Kreis Heinsberg - Mit der Lebenshilfe bei der Kunsttour unterwegs

Mit der Lebenshilfe bei der Kunsttour unterwegs

Von: Anna Petra Thomas
Letzte Aktualisierung:
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Bis hoch unter die Decke hängen die Bilder in dem Gillrather Atelier, wo Georg Kohlen (Bildmitte, mit Bart) und Theo Heinen arbeiten. Zu dieser gruppe gehörte auch Burkhart Ollertz, der im vergangenen Jahr gestorben ist. Foto: Anna Petra Thomas
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Gereon Heil (Mitte, mit blauem Hemd) erläuterte den Besuchern in seinem Atelier in Heinsberg-Uetterath seine jüngsten Arbeiten, bei denen er als Maler immer die Vogelperspektive einnimmt. Foto: Anna Petra Thomas
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Lars Otten (r.) gehört zur Aachener Lebenshilfe-Werkstatt „Willsosein“, die in den Cafés Samocca in Heinsberg und Wegberg bis 23. Mai ausstellt. Foto: Anna Petra Thomas
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Vieles lässt sich entdecken in den Bildern von Henriette Echghi-Ghamsari, aber immer geht es ihr ums Menschenbild. Foto: Anna Petra Thomas
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Da der neue Bus im Lebenshilfe-Design über eine Rampe verfügt, können auch Rollstuhlfahrer bequem hineinfahren. Foto: Anna Petra Thomas
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Andreas Joerißen (r.) erklärte seine Arbeit als Holzbildhauer. Foto: Anna Petra Thomas

Kreis Heinsberg. „Sie sind Kunst. Ich bin Kunst. Alle sind Kunst.“ Mit diesen drei einfachen Sätzen von Bildhauer und „Kunst-Scout“ Andreas Joerißen wurde der Bus im Lebenshilfe-Design, am Sonntag unterwegs auf der 15. Kunsttour im Kreis Heinsberg, quasi selbst zu einer Art fahrenden Kunstinstallation.

„Gefüllt“ war dieser Bus mit 40 Menschen, mit und ohne Behinderung, die sich am Morgen zunächst im Heinsberger Café Samocca, einer Einrichtung der Lebenshilfe, getroffen hatten.

Diese „Tour zur Kunst“ war die Idee der Heinsberger Lebenshilfe, entstanden nach der ersten erfolgreichen Teilnahme an der Kunsttour im vergangenen Jahr. Damals hatten im Café Samocca in Heinsberg 14 Menschen mit Behinderung aus dem Förderbereich der Lebenshilfe Kunstwerke ausgestellt, die im Zusammenwirken mit zehn Künstlern aus der Region entstanden waren. In diesem Jahr präsentierten sowohl im Heinsberger als auch im Wegberger Café Samocca Mitglieder von „Willsosein“, der Kunstwerkstatt von der Lebenshilfe Aachen, ihre Arbeiten; bis 23. Mai laufen diese Ausstellungen. Mit dabei auch die durch kleinteilige Muster und Strukturen geprägten Zeichnungen von Lars Otten aus Waldfeucht-Bocket.

Darüber hinaus sei die gemeinsame Bustour Basis eines intensiven Austauschs zwischen den Künstlern und den an Kunst interessierten Menschen, erklärte Lebenshilfe-Vorsitzender Klaus Meier bei der Begrüßung. Schließlich ermögliche sie Menschen mit Behinderung jedoch überhaupt erst, an der Kunsttour teilzunehmen. So sei die Bustour auch ein Projekt im Rahmen des Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung, der am 5. Mai auf dem Kalender steht. „Wir weisen dadurch auf die Mobilitätsbarrieren für Menschen mit Behinderung im Kreis Heinsberg hin“, sagte er. „Durch den Abbau des öffentlichen Nahverkehrs und fehlende Barrierefreiheit wird es in einer ländlichen Region wie dem Kreis Heinsberg für Menschen vor allem mit schwerer Behinderung fast unmöglich, an kulturellen Veranstaltungen wie beispielsweise der Kunsttour teilzunehmen.“

Nicht so an diesem Sonntag. Sogar zwei Rollstühle finden in dem Bus vom Familienunternehmen von den Driesch aus Waldfeucht-Haaren Platz, den Bernd Lind zunächst nach Geilenkirchen-Gillrath steuerte – auf das Gelände der ehemaligen Tonfabrik. Herzlich willkommen geheißen wurden die Besucher dort in den beiden Ateliers der Künstlergruppe ­„GillARTh“. In einem Atelier arbeiten Theo Heinen und Georg Kohlen, Mitarbeiter der Lebenshilfe; dazu gehörte der im vergangenen Jahr gestorbene Burkhart Ollertz. In dem anderen Atelier nebenan arbeitet der Bildhauer Andreas Joerißen.

„Ich hatte hier mit Kohle vorgezeichnet und wollte sie wegwischen, aber sie blieb“, erklärte Kohlen eines seiner Bilder. Jetzt wässere er die Kohlezeichnung, und das Motiv bleibe so noch deutlicher erhalten. Elke Buhrig aus der Lebenshilfe-Wohnstätte in Gangelt-Birgden hatte es dagegen ein Bild ganz oben unter der Decke angetan: das Porträt eines Mannes mit Hörnern. „Entstanden im Karneval“, so Kohlen. Aber Elke Buhrig hat ihre eigene Interpretation. „Menschen, die böse waren, denen wachsen Hörner“, sagte sie.

Weiter ging es zu Andreas Joerißen, der seinen Besuchern die Geschichte seiner blauen Kinder erklärte, Güsse aus Kunststein nach dem Original einer babygroßen Holzskulptur. „Die stelle ich irgendwohin, fotografiere sie und lasse sie dort stehen. Wer sie findet, dem ist sie geschenkt“, sagte er. „So ist das mit Kindern. Die kriegt man geschenkt.“ Fast zwei Dutzend hat er auf diese Weise in den vergangenen beiden Jahren bereits verschenkt. 100 sollen es einmal werden.

Ebenfalls auf dem Gelände der ehemaligen Tonfabrik arbeitet Henriette Echghi-Ghamsari, die sich über die Besucher von der Lebenshilfe-Bustour ebenfalls freute. „Ich arbeite auf dem Tisch, auf dem Boden, an der Wand, nicht auf der Staffelei, mit Öl, Acryl und Aquarell“, erläuterte sie ihre Arbeit. „Mein Anliegen ist immer, ein Menschenbild darzustellen. Das hat natürlich auch mit mir persönlich zu tun.“

Menschenbilder faszinierten die Bus-Tourer auch an der nächsten Station, im Atelier von Gereon Heil in Heinsberg-Uetterath. Er präsentierte der Gruppe großformatige Acryl-Bilder mit Ansichten aus der Vogelperspektive. Ausgehend von Studien mit Bauwerken, habe er diese Art der Arbeit auch auf den Menschen übertragen, erzählte er den Besuchern. Und dabei ließ er einen Menschen sogar auf seinen Händen laufen. Dieses Bild faszinierte die Betrachter ganz besonders.

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