Menschen mit Handicap können Fuß fassen

Von: hewi
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Im Erkelenzer Lebenshilfe-Bistro Inclusio: Die Landesinitiative „Teilhabe an Arbeit –1000 Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen“ wurde vorgestellt. Foto: Koenigs

Kreis Heinsberg. Eine Landesinitiative soll Menschen mit Handicap helfen, auch ­außerhalb der behinderten Werkstätten in der freien Wirtschaft Fuß zu fassen. Im Lebenshilfe-Bistro Inclusio in Erkelenz stellte Projektkoordinator Thomas Fonck vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) das Projekt „Teilhabe an Arbeit – 1000 Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen“ vor.

Es geht dabei um „Betriebsintegrierte Arbeitsplätze“ (BiAP), durch die Menschen mit Handicap die Teilhabe am Arbeitsmarkt ermöglicht werden soll. Im Bereich des Landschaftsverbandes Rheinland gibt es bereits 1800 dieser BiAP-Stellen; kreisweit sind es derzeit rund 60, Tendenz steigend. Das freut auch Edgar Johnen. Der Geschäftsführer der Lebenshilfe – sie ist bei diesem Projekt ebenso eingebunden wie die gemeinnützige Prospex – betonte, die Schaffung von zusätzlichen und attraktiven Arbeitsplätzen sei „ein ständiges Thema für uns“. So haben Klienten der Lebenshilfe den Sprung aus den ­eigenen Werkstätten hinein in die freie Wirtschaft geschafft.

Diese Entwicklung soll durch ein gezieltes Programm unterstützt werden, das es interessierten Unternehmern erleichtern soll, eine solche BiAP-Stelle zu schaffen. Trotz anfänglicher Skepsis sei das Feedback der Unternehmen positiv, hob Fonck hervor. Dadurch, dass bestimmte Arbeitsabläufe an die neuen Kollegen übertragen werden könnten, seien andere Mitarbeiter frei für weitere Tätigkeiten.

Die Unternehmen, die sich für eine Teilnahme am Projekt und für einen Mitarbeiter mit Behinderung entschließen, haben ­einige Vorteile, wie Fonck ausführte. Ihnen werde für ein Jahr ein Lohnzuschuss in Höhe von 50 Prozent des zwischen dem Unternehmen und der Werkstatt vereinbarten Entgelts gewährt; sie hätten auch keine Versicherungspflichten gegenüber dem Arbeitnehmer, denn offiziell sei er weiterhin bei der Behindertenwerkstatt angestellt, die sich auch um die Lohnabwicklung kümmere. Zu Beginn könnten ­Arbeitnehmer und Unternehmen ohnehin erst einmal in einem kostenlosen Praktikum testen, ob sie zueinander passen würden. Während der Anstellung werde der Arbeitnehmer bei auftretenden Problemen fachmännisch durch die Werkstätten betreut.

In der Praxis hat das Programm auch im Kreis Namen und Gesichter. Zum Beispiel im Erkelenzer Hermann-Josef-Altenheim, im Wassenberger Johanniter-Stift oder in der Kindertagesstätte ­Apfelbaum, die der Christliche Kindergartenverein in Wassenberg betreibt. Dort war nur eine Stelle geplant, wie die Leiterin des Kindergartens, Michaela Moser, berichtete. Und zwar für die Wäsche, denn bis dahin war das von den Erzieherinnen erledigt worden, die dadurch aber weniger Zeit für ihre eigentliche Arbeit hatten. So lernte sie Nicole Simons kennen und schätzen, die ihr von Prospex in ­Erkelenz vermittelt worden war. Mit ihr war man in der Kindertagesstätte so zufrieden, dass kurzerhand noch eine zweite Kraft eingestellt wurde. Stefanie Gerner arbeitet nun in der Küche mit, wo jeden Tag für rund 120 Kinder das Essen frisch zubereitet wird.

Das sind Erfolgsgeschichten, die auch Dr. Hans-Heiner Gotzen zuversichtlich stimmten. „Inklusion begleitet uns auf vielen Ebenen“, erklärte der Erste Beigeordnete der Stadt Erkelenz. In den Schulen, in der Betreuung und in der Arbeitswelt sei Inklusion das Gebot der Stunde. Daher müsse nach den besten Konzepten gesucht werden, denn „es geht um Menschen, die Perspektiven wollen“.

Finanziert wird die Landesini­tiative mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds, vom Land Nordrhein-Westfalen sowie vonden Landschaftverbänden.

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