Nazi-Szene: Frauen sind in Schulen und Kindergärten aktiv

Von: defi
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Die Fachjournalistin Andrea RÀ
Die Fachjournalistin Andrea Röpke (M.) hielt den Vortrag „Frauen in der Neonazi-Szene”. Eingeladen hatten Maria Meurer (l.) und Susanne Bronner (2.v.r.), vom Bündnis gegen Rechts sowie Dr. Ulla Louis-Nouvertné (2.v.l) und Franz Josef Dahlmanns (r.) von der Anton-Heinen-Volkshochschule des Kreises Heinsberg. Foto: defi

Kreis Heinsberg. „Mädelsache!” heißt ein Buch von Andrea Röpke und Andreas Speit, das sich mit dem Thema „Frauen in der Neonazi-Szene” befasst. Andrea Röpke, Jahrgang 1965, Politologin und freie Journalistin mit dem Spezialgebiet Nationalsozialismus und Rechtsextremismus, kennt die rechten Szene in Deutschland wie kaum ein anderer Journalist.

Auf Einladung der Anton-Heinen-Volkshochschule und des Bündnis gegen Rechtsextremismus - für Demokratie und Toleranz im Kreis Heinsberg war Röpke zu Gast im Kreishaus Heinsberg.

Sie gab einen beunruhigenden, auf Insiderinformationen basierenden Einblick in das Innenleben dieser Szene. Andrea Röpke schilderte, wo völkische „Sippen” bereits Vereine, Elternräte oder Nachbarschaften prägen und welche Rolle Frauen bei der rechtsradikalen Unterwanderung der Gesellschaft spielen. Ihr Engagement hat ihr „lebenslanges Hausverbot” der Neonazi-Szene und mehrfach Prügel von Neonazis eingetragen und wurde unter anderem mit dem Preis der Lutherstädte „Das unerschrockene Wort” und von der US-Botschaft in Berlin im Rahmen des „International Women of Courage Award” geehrt.

Ihre aufwendigen Insider-Reportagen über das Neonazi-Milieu wurden in diversen Fernsehmagazinen ausgestrahlt.

Allerdings bedauerte Andrea Röpke, dass im Vorfeld der Aufdeckung der Zwicker Terrorzelle das Medieninteresse an rechtsextremistischen Themen eher gering gewesen sei.

Das Thema „Frauen in der Neonazi-Szene” sei sehr schwierig zu recherchieren gewesen, so Andrea Röpke gegenüber ihren Zuhörern im Kreishaus. Frauen würden bislang kaum Ämter in den Organisationen bekleiden. Doch sei deutlich festzustellen, dass immer mehr Frauen Mandate in der männerdominierten Neonazi-Bewegung zunehmend selbstbewusster anstreben.

Andrea Röpke zitierte den Parteienforscher Richard Stöss: „Im Großen und Ganzen neigen Frauen in demselben Umfang zum Rechtsextremismus wie Männer.” Frauen kandidieren für die NPD. Sie organisieren Demonstrationen und kümmern sich um die Erziehung des rechten Nachwuchses.

Vor allem aber, und das war sicherlich eine der beunruhigendsten Erkenntnisse des Vortrags, sind diese bestrebt, rechtsradikale Politik unter dem Deckmantel von sozialen Themen wie Naturheilkunde, Ökologie, Kindergeld und Hartz IV auf kommunaler Ebene etwa in Schulen und Kindergärten durchzusetzen. Manche Frauen in der rechten Szene seien, so Andrea Röpke, sogar gewaltorientierter als Männer. Röpke: „Sie müssen drei- bis viermal so viel machen in diesen Kreisen wie Männer, um auf sich aufmerksam zu machen.”

Röpke hat Interviews mit Aussteigerinnen führen können und besuchte verschiedene NS-Treffen, auf denen sie etwa die Tochter Heinrich Himmlers, Gudrun Burwitz, traf, die mit über 80 Jahren immer noch ihrer Ideologie verhaftet sei. Als Grande Dame der Szene gelte die Holocaust-Leugnerin, Ursula Haverbeck, die die Gerichtssäle als Forum nutze.

In der Neonazi-Szene sei inzwischen ein Netzwerk von „Frauen im Hintergrund” entstanden, erwähnte Röpke im Zusammenhang mit Beate Zschäpe, der Frau im „mörderischen Rechtstrio” Zwickauer Zelle. Auch die Kameradschaft Aachener Land habe eine Frauengruppe gehabt. Röpke: „Die Neonazi-Szene hat die Frauen als Potenzial entdeckt. Frauen sollen die Szene akzeptabler machen.”

Pfarrerin Susanne Bronner aus dem Sprecherkreis des Bündnisses gegen Rechts: „Ich habe im Vorfeld des Vortrags überhaupt nicht gewusst, wie engagiert Frauen in der rechten Szene sind und sich um politische Mandate bemühen.” Auch dass Frauen als Ökofrauen in Schulen und Kindergärten für gesunde Ernährung werben, um dann, wenn sie Zustimmung und Vertrauen gefunden haben, ihre rechtsradikalen Ansprüche vehement einzufordern, sei ihr nicht bekannt gewesen. Pfarrerin Susanne Bronner: „Wachsam ist das absolute Stichwort.”
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