Möglichkeiten der digitalen Fotografie und Verfremdung

Von: defi
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Der Fotograf Klaus Lisse zeigt in der Filialdirektion der Kreissparkasse in Heinsberg Fotografien, bei denen er die digitale Verfremdung als Möglichkeit genutzt hat, die eigene Sichtweise darzustellen. Foto: defi

Kreis Heinsberg. „Das Auge macht das Bild, nicht die Kamera!“ Diese Aussage der berühmten deutsch-französischen Fotografin und Fotohistorikerin Gisèle Freund zitierte Dr. Richard Nouvertné, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Heinsberg, in seiner Rede zur Eröffnung der Ausstellung „Fotografie – aus meiner Sicht“.

 „Aus meiner Sicht“ heißt in diesem Fall aus der Sicht des Heinsberger Fotografen Klaus Lisse. Lisse betreibt das Fotostudio Lisse, das seit 1951 im Herzen von der Stadt Heinsberg angesiedelt ist. Er hat sich neben der Fotografie als Broterwerb auch seit seiner Jugend die Liebe zur künstlerischen, auftragsfreien Fotografie bewahrt.

In der Ausstellung im Sparkassengebäude in Heinsberg an der Hochstraße zeigt Klaus Lisse zwei Serien. Eine Reihe befasst sich mit dem Neubau des Gebäudes, in dem nun seine Bilder präsentiert werden, eine zweite hat der Fotograf einem Ort gewidmet, den er glücklicherweise nur als Besucher fotografierte, der Gefängnisinsel Alcatraz in der Bucht von San Francisco.

Das einstige Hochsicherheitsgefängnis präsentierte sich dem Fotografen Grau in Grau. Lisse: „Mir war sofort klar, dass ich da was anderes machen muss.“ Die digitale Fotografie bot die entsprechenden Möglichkeiten, das „Auge“ des Fotografen sorgte dafür, dass aus Grau in Grau kein bunter Pixelmüll wurde, sondern Bilder, die, obwohl sie verfremdet sind, etwas von der Atmosphäre dieses historischen Ortes wiedergeben.

Persönlicher Blickwinkel

„Unsere Wahrnehmung der Umwelt ist geprägt von den eigenen Erfahrungen, sozusagen dem persönlichen Blickwinkel jedes Einzelnen“, sagte Nouvertné. „Stellen Sie sich einmal vor, zehn Personen bekommen den Auftrag, ein Motiv mit der Kamera festzuhalten.

Ich bin überzeugt, dass jedes Foto einen anderen Bildausschnitt enthält, weil der Mensch hinter der Kamera seine eigenen Prioritäten setzt.“ Auf Alcatraz waren nicht nur zehn, sondern mehrere Hundert Menschen zusammen mit Klaus Lisse auf Erkundungstour. Sicherlich die interessantesten Bilder sind zurzeit in Heinsberg zu sehen.

Die zweite Serie „dokumentiert“ das Werden des Heinsberger Sparkassengebäudes mit den markanten roten Säulen und dem vielen Glas. Wer aber glaubt, das Gebäude zu kennen, sollte mal die Bilder durchgehen. Findet sich da nicht die Spitze des Selfkantdoms im Hintergrund, aber was sieht man da im Vordergrund? Eine Fläche, seltsam viel Fläche und zwei Silos?

Was zunächst verwirrt, stellt sich als Dach des Gebäudes aus einer bislang so nicht wahrgenommenen Perspektive heraus. Auch bei den „Sparkassen-Bildern“ hat Klaus Lisse die digitalen Möglichkeiten der Verfremdung gekonnt eingesetzt. Nouvertné: „Sehen oder Betrachten ist kein objektiver Vorgang, nein, es wird geprägt und beeinflusst durch unsere eigenen Lebenserfahrungen und Sichtweisen – eben eine eigene Sicht.“ Genau das mache es für viele Menschen so interessant, die Fotos anderer anzuschauen – sozusagen die Dinge aus einer neuen Perspektive zu betrachten.

Die Ausstellung „Fotografie – aus meiner Sicht“ ist bis 13. November während der üblichen Öffnungszeiten der Kreissparkasse in Heinsberg an der Hochstraße zu besichtigen.

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