Medikationspass sorgt für guten Überblick

Von: Anna Petra Thomas
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So sieht der neue Medikationspass im gefalteten Format aus. Zweimal aufgefaltet, bietet er reichlich Platz für die Dokumentation zu allen Präparaten, die ein Patient einnimmt. Foto: Anna Petra Thomas
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Über die neuen Medikationspässe freuen sich: Marion Peters, Inge Döring, Karl-Heinz Feldhoff, Susanna Steiner van der Kruk, Ernst Lennartz, Volker Kratz und Holger Kellers (v. l. n. r.). Foto: Anna Petra Thomas

Kreis Heinsberg. Zunächst waren es vor etwa zwei Jahren die Fäden aus zwei Informationssträngen, die im Kreisgesundheitsamt miteinander verknüpft wurden: Die Landesgesundheitskonferenz Nordrhein-Westfalen widmete sich dem Thema „Arzneimitteltherapiesicherheit“.

Und im Zweckverband Region Aachen wurde zu genau diesem Stichwort eine Vernetzung der beteiligten Akteure unter dem Titel „Learning Community“ vorgestellt. Grund genug für Dr. Karl-Heinz Feldhoff, den Leiter des Kreisgesundheitsamtes in Heinsberg, eine solche „Lerngemeinschaft“ auch im Kreis Heinsberg zu initiieren. So trafen sich erstmals im September 2013 unterschiedliche Vertreter aus Gesundheitswesen und Forschung im Kreisgesundheitsamt. Schnell kristallisierte sich als Arbeitsschwerpunkt in Verbindung mit der Forderung nach mehr Sicherheit bei der Therapie mit Arzneimitteln die Demenz im Alter heraus.

Neben- und Wechselwirkungen

Parallel zum demografischen Wandel nehme die Tendenz zu, in der eigenen Wohnung alt werden zu wollen, erklärt Feldhoff. Weiter würden bei älteren Menschen häufig mehrere Erkrankungen zugleich auftreten. Verschiedene Medikamente könnten aber Neben- und Wechselwirkungen haben. Schon allein Johanniskraut, überall frei verkäuflich, könne Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben, ergänzt Inge Döring, Amtsapothekerin im Kreisgesundheitsamt. Schließlich wirke sich die Erkrankung Demenz einschränkend auf die kognitiven Fähigkeiten der Betroffenen aus. „Die Koordination, Abstimmung und Kooperation bei der Erstellung und Anpassung von Arzneimitteltherapien und Medikationsplänen wird folglich äußerst wichtig“, befand die „Learning Community“ für sich als Arbeitsauftrag.

Änderungen in der Medikation

Um die Situation von älteren, an Demenz erkrankten Menschen zu dokumentieren, wurden zunächst Gäste in der Tagespflege der Alten- und Pflegeheime St. Josef sowie deren Angehörige befragt. Als wesentliche Schwachstelle stellte sich dabei der Informationsfluss bei Änderungen in der Medikation ­heraus, sei es im Zusammenhang mit der Verordnung von Medikamenten oder beim Umgang des Patienten damit. „Dies betrifft sowohl die Beziehung zwischen Angehörigen und Pflegenden als auch die Beziehung zwischen Ärzten, Apothekern und Angehörigen“, so Feldhoff.

In der „Learning Community“ entstand die Idee eines sogenannten Medikationspasses, um die Übermittlung von Informationen zur Medikation zu verbessern und die Kommunikation über die Therapie mit Arzneimitteln anzuregen. In Kooperation mit dem Institut für Wirtschaftsinformatik der Rheinisch-Westfälischen Tech­nischen Hochschule (RWTH) ­Aachen nahm der Pass Formen an, der schließlich von einer Heinsberger Agentur sein endgültiges Design erhielt. Herausgeber ist jetzt die Gesundheitskonferenz des Kreises Heinsberg in Zusammenarbeit mit dem Institut für Wirtschaftsinformatik.

Einfach gestaltet, aus festem weißen Karton quasi im Scheckkartenformat, enthält der Pass auf der Vorderseite die wesentlichen Kontaktdaten des Patienten, auf der Rückseite die Namen und Telefonnummern von Angehörigen und Ärzten, die so im Notfall schnell kontaktiert werden können. Einmal aufgefaltet, bietet er die Möglichkeit, Mitteilungen zu notieren. Noch einmal vergrößert auf das Format DIN A5, sorgt der Pass für einen guten Überblick: Da können die einzelnen Medikamente aufgelistet werden, dazu die Dosierung – morgens, mittags, abends und nachts. Hinzu kommt jeweils ein Feld für Kommentare. „Auf diese Weise haben alle Beteiligten, inklusive dem Patienten, die Möglichkeit, Besonderheiten oder wichtige Informationen zu bestimmten Medikamenten handschriftlich hinzuzufügen“, so Feldhoff. Dazu zählen natürlich auch diejenigen, die sie selbst im Drogeriemarkt gekauft haben. Ärzte könnten dieses Formular aber auch gleich mit allen notwendigen Informationen bedrucken, so das Lob von Ernst Lennartz, Vorsitzender der Kreisstelle Heinsberg in der Ärztekammer Nordrhein.

Auf freiwilliger Basis

Vor allem jedoch solle der Medikationspass kein Kontrollinstrument sein, betont Susanna Steiner van der Kruk von der RWTH. Genutzt werden solle er auf freiwilliger Basis, die Kommunikation aller an der Therapie mit Arzneimitteln fördern, regelrecht „herauskitzeln“ zum Wohle der Patienten, erklärt sie. Wie wichtig diese umfassende Kommunikation sein kann, verdeutlicht Feldhoff an Zahlen: Aktuell seien zwischen 20 und 25 Prozent der Krankenhausaufenthalte älterer Menschen auf die ­Interaktion von Medikamenten zurückzuführen.

Seit November sind die ersten zehn Pässe für ein halbes Jahr in Wegberg im Test. Beteiligt sind jeweils fünf Patienten in der Tagespflege der Alten- und Pflegeheim St. Josef und in der ambulanten Pflege der Caritas-Pflegestation. Um dem Medikationspass bei einem Erfolg dieses Tests, der sich schon jetzt abzeichnet, eine weite Verbreitung zu ermöglichen, hofft das Kreisgesundheitsamt auf Fördermittel. Geplant ist auch eine Ausdehnung der Kooperation auf Beteiligte im Gesundheitswesen in Belgien und den Niederlanden.

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