Hückelhoven - Musik mit jiddischen Wurzeln und viel Gefühl

Musik mit jiddischen Wurzeln und viel Gefühl

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Hückelhoven. Schon der berühmte Sir Peter Ustinov war nach einem Konzert hinter die Bühne gegangen, um „Di Galitzyaner Klezmorim” zu loben, das Trio aus Krakau, das in der Gemeinschaftsgrundschule „Im Weidengrund” in Ratheim auf Einladung der VHS des Kreises Heinsberg zu hören war.

Und wenn man die drei Musiker gehört hatte, konnte man verstehen, dass sie mit zahlreichen Preisen bedacht wurden und an vielen Rundfunk und Fernseh-Produktionen teilgenommen hatten.

Eigentlich hatte die Klezmer-Musik schon angefangen im alten Israel und dann seine festen Konturen erhalten in der traditionellen Instrumentalmusik der jiddischsprachigen Juden Osteuropas zu Hochzeiten und Feiern Anfang des 19. Jahrhunderts.

Um die vorletzte Jahrhundertwende (etwa zwischen 1880 und 1920) hatten Einwanderer diese Musik nach Amerika gebracht, wo sie mit der Musik aus New York und New Orleans verschmolzen wurde.

„Di Galitzyaner Klezmorim” erinnern mit ihrem Namen an Galizien, das als Teil Polens von 1772 bis 1918 unter der Herrschaft der Österreicher stand.

Sie wurden 1996 von drei Studenten der Krakauer Musikhochschule gegründet, die nun die Tradition mit Neuentwicklungen verbinden. Marilola Spiewak (Klarinette), Grzegorz Spiewak (Akkordeon) und Rafal Seweryniak (Kontrabass), der auf Englisch jeweils Erläuterungen zu den einzelnen Stücken gab, die vom Qualitätsbeauftragten der VHS, Ingo Rümke, übersetzt wurden, musizierten auf derartig ansteckende und begeisternde Weise, dass es nach jedem Stück lang anhaltenden Beifall gab.

Das Trio spielte sowohl die traditionelle Klezmer-Musik mit ihrer teilweise überschäumenden Lebensfreude, aber auch mit melancholischen und besinnlichen Teilen, wobei immer wieder die große Harmonie zwischen den Dreien auffiel, als auch eigene Kompositionen und Interpretationen.

Manchmal schienen die Klarinette, das Akkordeon und der Bass regelrecht miteinander zu sprechen. Bei den eigenen Kompositionen gefiel besonders das „Gebet aus der Isaak Synagoge”; daran hätte selbst Jahwe seine Freude gehabt.

Witzig war der Hinweis auf den ersten Preis, den das Trio bei einem Chopin-Wettbewerb gewonnen hatte: Da durften alle Instrumente mitspielen - nur kein Klavier.

Dass die Drei, deren Spiel auch immer wieder durch virtuose Einlagen auf ihren Instrumenten begeisterte, nicht ohne Zugabe entlassen wurden, lag auf der Hand: Das bekannte „Shalom aleichem” erinnerte auch daran, dass der Friede im Ursprungsland der Bibel noch in weiter Ferne ist und die Sehnsucht danach aber immer stärker wird.

Und im Schluss-Lied „Hava nagila”, das zum Glücklich-Sein auffordert, war noch einmal großes Gefühl zu hören, das allerdings nicht in Sentimentalität umschlug. Dieser VHS-Veranstaltung in Kooperation mit der „Bildungsoffensive gegen extreme Parteien” hätte man nur einige Zuhörer mehr gewünscht.
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