Nein zum Bau neuer Kohlekraftwerke

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Die Regionalsynode Energie tagte im Martin-Luther-Gemeindehaus in Erkelenz. Foto: jdk

Kreis Heinsberg. Vertreterinnen und Vertreter der fünf evangelischen Kirchenkreise Aachen, Gladbach-Neuss, Jülich, Köln-Nord und Krefeld-Viersen versammelten sich im Martin-Luther-Gemeindehaus Erkelenz. In den 80er-Jahren war die Regionalsynode Energie ins Leben gerufen worden, die sich mit Fragen der Umwelt, insbesondere mit dem Abbau der Braunkohle und deren Folgen beschäftigte.

Nach einigen Jahren Pause fand jetzt ein Treffen statt, das sich mit der Energiewende befasste. Unter der Leitung von Superintendent Jens Sannig informierten Experten über verschiedene Aspekte dieses Prozesses. Richard Brand vom Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) erläuterte die Schrift „Kernpunkte für ein nachhaltiges Energiekonzept“, die zum einen eine kritische Analyse der bisherigen Energiepolitik bietet, aber auch aufzeigt, wo und wie die evangelische Kirche konkrete Maßnahmen zum Schutz der Umwelt umsetzt und wo für die Zukunft weitere Anstrengungen gefordert oder bereits geplant sind. Das Umweltmanagement „Grüner Hahn“ ist ein Beispiel für viele Aktionen, mit denen die Menschen vor Ort Verantwortung für ihre Mitwelt wahrnehmen.

Das EKiR-Papier sieht die Energiewende als Teil eines gesamtgesellschaftlichen Strukturwandels, den man nicht allein den Marktkräften überlassen dürfe. Es seien auch die wirtschaftlichen Folgen, wie zum zum Beispiel die Frage von Arbeitsplätzen, mit in den Blick zu nehmen. Und zu dem Thema, das die Menschen nicht nur in Erkelenz besonders bewegt, nämlich dem Braunkohletagebau, sagt die EKiR deutlich: „Planung und Bau neuer zusätzlicher Kohlekraftwerke lehnt die Evangelische Kirche im Rheinland ab.“

Oliver Krischer (Bündnis 90/Die Grünen) wies darauf hin, dass man mit der Energiewende vorrangig den Atomausstieg verbinde. Dies sei auch der einzige Bereich, der gesetzlich geregelt sei. Alle anderen Fragen, wie zum Beispiel die Festlegung von Klimazielen, seien in Deutschland bisher nicht in Gesetze gefasst. Auch gebe es in diesen Fragen bisher offensichtlich keinen gesamtgesellschaftlichen Konsens. Krischer sprach sich dafür aus, weitere Anreize zu schaffen auf dem Weg zum Ziel, das heiße: 100 Prozent erneuerbare Energien. Dass gegenwärtig der Anteil bei 25 Prozent liege, sei mehr, als man zu hoffen gewagt habe. Im Zusammenhang mit den Erfordernissen der kommenden Jahre sprach er sich für kleinere, flexiblere Kraftwerke aus. Die vielbeschworene Brückentechnologie sei am besten mit Gaskraftwerken zu leisten, nicht aber mit Braunkohle.

Jörg Kerlen, Mitarbeiter von RWE, erinnerte daran, dass die Energiewende bereits 2010 begonnen habe. Seit zwei Jahren gebe es einen Konsens, der bis zum Jahr 2050 80 Prozent erneuerbare Energien und 80 Prozent weniger CO2-Ausstoß vorsehe. Zur Verwirklichung der Nachhaltigkeit mit ihren ökologischen, sozialen und ökonomischen Dimensionen solle die Politik Ziele vorgeben; die Wege zu diesem Ziel solle sie den Handelnden aber offen lassen ­respektive dem Spiel der (Markt-)Kräfte überlassen. Das Erfordernis konventioneller Kraftwerke nehme ab, so Kerlen. Zur Versorgungssicherheit in der Übergangszeit (Brückentechnologie) reichten Gaskraftwerke aber nicht aus; es müsse daher Raum bleiben für die Braunkohle.

Charlotte Brinkmann und Tim Petzoldt, Mitarbeitende bei Greenpeace Niederrhein, informierten über eine Studie zu den Gesundheitsgefahren von Kohlekraftwerken. Vor dem Hintergrund, dass Kohlekraftwerke die größten Punktquellen von Luftschadstoffen seien, erläuterten sie Ursachen und Wirkungen insbesondere von Feinstaub. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO würden durch Luftverschmutzung jährlich etwa 2,3 Millionen vorzeitige Todesfälle verursacht, wobei der Feinstaub die größten Gesundheitsschäden bewirke. Und Kohlekraftwerke, so das Ergebnis der Greenpeace-Studie, würden in erheblichem Maße zur Erzeugung und Verbreitung von Feinstaub beitragen.

Einstimmiger Beschluss

Am Ende der Tagung fassten die Delegierten der Regionalsynode Energie einstimmig ­einen Beschluss, in dem es an zentraler Stelle heißt: „Die Planung und den Bau neuer Kohlekraftwerke lehnt die Regionalsynode ab. Sie spricht sich darum klar gegen jedes weitere Kraftwerk aus. Auch den Aufschluss weiterer Tagebaue lehnt die Regionalsynode ab. Beides ist nicht vereinbar mit dem Schutz der Menschen und der Mitwelt.“ Dieser Beschluss wird der Landessynode der EKiR, dem obersten Beschlussgremium der rheinischen Kirche, zur weiteren Beratung zugeleitet.

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