Wassenberg - Mit den Huskys auf der Jagd nach dem Titel

Mit den Huskys auf der Jagd nach dem Titel

Von: Verena Müller
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Gegenseitiges Vertrauen ist un
Gegenseitiges Vertrauen ist unerlässlich für ein erfolgreiches Team von Mensch und Hund: Iris Mauderer ist dabei die unumstrittene Chefin im Rudel der Huskys. Foto: Verena Müller

Wassenberg. Für Iris Mauderer und ihre Huskys geht es an diesem Wochenende ums Ganze. Wird sie den Titel als Deutsche Meisterin im Schlittenhundesport zum vierten Mal verteidigen?

Grund zur Sorge habe sie nicht, sagt die Wassenbergerin, aber bei Tieren könne ja immer etwas schieflaufen. Bei einem Wettkampf - zum Glück keinem wichtigen - hatte sich beispielsweise ein Hund in der Leine verheddert, ein anderes Mal sind die Huskys einfach falsch abgebogen und in eine Scheune gerannt. Sackgasse. Aus.

Drei ernstzunehmende Konkurrenten gibt es bei den Deutschen Meisterschaften, die ihr die Tour vermasseln könnten, erzählt die 38-Jährige. Mit denen kämpft sie seit Jahren um die ersten Plätze.

Rückblick: Iris Mauderer hat einen freien Tag. Normalerweise wäre die Fitnessfachwirtin in Krefeld, Kurse geben oder den Papierkram im Blick haben. Aber augenblicklich sind die Prioritäten andere. Seit September wird jeden Dienstag und Mittwoch trainiert, in intensiven Trainingsphasen auch öfter.

Ihr Alltag und der ihrer Familie sieht im Moment so aus: Um 7 Uhr raus zu den Hunden, schauen ob es allen gut geht, Zwinger sauber machen, Wassereimer schleppen, Streicheleinheiten verteilen. Dann ab zur Arbeit. Gegen vier, halb fünf wieder zuhause, dann die Hunde in den Wagen verladen und raus auf einen der Feldwege, auf denen man mit den Tieren gut fahren kann.

Das Training selbst, fünf bis acht Kilometer mit an die 25 Stundenkilometer, dauert nicht lange. „Wegen des ganzen Drumherums muss man aber schon zwei Stunden einplanen”, sagt Musher Iris. Musher, so nennt man die Hundeschlittenlenker.

Das Übungsgerät ist übrigens kein Schlitten mit Rollen drunter, sondern ein Quad. Ein ganz normales. Der Unterschied?

„Der Schlitten wiegt elf Kilo, das Quad 270”, sagt Iris Mauderer. Krafttraining also für die Hunde. Soll die Schnelligkeit ausgebaut werden, wirft sie einfach den Motor an, so dass die Tiere fast frei laufen können. „Die Hunde müssen beides können: ziehen und laufen”, erklärt Mauderer.

Maximal bis zum 6. Lebensjahr können die Hunde Rennen laufen, danach gelten sie als Senioren. Das gilt nicht für die Huskys im Speziellen, sondern für Hunde im Allgemeinen.

Früher hatte die Familie an die 40 Tiere. „Inzwischen züchten wir aber nicht mehr intensiv und fahren nur noch mit Rüden”, erzählt Mauderer. Nicht nur, weil die kräftiger sind, sondern auch, weil das Rudel dann viel ruhiger ist. „Ein Bekannter hat mal gesagt: Willst du Rennen fahren oder Sozialverhalten studieren?” Da habe sie sich für Rennen entschieden.

Neun Siberian Huskys haben die Mauderers heute. „Pepe ist schon auf dem Weg in die Rente, einer hat eine Knieverletzung und einer ist noch zu klein, um mitlaufen zu können”, sagt Iris Mauderer. Da nicht nur sie in kleinen Teams mit maximal sechs Hunden Rennen fährt, sondern inzwischen auch ihr Sohn Philip (14), ist die Auswahl gering. Philip war im vergangenen Jahr nicht nur Deutscher Meister, sondern auch Jugendweltmeister.

Mitte Dezember war die Familie mit den Tieren im Trainingslager. Dreieinhalb Wochen Bayerischer Wald. Das ist immer so etwas wie Urlaubsersatz. Denn der ist schon lange nicht mehr möglich. Auch im Sommer, wenn trainingsfreie Zeit ist, müssen die Tiere spielerisch fit gehalten und der Kontakt zu ihnen gepflegt werden.

Aber nicht nur die Tiere müssen in Topform sein, sondern auch der Musher. „Der Alltag ist das Anstrengende, mit dem Anhänger zu hantieren, die Wassereimer zu schleppen und und und”, sagt Mauderer. Bei den Wettkämpfen selbst sei es zwar auch von Vorteil, fit zu sein, „es gibt aber auch Musher, die stellen sich einfach auf den Schlitten und lassen sich ziehen.”

Bergauf nicht unbedingt eine gute Idee, besser man rennt als Schlittenlenker mit, um das Gewicht zu reduzieren. Ausdauer, Schnelligkeit und vor allem Körperspannung sind da wichtig. Gelenkt wird nur mit der Stimme: „gee” für rechts, „haw” für links und „aufpassen”, falls sich eine zugefrorene Pfütze oder ein Ast auf der Strecke befinden.

Jetzt sind die zweieinhalb Monate Wettkampfzeit angebrochen, das heißt, die Familie ist jedes Wochenende unterwegs. Zuletzt in Nassau, Unterjoch und Todtmoos, um sich für die WM zu qualifizieren. Auch wenn die erst vom 24. bis 26. Februar stattfindet, sind die Gedanken von Iris Mauderer ab und an schon bei jenem Rennen. „Die vier Hunde, die ich jetzt anmelde, laufen auch so. Austauschen darf man nicht”, sagt sie.

Ihre größte Konkurrenz kommt aus Polen, hat sie bislang immer auf den zweiten Platz verwiesen. Was der anders macht? „Der hat sehr, sehr viel Geld”, sagt Mauderer, „und über 30 Hunde.” Außerdem bekäme er vom polnischen Staat für jeden Titel eine dicke Prämie - „das ist so ähnlich wie mit Bayern München”, sagt Mauderer und lacht. Verhältnisse, von denen sie nur träumen kann.

Das meiste zahlt die Familie selbst, nur das Futter wird vom Heinsberger Hersteller Dr. Alders gesponsert. Und die Preise? „Pokal und ein Sack Futter, das ich aber gar nicht brauchen kann”, sagt Mauderer. Ein Sport für Idealisten also.

Ihren ersten Husky bekam die gebürtige Krefelderin vor 30 Jahren, da war sie acht. In der Familie einer Freundin gab es Huskys, so entstand die Liebe zu dieser Hunderasse. Aus einem wurden zwei und dann immer mehr. Erst fand die Mutter über die befreundete Familie zum Schlittenhundesport, dann Iris Mauderer.

Mit 14 nahm sie an den ersten Rennen teil, ab 16 trat sie gegen ihre Mutter an. Das sei nicht immer angenehm gewesen, etwa, wenn es Zoff um die Hunde gab. „So ähnlich fängt das mit meinem Sohn jetzt auch an”, erzählt sie. Nach dem Motto: Ja, wenn ich deine Hunde gehabt hätte ...

Frauen gehen nach wie vor selten an den Start, auch wenn der Sport in den letzten 30 Jahren deutlich an Popularität gewonnen hat. „Bei uns ist es so: Mein Mann fährt nicht mehr, nachdem er das 20 Jahre lang gemacht hat. Stattdessen managt er uns und macht den Doghandler.” Also den, der die Hunde einspannt und den Schlitten wachst.

Wenn eine Generation Rennhuskys das „Rentenalter” erreicht, stellt sich bei manchen Mushern die Frage, ob sie das Rudel erneuern oder aufhören. Für Iris Mauderer hat sich die Frage nie gestellt, auch wenn der Sport sie manchmal an ihre Grenzen bringt. „Wir sagen immer: Das ist kein Hobby, das ist eine Lebensart”, sagt sie.

Ohne Rennhunde? „Nein, das geht gar nicht”, sagt sie nach kurzem Überlegen. Es sei einfach toll, mit den Tieren, draußen in der Natur. „Es ist etwas Besonderes, wenn man auf dem Schlitten steht”, sagt sie. Die Erfolge stünden zwar an zweiter Stelle, „es muss aber schon Hand und Fuß haben, wenn man das macht”, sagt sie.

Hätten alle ihr bestes gegeben und sei alles gut gelaufen, dann sei es auch ein gutes Rennen gewesen. Egal, welcher Platz dabei rauskäme. Ob es an diesem Wochenende wieder der Erste wird, soll sich zeigen.
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