neben dem eigentlichen Bauprojekt noch ganz andere Probleme gegeben, würdigte Meier zunächst die Leistung von Schmitz und seinen damaligen Vorstandskollegen. „Das war der erste Betrieb der Lebenshilfe“, so der Vorsitzende. „Da konnte man nicht sicher sein, ob er akzeptiert würde, ob es ausreichend Betreuer und auch Aufträge geben würde.“

Solche Fragen hätten bei der aktuellen Neubauentscheidung keine Rolle gespielt. Vielmehr sei die Entscheidung zu fällen gewesen, die alten Gebäude zu sanieren oder ganz neu zu bauen. Letztendlich sei es jedoch preiswerter gewesen, ganz neu zu bauen und so etwas Innovatives zu schaffen.

Der Architekt erläuterte noch einmal Details, die zur Entscheidung für einen Neubau geführt hätten. Da war vor allem der Keller, der bereits seit Jahren nur noch durch dauerndes Pumpen vom Grundwasser befreit werden konnte. Der Brandschutz entsprach nicht mehr dem Stand der Technik, und auch die Küche wies nicht mehr den erforderlichen Standard für Großküchen auf.

Durch den Neubau sei es jetzt möglich, gleich drei Vorhaben miteinander zu verbinden, führte Johnen aus. Mit einem Investitionsvolumen von insgesamt sechs Millionen Euro werde ein modernes, funktional ausgereiftes, wirtschaftliches und optisch ansprechendes Gebäude entstehen mit einer Nutzfläche von insgesamt 4100 Quadratmetern, so Viethen.

Gut 800 Quadratmeter davon entfallen im Erdgeschoss auf das neue „Lebenshilfe-Center“. Hier werden künftig alle ambulanten und offenen Hilfen zusammengefasst. Bildungs- und Freizeitangebote sollen hier zudem weiter ausgebaut werden.

Viel weiter als bisher wolle man sich hier der Bevölkerung öffnen, ergänzte Meier, neben einem offen und freundlich gestalteten Empfangsbereich auch mit einem kleinen Café und einem eigenen Shop, in dem Produkte der Lebenshilfe direkt gekauft werden können. Die Fördermittel von der Stiftung Wohlfahrtspflege in Höhe von 700.000 Euro und der Aktion Mensch in Höhe von 250.000 Euro sind für dieses Lebenshilfe-Center zweckgebunden.

Rund drei Millionen Euro werden in die neue Großküche und den Speisesaal investiert, die hinter dem Lebenshilfe-Center entstehen. Bis zu 2000 Essen werden hier pro Tag gekocht, nicht nur für die rund 1500 Menschen, die zum Beispiel in den Betrieben arbeiten oder in den Kindergärten betreut werden, sondern auch für externe Einrichtungen.

Neu eingerichtet werden sollen hier auch eine eigene Backstube und eine eigene Konditorei. Der Speisesaal wird rund 350 Menschen Platz bieten, dient darüber hinaus als Veranstaltungsraum und kann am Wochenende auch für Vereins- und Privatfeiern genutzt werden. Im Obergeschoss des Lebenshilfe-Centers wird schließlich die Verwaltung einziehen.

„Jetzt können wir alles so einrichten, dass jedes Detail stimmt“, würdigte schließlich Vorstandsmitglied Jakob Lieck das ehrgeizige Projekt. Und wie das stimmt, machte der Architekt an einem Beispiel deutlich. Alles sei so durchdacht, dass ein Mensch, der zum Beispiel über einen Sinn nicht mehr verfüge, sich im Lebenshilfe-Center dennoch alleine zurechtfinden könne, indem er andere Sinne nutze.

Sogenannte taktile Hilfen fangen künftig für ihn schon vor dem Eingangsportal an und führen ihn bis in den Raum, den er im Center erreichen will. Weiteres Ziel sei, die Gebäude so einzurichten, dass sie künftig noch mehr Menschen mit Behinderung Arbeitsplätze bieten könnten. So soll es etwa in Zukunft auch einem Rollstuhlfahrer ermöglicht werden, in der Konditorei mitzuarbeiten.

Von außen soll das Gebäude im Untergeschoss eine dunkle Klinkerfassade erhalten, im Obergeschoss ein hell verputztes Wärmedämm-Verbundsystem. Die Fertigstellungstermin ist Sommer 2015.

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