Heinsberg - „Menschen bei Glanzstoff“: Über 80 seltene Exponate zu sehen

„Menschen bei Glanzstoff“: Über 80 seltene Exponate zu sehen

Von: Anna Petra Thomas
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In einjähriger Vorbereitung hat Jakob Wöllenweber (links) die zweite Ausstellung in der Reihe „Menschen bei Glanzstoff“ für das Begas-Haus vorbereitet. Zahlreiche Gäste zeigten auch dieses Mal schon bei der Eröffnung wieder großes Interesse. Foto: Anna Petra Thomas
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Jakob und Heinz-Georg Schuhwirth (v. r.) sind die Söhne des Walzenträgers, der für die berühmte Figur vor der Kantine Modell stand. Hier betrachten sie das Modell. Foto: Anna Petra Thomas
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Mehr als 80 Exponate aus den Vereinigten Glanzstoff-Fabriken und von Toho Tenax zeigt die neue Ausstellung noch bis zum 10. Dezember. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg. Wie schon die erste Ausstellung über die „Menschen bei Glanzstoff“ im vergangenen Jahr erfreute sich auch die zweite Schau auf der Sonderfläche des Begas-Hauses schon bei ihrer Eröffnung am Sonntag eines großen Besucherinteresses. So hatten die Organisatoren um Museumsleiterin Dr. Rita Müllejans-Dickmann den offiziellen Teil gleich ins bestuhlte Dachgeschoss verlegt.

„Wir haben wirklich unser Versprechen wahr gemacht, in Serie zu gehen“, erklärte sie in ihrer Begrüßung. Zudem hätten sie und Jakob Wöllenweber, der Vorsitzende des Fördervereins Industriepark Oberbruch, die Anregung der Ausstellungsbesucher aufgenommen, nicht nur Fotos, sondern jetzt auch Objekte aus der alten Glanzstoff-Zeit auszustellen.

Ihr Dank ging an Wöllenweber als „Kurator“ der Ausstellung sowie an Eckhard Scholten, Geschäftsführer der Toho Tenax GmbH, als einem der wichtigen Leihgeber. Insgesamt umfasst die Ausstellung, die noch bis zum 10. Dezember zu sehen ist, mehr als 80 Exponate.

Der 2013 gegründete Förderverein habe ein Museumskonzept erstellt mit acht Themenfeldern, die in vier Ausstellungen im Begas-Haus präsentiert werden sollen, erklärte Wöllenweber in seiner Rede. Nachdem sich die erste Ausstellung mit den Themen Menschen und Arbeit befasst habe, gehe es in der aktuellen Ausstellung um die Vereinigten Glanzstoff-Fabriken sowie um Innovation und Zukunft. In der aktuellen Schau würden die Pionierarbeit sowie die Entwicklung von Kunstseide und -faser gewürdigt. Mehrere Exponate seien für die Ausstellung restauriert worden.

Ein Beispiel dafür ist der großformatige, mit Kupferseide gestickte Pfau, der 1904 auf der Weltausstellung in St. Louis in den USA gezeigt wurde.

Stolz ist Wöllenweber auch auf den Film aus den 1930er-Jahren, den ihm das Bundesfilmarchiv leihweise zur Verfügung gestellt hat. Er zeige eindrucksvoll die damalige Größe des Standorts und den Produktionsablauf im Rayonbetrieb. Und dann ist da noch die Figur namens „Tobi“, mit der die Glanzstoff-Werke für Kinderbekleidung aus Diolen warben. Schließlich informiert die neue Ausstellung auch über die Jubiläumsgaben für die Mitarbeiter. So hat es zum Beispiel zwischen 1952 und 1966 für alle Arbeiter und Angestellten, die 50 Jahre lang für denselben Dienstherrn gearbeitet hatten, eine besondere Ausführung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland gegeben.

Bemerkenswert an dieser Glanzstoff-Zeit seien auf der einen Seite die Leistungen ihrer „Visionäre“ gewesen, auf der anderen Seite aber auch Fleiß, Können und Treue der Mitarbeiter, so Wöllenwebers Fazit. Dabei hätten zum einen Schwierigkeiten in der Produktentwicklung sowie weltwirtschaftliche und politische Krisen im Weg gestanden, zum anderen habe es die Herausforderung gegeben, die Menschen überhaupt und Frauen insbesondere für die Industriearbeit zu gewinnen.

In die Ausstellung eingebunden ist schließlich auch ein Teil über die aktuellen Entwicklungen des Kohlenstofffaser-Herstellers Toho Tenax im heutigen Bizzpark Oberbruch, die Scholten den Gästen der Eröffnung vorstellte. Eigentlich sei sein Unternehmen erst seit 30 Jahren am Standort Oberbruch tätig. Und so sei es vielleicht etwas früh, sich schon im Museum zu präsentieren. „Auf der anderen Seite können wir natürlich ein wenig stolz, sein, in solch einer langen Historie der Chemiefasergeschichte zu stehen, die hier vor über 100 Jahren auch mit einer carbonisierten Chemiefaser angefangen hat.“

Von Toho Tenax sind in der Ausstellung zum Beispiel Halbzeuge zu sehen, wie sie beim Bau des Airbus 350 oder jetzt auch bei Boeing zum Einsatz kommen, zudem ein fertiges Bauteil für einen Porsche, ebenfalls produziert in Oberbruch. „Sie sehen, am alten Glanzstoff-Standort in Oberbruch ist immer noch etwas los und wird die Zukunft gestaltet, auch wenn es von außen nicht immer so aussieht, denn wir nutzen natürlich die alten Gebäude, so gut es geht“, erklärte Scholten.

„Mit unseren Plänen für die Zukunft sind wir sicher, dass wir noch lange hier am Standort sein werden und wir dann auch in 2086 auf 100 Jahre Kohlenstofffaser-Produkte hier in Heinsberg zurückblicken können.“

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