„Milchpreise jenseits der Schmerzgrenze“

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Kreis Heinsberg. Vor dem anstehenden Milchgipfel, zu dem Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt für Montag eingeladen hat, haben die rheinischen Bauern einen Katalog an Forderungen aufgestellt. „Es muss etwas passieren! Die Milchpreise sind jenseits der Schmerzgrenze“, erklärte Bernhard Conzen.

Er ist Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes und zugleich der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Heinsberg. Die Auszahlungspreise für die Milcherzeuger in NRW liegen nach seinen Angaben derzeit nur noch zwischen 22 und 25 Cent je Kilogramm Milch netto ab Hof. Das habe viele Gründe, erläuterte der Vorsitzende: das unverändert andauernde Russlandembargo, eine stockende Importnachfrage aus China, Unruhen und ein unsicheres Marktumfeld sowie die mangelnde Kaufkraft in Erdöl exportierenden Ländern gehörten zu den Ursachen. Zugleich jedoch würden verstärkte Milchanlieferungen den Markt belasten.

„Marktakteure, Handel und Politik stehen jetzt in der Verantwortung, einem Strukturbruch in der Milchviehhaltung entgegenzutreten“, forderte Conzen. In keinem anderen Land sei der Kampf des Lebensmitteleinzelhandels untereinander so knallhart wie in Deutschland.

„Denn obwohl in anderen europäischen Ländern auch viel Ware am Markt ist, steht der Handel dort hinter der Landwirtschaft und setzt nicht auf Billigpreise“, hob Conzen hervor. „Der Lebensmitteleinzelhandel kriegt den Hals nicht voll. Und das obwohl die Gewinnmarge des Handels immer größer wird. Der Lebensmittel­einzelhandel nimmt seine Verantwortung für regionale Strukturen nicht wahr!“ Daher müsse die Verhandlungsmacht des Milchsektors gegenüber dem Handel endlich gestärkt werden. Gleichzeitig müsse eine weitere Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel gestoppt werden. Wichtig sei aber auch, dass Molkereien und Milcherzeuger nach dem Auslaufen der Quotenregelung gemeinsam an Lösungen arbeiten würden, um auf die schwankende Nachfrage nach Milch reagieren zu können.

„Differenzierte Auszahlungspreise etwa durch freiwillige Zusatzvereinbarungen, Bonuszahlungen zur Mengenanpassung oder eine verwertungsbezogene Preisstaffelung müssen in den Unternehmen ergebnisoffen diskutiert werden“, mahnte Conzen. Es bedürfe Maßnahmen, die den Verwertungsmöglichkeiten der jeweiligen Molkerei mit ihren Genossen beziehungsweise Lieferanten Rechnung trügen. Staatliche Pauschallösungen seien daher strikt abzulehnen, so Bernhard Conzen.

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