Mord und Totschlag mit einem heftigen Angriff aufs Zwerchfell

Von: hewi
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Erkelenz. Das Literarische Quartett im Burgh-Keller des Cornelius-Burgh stand diesmal unter dem Loriot-Zitat „Beim Krimiautor ist das Böse in guten Händen”.

Denn diesmal drehte sich bei Gastgeberin Inge Koch-Wittmann alles um Mord und Totschlag und wie man sie doch unterschiedlich und spannend in Szene setzen kann.

Zur Besprechung standen drei Kriminalromane, die unterschiedlicher nicht sein konnten. So war Paulus Hochgatterers „Die Süße des Lebens” eine Milieustudie der Menschen in einer österreichischen Kleinstadt, Volker Kutschers „Der nasse Fisch” entführte in das Berlin der 20er-Jahre, und Jörg Maurer startet mit „Hochsaison” einen Angriff auf das Zwerchfell des Lesers.

Für die Zuschauer hatten der Lehrer Georg Bürger, die Abiturientin Anna Dolic und der Journalist und Krimiautor Kurt Lehmkuhl die drei Romane seziert.

Schon beim ersten Buch des Abends, Hochgatterers „Die Süße des Lebens”, gingen die Meinungen auseinander. Während sich Anna Dolic fragte, ob man das Buch überhaupt als Krimi bezeichnen könne, fragte Kurt Lehmkuhl wie im Schulunterricht „Was will uns der Autor damit sagen?” und fand selbst keine befriedigende Antwort darauf. Georg Bürger fand die Milieustudie des Ortes und seiner Bewohner, die Düsteres zu Tage bringt, durchaus wert, ein zweites Mal gelesen zu werden.

Dem konnte Gastgeberin Inge Koch-Wittmann nur zustimmen. Viele der verwobenen Handlungs- und Beziehungsgeflechte würden erst bei erneuter Lektüre ersichtlich. Auch der häufige Wechsel der Erzählperspektive würden die Lektüre nicht erleichtern. In einem waren sich die Bücherkritiker einig: Ein Buch, das zur schnellen Lektüre nicht geeignet ist.

Aus dem Polizeijargon

„Der nasse Fisch” ist ein Ausdruck aus dem Polizeijargon der 20er-Jahre und bezeichnet einen nicht geklärten Mordfall. Um diesen dreht es sich auch in Volker Kutschers Roman, der den Leser in das Berlin der späten 20er-Jahre entführt. Dabei tappt ein aus Köln nach Berlin versetzter Kommissar von der Sitte in einen Mordfall und nimmt auf eigene Faust die Ermittlungen auf.

Damit macht er sich Feinde bei den Nazis wie bei den Kommunisten und in der Unterwelt. Einig war man sich, dass der Roman ein interessantes Bild von dieser Epoche des Untergangs zeichnet. So bezeichnete Bürger die Handlung als nebensächlich, da ihn die Milieubeschreibungen mehr fasziniert hätten. Lehmkuhl hingegen lobte den Aufbau der Handlung und die atmosphärische Dichte des Buches.

Das dritte Buch im Bunde stammt aus der Feder von Jörg Maurer. „Sterben, wo andere Urlaub machen”, lautet der Untertitel des Romans. Der Musikkabarettist hat nicht mit Witz gegeizt, das konnte ihm das gesamte Quartett bescheinigen. So habe er auf fast jeder Seite einmal herzhaft lachen müssen, betonte Lehmkuhl. Koch-Wittmann war es dann ab Seite hundert genug des Witzes. Zu viel Humor könne in dem Genre auch nachhinten losgehen.

Am Anfang der Handlung wird ein dänischer Skispringer beim Sprung erschossen - und schon beginnt eine aberwitzige Ermittlungsarbeit, bei der eine Gruppe Chinesen und ein Scheich eine Rolle spielen, die die Olympischen Winterspiele in die Wüste oder nach China holen wollen. Besondere Freude hatte Lehmkuhl an den kleinen Wortspielen wie der „rauchfreien Rauchpause” für Lehrer.

Ähnlich wie in Hochgatterers Roman werde der Skiort auch als eine Ansammlung von Psychopaten dargestellt, wobei sie bei Maurer allerdings recht liebenswert daherkommen. „Die Geschmäcker sind verschieden.” Mit dieser Erkenntnis schloss Koch-Wittmann den Abend.
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