Geilenkirchen - Medizin-Forum: „Bewegung ist Leben. Legen Sie los!“

Medizin-Forum: „Bewegung ist Leben. Legen Sie los!“

Von: Udo Stüßer
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Manche Gäste in der Aula des St.-Ursula-Gymnasiums, wie hier Heinz Robertz im Gespräch mit unserem Redakteur Thorsten Pracht, konnten aus ihrem sportlichen Leben berichten. Andere hatten Fragen auf dem Herzen.

Geilenkirchen. „Bewegung ist Leben. Egal wie alt Sie sind. Egal wie Sie sich fühlen oder sich anfühlen. Legen Sie los“, forderte Dr. Achim Dohmen, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, die Besucher des Medizin-Forums in der Aula des Geilenkirchener St.-Ursula-Gymnasiums auf.

Gehören Sie zu den Couch-Potatoes? Ist das Sofa am Abend Ihr Lieblingsaufenthaltsort? Vielleicht noch eine Tüte Chips in Reichweite? Ändern Sie Ihr Leben! Raus aus dem Sessel, rein in die Sportschuhe.

„Sport im Alter“ war diese Veranstaltung, moderiert von unserem Redakteur Thorsten Pracht, überschrieben. Die Besucher erhielten nicht nur jede Menge medizinische Informationen aus erster Hand und gute Ratschläge: Sie hatten auch viel Spaß. Geschickt und mit einer großen Portion Humor warfen sich die Referenten immer wieder die Bälle zu, so dass es ein unterhaltsamer Abend wurde.

„Was ist überhaupt Sport?“, fragte eingangs der in Geilenkirchen niedergelassene Internist und Sportmediziner Dr. Horst Gillessen mit Blick auf Leistungs-, Profi-, Behinderten- und Breitensport sowie Selbsthilfegruppen und Sitzgymnastik und gab gleich die Antwort: „Bewegung! Sport ist Bewegung zur Körperertüchtigung.“ Denn beim Sport werde die Ausdauer verbessert, die Muskulatur erhalten und aufgebaut und die Beweglichkeit verbessert.

Keiner der Besucher unseres Forums war 40 Jahre oder jünger, die meisten hatten bereits die 60 überschritten. „Aber was ist denn Alter?“, ließ der Internist seine Zuhörer rätseln. „Gemeint ist die zweite Lebenshälfte, die Generation 40plus.“

Gillessen hielt, wie auch seine nachfolgenden Redner, ein Plädoyer für sportliche Betätigung. Schließlich reduziert Bewegung die Wahrscheinlichkeit an Krebs zu erkranken, senkt den Blutdruck, hilft bei der Blutzuckereinstellung, verbessert die Lebensqualität bei allen chronischen Erkrankungen und hilft auch bei psychischen Erkrankungen.

Zeitmangel keine Ausrede

Eifriges Nicken war bei so manchem Zuhörer festzustellen, als Gillessen betonte, wie gesund der Sport für den Menschen sei. Zu ihnen gehörten der 77-jährige Triathlet Heinz Robertz, dessen sportliche Laufbahn 13 Ironman krönen, und der 76-jährige Läufer Heinz-Josef Menke, der unter anderem an 30 Marathonläufen und an 35 ATG-Winterläufen teilgenommen hat. Auch heute läuft er noch dreimal in der Woche. Robertz meinte allerdings scherzhaft: „Triathlon ist ein asozialer Sport. Man verliert seine Freunde, und eine Ehe kann in die Brüche gehen.“

Für das sportliche Engagement der beiden Senioren fand anschließend Dr. Achim Dohmen lobende Worte: „Durch Bewegung können Sie viel erreichen. Sogar nach einem Herzinfarkt kann man mit Sport sein biologisches Alter zurückdrehen.“ Entscheidend sei der Spaßfaktor, meinte er und erinnerte an die Menschen, die am frühen Morgen mit Walking-Stöcken und verkrampften Gesichtern durch die Lande ziehen, nur weil der Arzt das verordnet habe.

Doch was ist der richtige Sport: „Geeignet ist alles, was Spaß macht“ , meinte der Chefarzt. „Gehen Sie da hin, wo Leute sind“, machte er auf den geselligen Faktor der sportlichen Betätigung aufmerksam. „Den Speck kriegen wir weg“, machte er den Menschen mit Übergewicht Mut. Und wie? „Die Alltagsbelastung steigern, das ist der Weg zum Sport.“ Und an dem milden Frühlingsabend forderte er die Besucher auf: „Fangen Sie direkt heute Abend an. Spazieren Sie nach dem Forum durch Geilenkirchen.“

Zeitmangel als Ausrede lässt der Chirurg nicht gelten. „Zweimal in der Woche schafft jeder, und das bringt schon Trainingseffekte.“ Und die Intensität? „Es sollte schon anstrengend sein.“ Wieviel man sich zutrauen könne, das solle aber jeder Anfänger mit seinem Hausarzt abklären. „Und hören Sie selbst auf ihre Knie, Hüften und Rücken.“ 90 Prozent der Rückenschmerzen würden durch Sport zwar nicht weggehen, besserten sich aber so, dass diese Personen nicht als Patienten in seine Klinik müssten.

Dohmen hat ein Faible für Tennis und Golf. Besonders für Golf, weil man stundenlang in Bewegung ist. Überhaupt ist das Wandern gut. Dass Reiter gefährlicher leben als Motorradfahrer, war den meisten Zuhörern sicherlich nicht bewusst. „Für ein Motorrad gibt es eine Gebrauchsanweisung, für das Pferd nicht“, hatte er die Lacher auf seiner Seite.

Dass Schwimmen ganz und gar nicht so gesund für den Rücken ist, wie man im Volksmund oft sagt, bestätigten auch die anderen Redner. Und natürlich den abschließenden Ratschlag: „Hören Sie auf zu rauchen. Rauchen ist ungesund, teuer und macht Falten. Normalisieren Sie Ihr Gewicht und kontrollieren Sie Ihren Blutdruck.“

Steigerung der Kraft

Der in Übach-Palenberg niedergelassene Orthopäde und Unfallchirurg Dr. Marcus Wainwright ist ein Fan von Krafttraining: „Das ist nicht eine Sache des aufstrebenden Muskelprotzes, Krafttraining ist Trainingstherapie und in jedem Alter möglich“, erklärte er. Und: „Krafttraining ist das effektivste Konjunkturprogramm für den Körper.“ Die sicherste Art von Muskelaufbau sei das Training an Geräten.

Die Knochen würden fester, die Gelenke beweglicher und stabiler. Bei Osteoporose und Arthrose würden Ausprägung und Symptome durch Krafttraining reduziert. Dass man nie zu alt sei, zeige das Beispiel des ehemaligen Zahnarztes Dr. Charles Eugster, der mit 85 Jahren mit Krafttraining begonnen habe und mit 89 Jahren Weltmeister im Fitness geworden sei. „Der Spaß kommt mit dem Erfolg“, sagte Wainwright.

Doch was soll der Mensch trainieren? Auf diese Frage fand die Physiotherapeutin Katja Kucharek, Mitarbeiterin in der Geilenkirchener Praxis Olislagers, eine Antwort: „Kraft, Beweglichkeit, Ausdauer, Schnelligkeit und Koordination.“ Weiter erklärte sie: „Wo starke Muskeln sind, sind auch starke Knochen.“

Verletzungen vermeiden

Durch regelmäßiges Training sei eine Steigerung der Muskelkraft bis 100 Prozent möglich, die Muskelausdauer könne sogar um 200 Prozent gesteigert werden. Durch das Training der Beweglichkeit könnten Verletzungen vermieden und der Verschleiß verlangsamt werden. Ausdauertraining erhalte und steigere die Leistungsfähigkeit.

„Alterbedingte Erscheinungen verlangsamen sich. Je früher Sie anfangen, desto besser.“ Als Physiotherapeuten könne sie den Menschen eine Anleitung zum gesunden Leben mitgeben. „Aber ich kann in den wenigen Stunden keinen Menschen verändern, der 60 Jahre lang mit seinem Körper Raubbau betrieben hat. Ich muss meinen Patienten auch ein paar Hausaufgaben aufgeben.“ Deshalb putzt sich jetzt so mancher ehemalige Patient auf einem Bein stehend die Zähne. Der Gleichgewichtssinn gibt das wieder her.

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