Gangelt - Nächstes Baugebiet in Gangelt lässt Kritik laut werden

Nächstes Baugebiet in Gangelt lässt Kritik laut werden

Von: Dettmar Fischer
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UB-Fraktionsvorsitzender Roger Schröder, Architektin Margret Molls sowie die UB-Fraktionsmitglieder Heinz-Josef Schlicher und Leo Schroten (v.l.n.r.) diskutierten vor Ort die Entwicklung des neuen Baugebietes „Niederbuscher Weg“ in Stahe. Foto: Dettmar Fischer

Gangelt. Stahe soll ein neues Baugebiet bekommen. Das geschieht nicht jeden Tag, und mit Blick auf die junge Generation, der man im Ort ein Häuschen gönnen würde, müsste ein neues Baugebiet ungeteilte Freude hervorrufen. So ist es aber nicht.

Das zukünftige Baugebiet ist derzeit noch eine Wiesenfläche am Niederbuscher Weg. Oben verläuft die Bundesstraße 56, unten wird es von der Rodebachstraße begrenzt. Bebauungsplan Nr. 72 Niederbuscher Weg in Stahe lautet die Bezeichnung für das Projekt, das am Dienstag, 19. September, ab 19 Uhr im Bauausschuss der Gemeinde Gangelt behandelt wird.

Margret Molls ist Architektin, in Stahe-Niederbusch geboren, ihr Vater war viele Jahre Ortsvorsteher von Stahe. Molls freut sich zwar auch darüber, dass in Stahe ein neues Baugebiet ausgewiesen wird, ist mit den Planungen bezüglich der Bebauung aber ganz und gar nicht einverstanden. Molls: „Ich sehe es als meine Pflicht an, die Bürger in Stahe darauf aufmerksam zu machen, was hier gebaut werden soll.

Ich glaube, dass die Bürger bisher noch nicht mitbekommen haben, in welcher Form der Investor hier plant.“ Die Fläche des Bebauungsgebietes sei von einer Erbengemeinschaft an einen Investor verkauft worden. Dieser plane nun ein Wohngebiet, das absolut nicht dem Dorfcharakter entspreche, ist Molls überzeugt.

Da Stahe ein Dorf ist, bleibt die Frage, wer der Investor ist, nicht lange geheim. Margret Molls: „Ich habe bei der Firma Schlun angerufen und mich nach dem Baugebiet erkundigt. Dort wurde mir mitgeteilt, dass die Grundstücke bereits parzelliert seien. Laut Aussage des Investors sind bereits so gut wie alle Grundstücke weg.“ Und Molls fügt hinzu: „Das noch nicht rechtskräftig beschlossene Baugebiet ist also bereits parzelliert und per Vorverträgen veräußert.“

Vorbei am Dorfcharakter?

Gegenüber der Gemeinde Gangelt hat Margret Molls ihre Bedenken im Rahmen der Bürgerbeteiligung zur Aufstellung des Bebauungsplans ausführlich formuliert. Sie macht keinen Hehl aus ihrer Irritation: „Es handelt sich bereits um eine beschlossene Sache.

Werden der Rat der Gemeinde Gangelt und der Bürger der Gemeinde Gangelt vor vollendete Tatsachen gestellt?“ Architektin Molls kritisiert in ihrer Stellungnahme, dass mittels dieses Bebauungsplans und der zusätzlichen in die Wiese hineingelegten Straße der Investor eine immens hohe Baudichte erziele. Es entstünden kleine, teilweise nur 16 Meter tiefe Grundstücke.

Diese dürften von den Grundstückskäufern mit einem großen zweigeschossigen Baukörper mit viel Bau- und Geschossfläche bebaut werden. Margret Molls: „Diese Bauweise steht im vollkommenen Gegensatz zur dörflichen Bauweise. Es entsteht eine hohe und dichte Bebauung, es bleibt überhaupt kein Platz für Grünflächen.“

Selbstverständlich, so Molls, verkauften sich viele kleine Grundstücke mit einer überaus hohen Baudichte besser als dem Dorf angemessene Bauten auf angemessenen Grundstücksflächen mit dorftypischem Garten.

In ihrer Stellungnahme hatte Margret Molls einen eher pessimistischen Ausblick formuliert: „Auch ich brauche mir wahrscheinlich gar nicht die Mühe zu machen, Bedenken und Anregungen vorzutragen, da niemand hinhören wird, weil die Sache schon beschlossen ist?“ Eine Fraktion im Rat der Gemeinde Gangelt hat sich inzwischen den Bedenken von Margret Molls angeschlossen: die Unabhängigen Bürger Gangelt. Eine Stimme hat die UB-Fraktion im Bauausschuss.

Eine Kapitalanlage

Beim Ortstermin an der Rodebachstraße/Ecke Niederbuscher Weg in Stahe hatten sich Fraktionsvorsitzender Roger Schröder, Heinz-Josef Schlicher und Bauausschussmitglied Leo Schroten von Margret Molls davon überzeugen lassen, dass die Umsetzung des Bebauungsplans so nicht erfolgen dürfe. Roger Schröder: „Die Details des Bebauungsplans, die uns Margret Molls hier erläutert hat, führen nicht dazu, dass junge Familien aus dem Dorf hier ein Zuhause finden.

Es scheint sich hier vordringlich um eine Kapitalanlage zu handeln. Es ist auch nicht einzusehen, warum dieses Baugebiet als Mischgebiet ausgewiesen werden soll. Etwa nur damit der Investor mehr Grundstücke ausweisen kann?“

Margret Molls führte die drei Unabhängigen Bürger im Anschluss an den Ortstermin noch in ein anderes Baugebiet in Stahe, das Baugebiet Engels-Mühle. Es herrschte allgemeines Staunen in Anbetracht der üppigen Obstwiesen, die der Investor, diesmal Margret Molls, am Rande des Baugebietes angelegt hat – auf Wunsch der Verwaltung, wie Molls betont.

Einem Park nicht unähnlich, zieht sich die Grünfläche von der Wohnbebauung in Richtung Rodebachaue, ausgestattet mit einem Spazier- und Radweg inklusive Laternen. Zwei Baugebiete in einem Dorf, nur wenige Meter voneinander entfernt, doch zwei gänzlich unterschiedliche Umsetzungen des Wohnens im Dorf, das möchte Margret Molls nicht akzeptieren.

In den Unterlagen zum Bauausschuss am Dienstag empfiehlt der Beschlussvorschlag der Verwaltung zum Bebauungsplan Nr. 72 „Niederbuscher Weg“ in Stahe, der Stellungnahme von Margret Molls nicht zu folgen. Der von der Gemeinde Gangelt gewohnheitsgemäß beauftragte Planer, die VDH Projektmanagement GmbH, kommt in seiner Expertise unter anderem zu folgendem Schluss: „Die im Bebauungsplan Nr. 72 Niederbuscher Weg getroffenen Festsetzungen orientieren sich an dem Ziel einer geordneten städtebaulichen Entwicklung und den zuletzt durch den Rat als Satzung beschlossenen Bebauungsplänen. Insofern ist eine Vorwegnahme der Abwägungsentscheidung nicht ersichtlich.“ Auch eine Zerstörung des Ortsbildes sei nicht zu befürchten.

Der Bauausschuss muss nun entscheiden, ob er den Bedenken von Margret Molls Rechnung trägt oder dem Beschlussvorschlag der Verwaltung folgt. Weder Verwaltung noch Investor wollten sich im Vorfeld gegenüber unserer Zeitung zu dem Thema äußern.

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