Milchkontor „schluckt” Rosen Eiskrem

Von: Rainer Herwartz
Letzte Aktualisierung:
Das Werk II ist nur eine von i
Das Werk II ist nur eine von insgesamt vier Produktionsstätten der Firma Rosen Eiskrem in Deutschland. In Waldfeucht sind rund 300 der insgesamt 500 Mitarbeiter beschäftigt.

Waldfeucht. Die Nachricht schlug am Freitag ein wie eine Bombe: Deutschlands größtes Molkerei-Unternehmen, das Deutsche Milchkontor (DMK), hat die Firma Rosen Eiskrem aus Waldfeucht übernommen. DMK werde damit auch zu Deutschlands größtem Eisproduzenten, ließ ein DMK-Unternehmenssprecher aus Bremen verlauten.

Doch was bedeutet das für die Belegschaft am Rosen-Standort in Waldfeucht? Immerhin sind hier rund 300 der insgesamt 500 Mitarbeiter des Eis-Produzenten, die sich auch auf Werke in Nürnberg und im brandenburgischen Prenzlau verteilen, beschäftigt. „Im Augenblick haben die Mitarbeiter nichts zu befürchten”, sagt Manfred Zaunbrecher, der als Pressesprecher für Rosen Eiskrem fungiert.

Gemeinsam mit der DMK Eis GmbH aus Everswinkel, die sich in einem ersten Schritt an Rosen beteiligen wird, wolle das Waldfeuchter Traditionsunternehmen, das seit 45 Jahren am Markt agiert, mehr Anteile auf europäischer Ebene erobern. In einem zweiten Schritt würden die Unternehmen Rosen Eiskrem und die DMK Eis GmbH fusionieren. Dr. Gotthard Kirchner, bisheriger Alleininhaber von Rosen Eiskrem, werde auch zukünftig als geschäftsführender Gesellschafter das gemeinsame Eisgeschäft der aus der Fusion entstehenden Gesellschaft mit verantworten.

„Die Konsolidierung des internationalen Eismarktes erfordert permanente Investitionen in Entwicklung und Technik,” sagt Kirchner. „Diese Herausforderung werden zukünftig nur Unternehmen annehmen können, die langjährige Erfahrung, ausgezeichnete Fachkompetenz, tiefe Marktkenntnis und starke Innovationskraft wie Rosen Eiskrem sowie die Zugänge zu den Rohstoffmärkten und die Finanzkraft eines Großunternehmens wie DMK haben. Die zukünftige Bündelung der Stärken beider Unternehmen bringt große Synergieeffekte mit vielen wirtschaftlichen Vorteilen für beide Partner.”

Was den „Zugang zu den Rohstoffmärkten” angeht, lässt sich dies nachvollziehen, denn das Deutsche Milchkontor ist mit 6,9 Milliarden verarbeiteten Kilogramm Milch Deutschlands größtes Molkereiunternehmen. Dahinter stehen über 11.000 Milcherzeuger. Die Milch wird an 23 Standorten mit Hilfe von 5700 Mitarbeitern unter anderem zu Milchfrischprodukten wie Trinkmilch, Joghurt und Quark, Käse, Milch- und Molkenpulver für die Lebensmittelindustrie sowie Babynahrung, Eiskrem und Gesundheitsprodukten verarbeitet. Mit 4,6 Milliarden Euro Umsatz gehört das Unternehmen auch europaweit zu den Top Ten der Milchindustrie.

Salopp gesagt: DMK hat zwar das Geld, um sich einen Ferrari zu kaufen, aber nicht den Fahrer und die technische Crew. Die Deutsche Milchkontor GmbH war erst im vergangenen Jahr als Zusammenschluss der Genossenschaften Nordmilch aus Bremen und Humana aus dem münsterländischen Everswinkel an den Start gegangen. Humana, vielen Endverbrauchern eher als Produzent von Babynahrung bekannt, besaß auch eine Eissparte mit einer Spezialisierung auf befüllte Schalen, wie Zaunbrecher erläutert.

„Der Aufsichtsrat hat sich entschlossen, die Sparte weiter zu entwickeln.” Da kam wohl Rosen Eiskrem mit seinem Schwerpunkt in der Produktion von Stieleis und Multipackungen gerade recht. „Multipackungen sind der absolute Trend im Handel”, erläutert Zaunbrecher. „Da ist Rosen ganz stark am Markt.” Das Impulsgeschäft, bei dem sich ein Kunde mal eben ein einziges Eis aus der Kühltruhe an der Kasse greife, gehe dagegen deutlich zurück.

Die Firma R&R aus Osnabrück, Langnese, Nestle, Eisbär und DMK seien zukünftig wohl die einzigen „Großen”, die sich noch auf dem europäischen Markt tummelten. Mit der Schaffung des neuen Verbundes von Kompetenz und Finanzkraft betreibe Rosen Eiskrem aktive Standortsicherung. Die zukünftige Bündelung der Stärken beider Unternehmen bringe viele wirtschaftliche Vorteile für beide Partner. In der neuen Konstellation wollten die beiden Unternehmen ihren Eiskremumsatz in Europa in den kommenden fünf Jahren profitabel ausbauen.

Die Anfang 2012 gegründete DMK Eis GmbH kommt mit 270 Mitarbeitern an den Produktionsstätten im Münsterland auf 140 Millionen Euro Umsatz. Bei Rosen betrug der Umsatz bislang rund 160 Millionen Euro im Jahr. Das Unternehmen war damit der größte konzernunabhängige Eishersteller in ganz Europa.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert