Nabu-Projekte vor ungewisser Zukunft

Von: Helmut Wichlatz und Anna Petra Thomas
Letzte Aktualisierung:
9117435.jpg
Wie geht es weiter mit der Nabu-Naturschutzstation Haus Wildenrath? Foto: Stieding (HTS)/Thomas
9116560.jpg
Und die Zukunft des Obstsortengartens (kleines Bild), in dem noch im Mai die bislang letzte Pflanzaktion stattgefunden hatte – unter anderem mit Beteiligung des Wassenberger Bürgermeisters Manfred Winkens und Adolf Attermeyer, Leiter des Fachbereichs Umwelt beim Landschaftsverband Rheinland –, ist unklar. Archivfoto: Anna Petra Thomas

Wegberg/Wassenberg. Die Naturschutzstation Haus Wildenrath stand in der jüngsten Wegberger Ratssitzung im nichtöffentlichen Teil auf der Tagesordnung. Es geht um die Zukunft der Umweltbildungseinrichtung, die zu den ältesten in Deutschland gehört und seit 2003 vom Nabu als Naturschutzstation betrieben wird. In den vergangenen Jahren hatte Haus Wildenrath auch durch seltene und vom Aussterben bedrohte Obstsorten auf sich aufmerksam gemacht, die auf dem Gelände angebaut werden.

Im Rat ging es darum, ob der Erbpachtvertrag mit 50-jähriger Laufzeit, den die Stadt als Eigentümer von Haus Wildenrath mit dem Trägerverein geschlossen hat, vorzeitig beendet werden kann. Hintergrund ist ein bislang nicht umgesetztes Nutzungskonzept durch den Verein „Nabu-Naturschutzstation Haus Wildenrath“. Das Konzept liegt seit einigen Monaten vor und sieht auch eine Nutzung als Café und Pension sowie Barrierefreiheit vor. Ein schlüssiges Finanzierungskonzept konnte bislang nicht vorgelegt werden. Bestandteil des Erbpachtvertrags ist auch die Verpflichtung des Betreibers zur Instandhaltung der Gebäude. Trotzdem steht das Wohnhaus der unter Denkmalschutz stehenden altfränkischen Hofanlage seit rund zweieinhalb Jahren leer und ist nach nicht beendeten Sanierungsarbeiten nicht mehr bewohnbar. Damals war Schimmelbefall festgestellt und der Putz entfernt worden.

Erhebliche Sanierungskosten

Über die Art der weiteren Arbeiten könne erst entscheiden werden, wenn die zukünftige Nutzung klar sei, erklärt Diplom-Biologe Michael Straube auf Nachfrage. Er hatte seinerzeit das Projekt mit aus der Taufe gehoben. Ziel könne ja nicht sein, „einen schlechten Zustand wieder herbeizuführen“, betont er. Straube hatte im Vorfeld einen Antrag beim Wegberger Stadtrat eingebracht, dass das Thema im öffentlichen Teil diskutiert werden sollte, um „eine Öffentlichkeit herzustellen“. Das Nutzungskonzept, das auch der Stadt vorliegt, wäre mit erheblichen Sanierungs- und Umbauarbeiten verbunden, damit auch behinderte Menschen dort arbeiten könnten. Die Kosten belaufen sich auf einige Hunderttausend Euro, weshalb der Rat bis Ende Oktober gerne gewusst hätte, wie der Trägerverein sie stemmen will. Diese Antwort ist der Verein bislang schuldig geblieben.

Nachdem das Thema im nichtöffentlichen Teil behandelt worden war, erklärte die Erste Beigeordnete Christine Karneth, dass zuerst mit dem Trägerverein eine „gemeinsame Sprachregelung“ getroffen werden müsse, bevor die Ratsentscheidung öffentlich gemacht werden könne. „Derzeit ist dies eine Angelegenheit zwischen zwei Vertragspartnern“, erklärte sie. Bürgermeister Michael Stock betonte, dass eine Lösung angestrebt werde, die keine negativen Auswirkungen auf die derzeitigen Nutzer des Hauses Wildenrath habe. Das Arbeitsfeld des Nabu und die Zusammenarbeit mit Schulen und anderen Bildungseinrichtungen sollte nicht „tangiert werden“.

Auch der Wassenberger Stadtrat hat sich in seiner jüngsten Sitzung im nicht öffentlichen Teil mit dem Nabu befasst. Hier ging es um den Pachtvertrag für den Rheinischen Obstsortengarten. Angrenzend an die Naturschutzstation in Wildenrath befindet er sich auf einem Gelände, das der Stadt Wassenberg gehört.

Wie Bürgermeister Manfred Winkens am Mittwoch auf Nachfrage unserer Zeitung erklärte, hat der Rat in der nichtöffentlichen Sitzung einen einstimmigen Beschluss gefasst. Dieser besagt, dass der Nabu gebeten werden soll, den Pachtvertrag in gegenseitigem Einverständnis aufzulösen. Ein entsprechender Brief sei am Dienstag an den Nabu geschickt worden.

Im Oktober 2010 war der Vertrag auf 30 Jahre geschlossen worden. „Da passiert nix“, war die knappe Begründung von Winkens zu dieser Entscheidung. „Wir hatten tolle Pläne“, ergänzt er. Auf dem Gelände hätten zusätzlich zu den Anpflanzungen Ausstellungsräume entstehen und Gäste sogar aus dem Ruhrgebiet für den Obstsortengarten interessiert werden sollen. Doch nichts sei passiert, eher im Gegenteil.

Zaun um Gebäude gezogen

„Hellhörig“ sei man im Rathaus geworden, als der Nabu nun beantragt habe, auf dem Gelände eine Mistplatte zu installieren, und als ein Zaun um das dort vorhandene, baufällige Gebäude gezogen worden sei. „Das kann nicht die Lösung sein“, sagte der Bürgermeister – und auch, dass die Stadt den Obstsortengarten künftig selbst betreiben und touristisch weiterentwickeln wolle.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert