Motto lautet: „Wir sind viele. Wir sind eins.“

Von: disch
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Er ist Kreisvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB): Willi Klaßen. Foto: agsb

Kreis Heinsberg. Zum 1. Mai stand Willi Klaßen, der Kreisvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Rede und Antwort.

Der 1. Mai wird ja nicht nur als Maifeiertag, sondern vor allem auch als Tag der Arbeit oder als Tag der Arbeiterbewegung, ja sogar als Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse bezeichnet. Auf jeden Fall steht der 1. Mai traditionell im Zeichen der Gewerkschaften. Wie ist es aktuell um die Situation der Gewerkschaften im Kreis Heinsberg bestellt, zum Beispiel mit Blick auf Stichworte wie Organisationsgrad, Nachwuchsgewinnung oder Mitbestimmung in Betriebsräten?

Klaßen: Es gibt wohl keine Gewerkschaft, die mit der Mitgliederzahl zufrieden ist. Heutzutage ist es schwierig, junge Menschen von der Notwendigkeit der Gewerkschaften zu überzeugen. In den Betrieben sind die Arbeiterinnen und Arbeiter sehr zurückhaltend im Fordern ihrer Rechte. Uns bleibt nur, den Dialog zu suchen. Dafür stehen wir am 1. Mai in Hückelhoven mit den Einzelgewerkschaften: Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), Gewerkschaft der Polizei (GdP), Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi), Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Industriegewerkschaft Metall (IG Metall) und Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

Die Landtagswahl steht unmittelbar bevor. Wie lauten die wichtigsten Forderungen aus Sicht des Deutschen Gewerkschaftsbundes?

Klaßen: Unsere Forderungen, über die wir auch am 1. Mai in Hückelhoven diskutieren wollen, sind: sichere und fair bezahlte Arbeit, zukunftsfeste Renten, Chancengleichheit im Bildungssystem, ein moderner Wirtschaftsstandort und nicht zuletzt eine starke öffentliche Hand.

Das Thema „Arbeit und Armut in der Region“ steht auch im Mittelpunkt dieser Zeitungsausgabe am 1. Mai. Sowohl mit Blick auf die Löhne als auch auf die Rente beschäftigt es immer wieder die Gewerkschaften: Reicht der Lohn zum Leben? Wird Altersarmut das soziale Problem der Zukunft? Wie ernst ist die Lage aus Ihrer Sicht?

Klaßen: Ein Grundstein wurde gelegt, als 2015 der Mindestlohn eingeführt wurde, der nun ja zu Jahresbeginn auf 8,84 Euro erhöht worden ist. Hier müssen wir als Gewerkschaften am Ball bleiben. ­Minijobs, Leiharbeit und Werk­verträge dürfen nicht zu Lohndumping führen. Wir brauchen einen gut aufgestellten, sozialen Arbeitsmarkt, der unbefristete Beschäftigung ermöglicht. Es kann nicht sein, dass wir immer länger arbeiten müssen und gleichzeitig immer niedrigere Renten beziehen. Das Rentenniveau muss gesichert und deutlich angehoben werden. Nur wenn wir die gesetzliche Rente stärken, können der Lebensstandard im Alter gesichert und wachsende Altersarmut verhindert werden. Um der Altersarmut entgegenzuwirken, brauchen wir Verständnis in der Politik, bei den Gewerkschaften und nicht zuletzt bei den Arbeitgebern. Die Lage ist sehr ernst, wenn man bedenkt, dass viele Rentner einen Aushilfsjob ausüben, weil sie den Weg zum Sozialamt scheuen. Eine Durchschnittsrente im Kreis Heinsberg für Männer liegt laut Deutscher Rentenversicherung bei 1078,92 Euro und für Frauen bei 479,30 Euro. Das sind, so finde ich, erschreckende Zahlen. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.

Der DGB pflegt ja im Kreis Heinsberg traditionell den Dialog mit der Politik – so auch an diesem Maifeiertag in Hückelhoven, wenn Landtagskandidaten als Gesprächspartner zu Gast sein werden. Welchen Wunsch würden Sie zukünftigen Abgeordneten aus dem Kreis Heinsberg mit auf den Weg geben nach Düsseldorf?

Klaßen: Die Bereitschaft, sich mit dem DGB und den Einzelgewerkschaften auch abseits von Wahlen auseinanderzusetzen und aus dem aktuellen Geschehen im Landtag zu berichten, insbesondere Themen, die die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer betreffen.

Welche Themen stehen beim DGB-Kreisverband in den kommenden Monaten auf der Tagesordnung?

Klaßen: Am 31. Mai wollen wir mit einer Aktion vor Ort Pendler am Bahnhof in Erkelenz über das Thema Rente informieren. Dann stehen am 6. Juni die Organisationswahlen an: Alle vier Jahre wird der DGB-Kreisvorstand neu gewählt. Dazu melden die Einzelgewerkschaften ihre Vertreter für den DGB-Kreisvorstand. Eine gemeinsame Fahrt der DGB-Kreisverbände Aachen, Düren, Euskirchen und Heinsberg führt in der zweiten Jahreshälfte zur Burg Vogelsang – mit einer kreisübergreifenden Tagung. Wir wollen zudem unsere Gespräche mit den Bundestagsabgeordneten Wilfried Oellers und Norbert Spinrath fortsetzen. Und natürlich ist die Bundestagswahl am 24. September auch für den DGB ein wichtiges Thema. Hier sind wir in der Planung einer ­Veranstaltung, der Termin steht: 17. September in Erkelenz. Ebenfalls in Planung ist ein neues Format der regelmäßigen Gesprächsrunden mit den Bürgermeistern und dem Landrat im Rahmen des DGB-Programms NRW 2020. Bei all diesen Aufgaben, die der DGB-Kreisverband ehrenamtlich organisiert, suchen wir Kolleginnen und Kollegen, die uns dabei unterstützen. Unser Motto lautet: „Wir sind viele. Wir sind eins.“

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