Mobbing als Weg, auf dem es kein Zurück gibt

Von: mabie
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Schülerin Jana (Alessa Rath) probiert sich selbst im „Dirty Talk“ an ihrem Computer – mit unglaublichen Folgen. Eine Szene aus der Aufführung vom Literaturkurs am Berufskolleg in Geilenkirchen. Fotos (2): mabie Foto: mabie

Kreis Heinsberg. Jana schwebt im siebten Himmel. Endlich hat ihr großer Schwarm Tim sie angesprochen, endlich können die beiden etwas Zeit allein, abseits der Clique verbringen. Doch Jana hat ein Problem: Neid und Missgunst schlagen ihr entgegen, vor allem Louisa, die sich selbst als das schönste Mädchen der Truppe sieht, ist die Verbindung zu Tim ein Dorn im Auge.

Was nun folgte, hat der Literaturkurs vom Bildungsgang der Allgemeinen Hochschulreife am Berufskolleg Ernährung – Sozialwesen – Technik des Kreises Heinsberg in Geilenkirchen bei gleich zwei Aufführungen gezeigt. Inspiriert vom Film „Homevideo“, stellte die Truppe um Regisseurin Esther Ehlen unter dem vielsagenden Titel „…so lange du kannst“ eine ganz eigene Sicht auf Gruppenzwänge und die Nutzung moderner Medien dar.

So ist Jana (Alessa Rath) gefangen im alltäglichen Einerlei. Die Eltern – sehr nachvollziehbar in Szene gesetzt von Heike Nießen und Frank Nießen – haben sich nicht mehr viel zu sagen, die Mutter ist entsetzt ob der schulischen Leistungen ihres Sprösslings. In der Deutschstunde mit Lehrerin Frau Storms (Lisa Cleef) versagt Jana völlig. Doch es macht ihr eigentlich nichts aus, schließlich will sie ihre frische Liebe mit Tim (Florian Lemm) genießen. Dazu gibt es in der Clique des Mädchens, zu der auch Stella (Stefanie Heggen), die beste Freundin von Louisa (Laura Erhardt), sowie Max (Sven Langfahl), der beste Freund von Tim, gehören, noch ein viel interessanteres Thema als den Schulstoff.

„Dirty Talk“, das „schmutzige Reden“ bei sexuellen Handlungen, ist Gesprächsstoff Nummer eins. Auch Jana, frisch inspiriert durch das Treffen mit Tim, versucht sich Zuhause an ihrem Laptop daran, sagt ein paar sehr unanständige Dinge in Richtung Webcam und nimmt das Ganze auf einem USB-Stick auf. Die ins Zimmer stürmende Mutter verhindert mehr, so zieht Jana den USB-Stick schnell noch ab, bevor die Mutter den mobilen Computer einkassiert.

In eben jener Deutschstunde fällt der Stick aus Janas Tasche und in Louisas Hände, wo er flugs zur lautlosen, aber wirkungsvollen Waffe mutiert. Im Kampf der Mädels um die Jungs ist Louisa nämlich jedes Mittel recht. Sie stellt das Ganze kurzerhand aus Rache online – und schon wenig später bricht über Jana ein Sturm der Ausgrenzung und Anfeindung herein.

In dieser wohl beeindruckendsten von vielen hervorragend gespielten und inszenierten Szenen, irrt Jana durch eine Welt voll von rhythmischem Krach, gejagt von Gedanken und dem immer wiederkehrenden „Warum?“ der Verzweiflung.

Spätestens da wurden die beeindruckten Gäste in der Aula des Berufskollegs in Geilenkirchen am Berliner Ring zum unmittelbaren Teil der Geschichte über die Zerschlagung der heilen Mädchenwelt durch einen Klick. Mobbing und die ewige Spirale immer wiederkehrender Anschuldigungen wurden eindrucksvoll als ein Weg präsentiert, auf dem es kein Zurück gibt. Wenig, aber sehr pointiert eingesetztes Licht, eine intelligent gestaltete Bühne, die in der Mitte Raum für Flexibilität und Requisite gab, und eine stringente Regie, die aus den Puzzlestücken ein hervorragendes Ganzes machte, rundeten diese beiden Abende reinen Theatergenusses gekonnt ab.

Und dass die Beschäftigung mit dem Thema „Mobbing“ auch für Zusammenhalt sorgt, bescheinigten die Schüler ihrer Lehrerin Esther Ehlen im Programmheft: „Dank Ihnen ist unsere Klasse zu einer richtigen Einheit geworden, in der jeder für den anderen einsteht und zusätzliche Aufgaben übernimmt“, war dort zu lesen.

Neben den bereits genannten Mitwirkenden waren auch Carolin Klinnert, Alina Heutz, Julia Thissen, Tobias Aulich, Laura Jakobs, Stefanie Heggen, Simone Eschweiler, Julia Nießen, Suzana Sadrija, Tobias Henz, Janina Unbescheid, Patricia Kranzen, Sarah Schmidt, Florian Pentzold, Kerstin Schröders, Sarah Jakobs, Nina Budimirovic, Gerhard Kerpen, und Virginia Kreutz maßgeblich an der Produktion beteiligt.

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