Kreis Heinsberg - Mit viel Stroh unterm Po lässt sichs aushalten

Mit viel Stroh unterm Po lässt sichs aushalten

Von: defi
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Die Kühe von Landwirt Hubert Ollertz-Mertens ertragen die Kälte in stoischer Ruhe. Nur trocken müssen sie stehen. Foto: defi

Kreis Heinsberg. Fridolin lebt auf dem Berghecker-Hof in Haaren und hat keine Probleme mit Schnee und Kälte. Hauptsache reichlich Stroh unterm Hintern und ordentlich was zu futtern, dann fühlt sich der Eber auch bei Minustemperaturen sauwohl. 150 Sauen und 600 Mastschweine hält Herbert Küppers auf seinem Naturhof.

Ganz so locker wie Eber Fridolin steckt der Landwirt Kälte und Frost nicht weg. Seine Ferkel bestehen weiterhin auf kuscheligen 30 Grad, da muss Herbert Küppers schon ein paar Euro mehr fürs Öl ausgeben, damit die Fußbodenheizung im Abferkelstall die gewünschte Wohlfühltemperatur erzeugt. „Das ist aber eine Gratwanderung, die richtige Temperatur für die Ferkel und das Muttertier hin zu bekommen. Wir legen der Sau einen Rost unter, damit sie es etwas kühler hat”, so Herbert Küppers.

Das „Eroscenter”

Gerade mal ein Grad mehr Körpertemperatur als der Mensch hat das Schwein, also 38 Grad, und so bevorzugen Mensch und Tier auch die gleiche „Wohnzimmertemperatur”, gemütliche 20 Grad sollten es sein. Das Wohnzimmer des Schweins ist bei Landwirt Herbert Küppers der mit Stroh ausgelegte Stall. Hier leben die belegten Sauen zusammen mit Fridolin nachdem sie das „Eroscenter”, wie Küppers den Deckstall scherzhaft nennt, besucht haben.

„Jetzt, bei diesen Temperaturen”, so Herbert Küppers, „legen wir eine Extraschicht Stroh aus, und die Tiere bekommen auch mehr zu fressen.” Und so geben sie sich auch mal mit 12 bis 16 Grad im Saustall zufrieden. „Die Hitze im vergangenen Sommer”, so Landwirt Küppers, „hat den Tieren weit aus mehr zugesetzt als der Winter.” Probleme bereiten dem Landwirt seine Tiere also zurzeit nicht, problematisch wirds aber für den Schweinezüchter, wenn der Gülleschieber einfriert und der ganze Mist zu einer Eisplatte gefriert.

Chef einer Herde Hochlandrinder

Ballu ist ein Flaschenkind und eine Kreuzung aus Blonde dAquitaine und Gelbvieh. Der Bulle ist „Chef” einer Herde Schottischer Hochlandrinder, die Stefan Volpert auf den Weiden seines Erkelenzer Biolandhofes hält. Die zehn Tiere dieser Herde stehen zurzeit noch auf einer Weide zwischen Gerderath und Altmyhl. Frost und Kälte machen ihnen nichts aus. Stefan Volpert: „Die Tiere brauchen das ganze Jahr über keinen Stall. In zwei, drei Wochen bringe ich sie auf die Winterweide im Sauerland. Sie bekommen ihr Grundfutter, Heu oder Silage. Und sie saufen am Bach, der über die Weide fließt.” Bislang musste Volpert noch kein Loch in das fließende Gewässer schlagen. Er erinnert sich aber noch an die Hitzewelle dieses Jahres, als ein anderes Flaschenkind seiner Herde, Hochlandrind Biene, bis zum Hals im schlammigen Wasser stand, um sich abzukühlen. Denn wie den Schweinen macht Hitze auch den Rindern weitaus mehr zu schaffen als ein trockener Frost.

Trocken mögen es auch die Milchkühe von Landwirt Hubert Ollertz-Mertens auf dem Junkershof bei Heinsberg. 190 Tiere hält er zurzeit. Vor ein paar Jahren hat Ollertz-Mertens mal ein Experiment durchgeführt. Er bot seinen Kühen kalte und warme Ställe an. Die Kuh, bekanntermaßen ein Halbschattentier, hatte nun die Qual der Wahl, welchen Stall sie aufsuchen sollte. „Die meisten Tiere, auch die Jungtiere, gingen in die Kaltställe,” erinnert sich der Landwirt. Das Wichtigste sei aber, so Ollertz-Mertens, dass die Kühe trocken stünden, dann fühlten sie sich auch bei diesen Temperaturen wohl.

Iglus für die Kälber

Die Kälber haben es sich in ihren Iglus gemütlich gemacht, die weißen Kunststoffboxen sind mit Stroh ausgelegt. Nur die Tiere mit Wasser zu versorgen, macht Landwirt Ollertz-Mertens und seinen Helfern schon Probleme. In den so genannten Außenklimaställen wird das Wasser ständig durch Rohrleitungen gepumpt, damit es nicht einfrieren kann. Die Kälber aber saufen aus Eimern und die frieren regelmäßig über Nacht zu. Hilft nur, auskippen und neues Wasser nachfüllen. Auch dem Futtermittel setzt der Frost zu. Ollertz-Mertens: „Wir müssen schon aufpassen, dass uns das Futter nicht durchfriert. Bei Frost müssen wir dann einfach häufig wenden.”

Also unterm Strich hat der Mensch weitaus mehr Probleme mit Schnee und Frost als das liebe Vieh.
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