Wassenberg-Effeld - „MeinWeg”: Deutsch-niederländische Schmugglerroute entdecken

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„MeinWeg”: Deutsch-niederländische Schmugglerroute entdecken

Von: Stefan Herrmann
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Schlemmerrunde am Schlagbaum:
Schlemmerrunde am Schlagbaum: Die Schmugglerroute soll den Tourismus in der Region voranbringen. Das erhoffen sich die Verantwortlichen der beteiligten Gemeinden ebenso wie die Gastronomen, die die kulinarische Fahrradtour ins Leben gerufen Foto: Stefan Herrmann

Wassenberg-Effeld. „Führen Sie Schmuggelware mit sich?”, hat Birgit Wilms-Regen am Donnerstag jeden Neuankömmling am Schlagbaum zwischen Deutschland und Holland, wenige hundert Meter vom Effelder Waldsee entfernt, gefragt.

Hier, wo früher Kaffee und andere „heiße” Ware auf kreativsten Wegen über die grüne Grenze gekarrt wurden, standen am Donnerstag Verantwortliche der Gemeinden Wassenberg, Wegberg, Roermond und Roerdalen zusammen und prosteten sich mit Sekt zu.

Dazu hatten sie auch allen Grund: Die gemeinsam gepflegte Nationalparkregion MeinWeg ist um eine Attraktion reicher. Seit Donnerstag sind Gäste aus Nah und Fern dazu eingeladen, per Fahrrad die deutsch-niederländische Schmugglerroute zu entdecken.

55 Kilometer lang

Auf einem 55 Kilometer langen Rundkurs können insgesamt acht Gastronomiebetriebe angefahren werden. Der Clou: Gäste kaufen einen Gutschein, nehmen die Vorspeise im ersten, den Hauptgang im zweiten und den Nachtisch im dritten Restaurant zu sich - ganz nach Wahl. Drei Treffen hat es gebraucht, gibt Mit-Initiatorin Wilms-Regen zu, „dann hat es richtig gejuckt.”

Wilms-Regen fing Feuer, wie auch ihre Partner. Neben ihrem Betrieb, dem Hotel Haus Wilms aus Effeld sind auch das Landgoed Kasteel Daelenbroeck, das Restaurant St. Andrews, das Café-Restaurant Rijstal Venhof (alle Herkenbosch), das Restaurant De Meinweg Boshotel (Vlodrop), die Tüschenbroicher Mühle, die Burg Wassenberg und die Dalheimer Mühle teil.

Die Tourismusregion wird mit Interreg-Fördermittel der EU unterstützt. „Hier steckt ein Riesenpotenzial drin”, findet nicht nur Wassenbergs Bürgermeister Manfred Winkens. Mit Roerdalen hat seine Stadt ein Tourismuskonzept erstellt. In der gesamten Region Maas-Schwalm-Nette können laut Expertenschätzungen durch einen optimal vernetzten Tourismus innerhalb von zehn Jahren 17 000 neue Jobs entstehen. Vom Imagegewinn ganz zu schweigen.

Und so greift man gerne auch die eigene, nicht ganz gesetzestreue Vergangenheit im Grenzgebiet auf. Birgit Wilms-Regen und Mit-Organisatorin Silke Weich vom Naturpark Maas-Schwalm-Nette begrüßten die Gäste am Premierentag der Schmugglerroute daher standesgemäß in einer Zöllner-Kluft.

Das Ziel der Initiatoren ist es nämlich, neben dem touristischen und kulinarischen Aspekt die Gäste auch mit Anekdoten und Geschichten über die rege Schmuggelei in der Grenzregion anzulocken. „Das Thema gehört hier einfach dazu”, schmunzelt Wilms-Regen, „meine Oma sagte früher immer zu meinem Vater: Jupp, erst wird geschmuggelt, danach gehts in die Kirche zum Beichten.”

Das komplette Angebot ist zweisprachig in niederländisch und deutsch aufgezogen. Die Route soll bald auch mit GPS-Unterstützung abgeradelt werden können. Entsprechende Geräte können dann vor Ort ausgeliehen werden. Schon jetzt liegen Tourkarten in den teilnehmenden Betrieben aus - und spannendes wie amüsantes Schmuggler-Seemannsgarn bekommt der Radwanderer natürlich auch kredenzt.

„Vermutlich im Sommer ist die Homepage fertig, auf der die Karten dann zum Download zur Verfügung gestellt werden”, verspricht Weich. In die Pedale kann man aber auch jetzt schon treten Eine Eintagsfliege soll das Ganze nicht sein. „Wir planen die Schmugglerroute als dauerhaftes Projekt”, sagt Wilms-Regen.

Gerade einmal zwei Monate hat es vom endgültigen Beschluss, eine entsprechende Route anzubieten, bis zum offiziellen Startschuss gedauert. Ein ähnlich flottes Tempo wünschen sich Manfred Winkens und seine Amtskollegen bei weiteren Projekten. Dem Wassenberger Bürgermeister schwirren schon weitere Ideen durch den Kopf. So soll in Zusammenarbeit mit Roerdalen ausgelotet werden, ob durchgängige Kanu- und Paddeltouren von Wassenberg bis zur niederländischen Gemeinde möglich sind.

Bisher enden entsprechende Angebote in Orsbeck. Weitere Gruppen beleuchten Bereiche wie Routen und Strukturen, Wirtschaft oder auch Kultur. Für rund 50.000 Euro haben Wassenberg und Roerdalen das gemeinsame Tourismuskonzept erstellen lassen. Mit den beiden MeinWeg-Partnern Roermond und Wegberg ist nun ein wichtiger Schritt getan. Weitere sollen folgen. Auf und abseits altbekannter Schmugglerpfade.
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