Meisterhafte Virtuosität trotz verstimmtem Instrument

Von: sche
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Heinsberg. Japaner gehören zu den größten Bewunderern und Interpreten klassischer abendländischer Musik.

Shin-ichi Fukuda (54), der das zweite Meisterkonzert im Rahmen des Gitarren-Festivals bestritt, kennt sich darin bestens aus. Während er mit 26 Jahren schon erster Preisträger beim Internationalen Gitarren-Wettbewerb von Radio France wurde, zählt er heute zu den prägendsten Gitarristen seines Heimatlandes und ist Vater vieler erstklassiger japanischer Nachwuchskräfte.

Seine besondere Liebe gehört Francisco Tarrega, mit dem er unmittelbar zu vergleichen wäre. Er war Reformer des Spielstils und Gründer der neuen Spanischen Gitarrenschule, die auf kraftvollen und großen Klang setzt - Tarrega war Besitzer eines ungewöhnlich klangvollen und „lauten” Instruments - um neue Klangeffekte zu erzielen unter Verwendung neuer Spieltechniken, wodurch der Ton langanhaltend und prall wurde.

Das hat sich bis heute in der spanischen Gitarristik erhalten. Tarregas und auch Fukudas Interpretationskunst bezog neue harmonische wie koloristische Elemente mit ein. Tarregas Vorbild gilt heute weltweit. Darum wunderte sich der Japaner, dass man sich nicht auf alle seine Werke „stürzt”. Offenbar wird das „Tema y Estudio de Concierto” nach S. Thalberg, einem ausgezeichneten Pianisten und leibhaftigen Fürstensohn, nur von ihm gespielt.

Tarrega bearbeitete alle großen Meister. Bei der Fantasie über Verdis „Traviata” stürzte er sich wiederum auf Julian Arcas, der auch ein hervorragender Vertreter seines Fachs war. So kann man Felipe Pedrell verstehen, dass er allen Einfluss aufwand, Hispanität durchzusetzen, das heißt die spanische Gitarrenmusik von der italienischen zu trennen.

Fukuda folgte ihm, indem er weitere Spanier bevorzugte: Enrique Granados , dessen „Valses poeticos” er transskribierte und Joaquim Rodrigo, mit dessen „Invocation y danza” er gleichzeitig eine Hommage an Manuel de Falla ausbrachte.

Nach einer ihm gewidmeten Komposition von Landsmann Keigo Fujii über alte Pilgergesänge aus dem Kloster Monserrat und einer Sonatina von Lennox Berkeley schloss er mit einem „teuflischen” Capricio von Mario Castelnuovo-Tedesco, um sich dann mit drei Zugaben populären und einfachen Stücken zuzuwenden. Immer blieb er mit verschmitztem Lächeln absolut meisterlich und präsent.

Der Engländer Graham Anthony Devine hatte beim dritten Meisterkonzert Schwierigkeiten mit seinem Instrument. Es war am Schluss so verstimmt, dass er den begeisterten Zugabenwünschen mit Bedauern nicht nachkommen konnte.

Der sehr introvertiert wirkende Virtuose mit Vorlieben für Lyrismen verstand sich nicht nur als Spezialist für Alte Musik nachdem „Glöckner, Organisten und Lautenspieler” David Kellner wie viele seiner Landsleute. Er intonierte den Frescobaldi-Schüler Johann Jacob Froberger in der Art eines Lautenisten.

Eine ausgesprochene Affinität zeigte er für den Mexikaner Manuel Ponce, von dem er die „in memoriam Franz Schubert” verfasste (gesangliche) Sonata Romantica spielte nach den nicht minder bedeutenden Variationen mit Fuge auf das Thema „Folia de Espana”. Der sowohl der Folklore wie der Neoklassik verbundene Südamerikaner verstand sich zeitlebens auch immer als Brückenbauer zwischen den Kontinenten, worin ihm Devine gerne nachfolgte.

Mit dem 1983 geborenen Javier Contreiras vollzog er einen Riesenschritt in die Gegenwart mit einer total veränderten Spieltechnik und Klangwirkung, was absolute Instrumentenbeherrschung erfordert.

In dieser Meisterschaft war er sich mit all seinen Vorgängern gleich.
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