Heinsberg-Kempen - Mit „Nellie” wird die Welt wieder groß

Mit „Nellie” wird die Welt wieder groß

Von: Petra Wolters
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Pfarrer Marian W. Janke (links) freut sich immer, wenn Alexandra Kruse und ihr Hund Nellie in die Kirche kommen. Foto: Petra Wolters

Heinsberg-Kempen. Vorsichtig und ganz still führt Hündin Nellie ihr Frauchen vom Seitenschiff in den Mittelgang, bis ganz nach vorne an den Altar. Wenn Alexandra Kruse die Kommunion empfängt, steht die schwarze Hündin wie angewurzelt neben ihr, damit die blinde Frau das Führgeschirr gleich wieder greifen kann und mit Hilfe von Nellie problemlos zurückfindet in ihre Kirchenbank.

Beim ersten Mal schauten die Besucher der heiligen Messe in St. Nikolaus in Kempen schon etwas verwundert, als Nellie in die Kirche kam. „Ich bin eigentlich sonst auch strikt gegen Tiere in der Kirche, aber für den Zweck find ichs super”, erklärt Pfarrer Marian W. Janke dazu, dass sich die 46-Jährige, die aus Kempen stammt und im niederländischen Posterholt lebt, auf diese Art auf den Weg in den Gottesdienst macht.

Seit drei Jahren ist Alexandra Kruse blind. Eine Diabetes-Erkrankung war der Grund. Sie lernte mit dem Stock zu gehen, was ihr allerdings aufgrund einer weiteren, rheumatischen Erkrankung in den Handgelenken und durch Gleichgewichtsstörungen Probleme bereitete. Über die niederländische Stiftung KNGF (Koninklijk Nederlands Geleidehonden Fonds) erhielt sie dann einen Begleithund, den sie nicht mehr missen möchte.

„Ich hatte gedacht, das Leben hört auf, aber mit Nellie wird die Welt wieder ganz groß”, sagt Alexandra Kruse und freut sich sehr, dass auch der Besuch einer heiligen Messe so unproblematisch sein kann. Nur in ein Geschäft habe man sie mal nicht hineingelassen, erzählt sie traurig. „Und das war nicht einmal ein Lebensmittelgeschäft!”

„Ich hätte nie gedacht, dass ich wieder im Wald spazieren gehen könnte”, freut sie sich, räumt aber zugleich ein: „Ohne Nellie bin ich nichts.” Dreieinhalb Jahre alt ist die schwarze Hundedame, eine Kreuzung zwischen Labrador und Golden Retriever. Sie ist Alexandra Kruse ans Herz gewachsen, nicht nur, weil sie eine so treue Begleiterin ist.

„Sie hat am gleichen Tag Geburtstag wie meine Mutter”, erzählt sie begeistert. Und sie heiße „Nellie”, weil so die verstorbene Frau des Mannes geheißen habe, der die Ausbildung ihres Blindenhundes ermöglicht habe, immerhin mit rund 35.000 Euro. Persönlich kennt sie den Sponsor nicht, aber über die Stiftung lässt sie ihm immer wieder Informationen über sich und Nellie zukommen. Auch das Foto mit Nellie in der Kirche St. Nikolaus in Kempen soll er natürlich schon bald bekommen.
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