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Nach Kindergartenbrand: Ein Besuch im Effelder Ausweichquartier

Von: Verena Müller
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Im Ausweichquartier: Die Gäns
Im Ausweichquartier: Die Gänseblümchen-Gruppe spielt in den Räumen des Trommlerkorps Effeld. Hinter den Fahnen stehen Utensilien des Vereins. Auch die Pokale konnten bleiben. Foto: Verena Müller

Wassenberg-Effeld. Es gab Zeiten, in denen wollte Annette Wertz ihren Kindergarten nicht mehr betreten. Allein schon der Geruch des Rußes, der ihm im Eingangsbereich des Städtischen Kindergartens in Steinkirchen entgegenschlug, ließ ihr die Tränen in die Augen steigen.

Auch heute muss sie noch ab und zu schlucken, wenn sie durch die Räume geht. Die sind inzwischen kahl, das gesamte Erdgeschoss wurde ausgeräumt, zu retten war wenig. Die Wände wurden mit Spezialreiniger abgewaschen, zum Teil musste der Putz abgeschlagen werden, die Decken wurden entfernt und der Boden rausgerissen.

Wo früher zwei Gruppen spielten und lernten, ist jetzt nichts mehr, außer kahlen grauen Wänden, von der Decke hängen Kabel. An der Stelle, wo der Adventskranz hing, der das Feuer kurz vor Weihnachten ausgelöst hat, sind noch die meisten Rußspuren zu sehen. „Alles, was wir hier aufgebaut haben”, setzt die Kindergartenleiterin an und schüttelt den Kopf.

Der Bau ist erst wenige Jahre alt, aber untergebracht waren auch all die Erinnerungen aus den beiden alten Kindergärten in Effeld und Ophoven, die in Steinkirchen zu einem zusammengelegt worden sind. Mit am meisten tat es Annette Wertz in der Seele weh, als sie sah, wie eine Kollegin, die seit über 25 Jahren dabei ist, ihre Sammlung an Vorlagen und Arbeiten der Kinder in den Container werfen musste. 25 Jahre weg. Erst habe die ehemalige Kindergartenleitern Edith Engels die Sachen zu Hause reinigen wollen, aber der Gestank war zu stark. Im Betriebshof der Gemeinde Wassenberg dann der nächste Anlauf, bis sie erkennen musste, dass es sinnlos ist. „Das war nicht einfach”, erzählt Wertz.

Sie entdeckte auch als erste den Brand. Einen Tag vor Heilig Abend, der Kindergartenbetrieb war schon in die Ferien gegangen, wollte sie mit einer Kollegin nach dem Rechten schauen. Sie schloss die Tür auf und dachte zuerst, jemand habe etwas auf den umliegenden Feldern verbrannt. Dann wurde sie stutzig. Durch die gläserne Feuerschutztür konnte sie nichts sehen, auch nach dem Öffnen blieb alles schwarz, das Licht funktionierte nicht. Aber auch ohne etwas zu sehen, verriet der beißende Geruch genug.

Die Hitzeentwicklung muss gigantisch gewesen sein, denn der Alarm ging nur kurz an, dann war die Elektrik durchgeschmort. „Was passiert jetzt mit den Kindern und dem Team?”, habe sie sich als erstes gefragt, erzählt Wertz. Sie und weitere Zeugen sind sich sicher, dass die Kerzen aus waren. Sie hat es mit eigenen Augen gesehen. Aber ein Funke kann stundenlang glühen, bis ein Brand entsteht. Die Konsequenz: In allen öffentlichen Gebäuden in Wassenberg ist jetzt offenes Feuer verboten.

Innerhalb kürzester Zeit gelang es, ein Ausweichquartier für die 80 Kinder und die Erzieherinnen zu finden: den alten Kindergarten in Effeld. Die Vereine und das Jugendzentrum haben sich weitestgehend aus den Räumen zurückgezogen, innerhalb einer Woche wurden Treppen und Fenster gesichert, haben Eltern Teppichböden verlegt und für die Kleinsten Reisebettchen zur Verfügung gestellt.

Seit Dienstag ist die Sanierungsfirma in Steinkirchen fertig. Bis auf die Küche und die Sanitäranlagen muss jetzt alles neu angeschafft werden. „So ein Büro ist ja nicht schwierig”, sagt Wertz, „aber wir müssen zwei ganze Gruppen neu ausstatten.” Nicht alles werde ersetzt, „manches hat sich als überflüssig erwiesen”, sagt die Leiterin. Beruhigend sei es für sie zu wissen, dass die Kinder so lange sehr gut untergebracht sind. Zwar gebe es keine Turnhalle, „aber dafür gehen wir viel raus.”

Annette Wertz hat in ihrem Büro einen Spruch hängen: „Da es förderlich für die Gesundheit ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein. (Voltaire)” „Den habe ich manchmal wirklich gebraucht”, sagt sie.

Sie hofft, dass die Kinder, die am 31. Juli entlassen werden, dies in ihrem eigenen Kindergarten feiern können.
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