Erkelenz - Marienleuchter wird in 18 Wochen wieder strahlen

Marienleuchter wird in 18 Wochen wieder strahlen

Von: Bodo Strickstrock
Letzte Aktualisierung:
erk-marienfo
Kunstinspektor Matthias Szarata (links) und Denkmalpfleger Martin Hammer sind von den künstlerischen Finessen des Marienleuchters begeistert. Foto: Sommer

Erkelenz. Viel Sachverstand hatte sich in der Pfarrkirche St. Lambertus in Erkelenz versammelt. Zum letzten Mal vor dem Abtransport konnte der Marienleuchter von 1517 in vollständigem Zustand betrachtet werden.

Die Diplomrestauratoren Susanne Conrad und Martin Hammar vom Amt für Denkmalspflege beim Landschaftsverband Rheinland und die freiberuflich arbeitende Restauratorin Carmen Seuffert aus Köln hatten bereits tatkräftige Vorarbeit geleistet und Markierungen sowie Klebestreifen angebracht, die das Abfallen oder Wegbrechen der Farbauflagen am Leuchter verhindern sollen. Dadurch waren die festgestellten Beschädigungen unübersehbar gemacht worden. Auch die Spezialtransportfirma Hasenkamp war beauftragt worden und fuhr mit einem Lastwagen an der Kirchenseite vor.

Die Demontage des Kunstwerkes dauerte etwa drei Stunden. Dabei zeigte sich auch die bei der Schaffung des Hängeleuchters angewandte Kunstfertigkeit des Zusammenbaus in vollem Umfang. Die beiden Madonnenfiguren, zwischen dem Strahlenkranz im oberen Teil des Leuchters, mussten zunächst nach oben geschoben und entfernt werden. Die Arme der Leuchter waren einzeln in der unteren Traubenkugel befestigt, und auch die Personendarstellungen im unteren Teil waren alle einzeln abnehmbar. Jedes Teil wurde sorgfältig nummeriert, beschriftet und dann einzeln verpackt.

Die Restauratorin, die zusammen mit einem Kollegen die Arbeiten durchführen wird, erklärte, dass sie Wattestäbchen verwenden wird, um an alle noch so kleinen und verdeckten Stellen der filigranen Schnörkel zu gelangen. Zuvor muss sie in zahlreichen Proben versuchen, welches Reinigungsmittel für die unterschiedlichen Teile am besten geeignet ist. Das alles dürfte sehr zeitaufwändig sein. Trotzdem wurden von den beteiligten Restauratoren nur 18 Wochen vorgesehen. Pfingsten 2010 soll das Kunstwerk strahlend wieder nach Erkelenz zurückkehren.

Farblich nicht mehr im Original

Die Reinigungs- und Reparaturarbeiten haben aber noch einen weiteren Zweck. Der Leuchter ist farblich längst nicht mehr im Originalzustand. Unter der augenblicklichen Schicht befindet sich Farbe aus dem 19. Jahrhundert und sogar noch die aus dem Mittelalter. An einer Stelle ist das Ursprungsblau des Madonnenmantels sogar zu erkennen. Nach Aussagen der Fachkräfte des Landschaftsverbandes waren die Figuren ursprünglich sehr viel farbenprächtiger gestaltet.

Weiterhin soll untersucht werden, ob der Originalzustand wieder hergestellt werden kann. Mindestens aber soll der Goldglanz wieder zu Tage treten. Er wird zum Teil durch Verschmutzung verdeckt und blättert ab.

Der Küster von St. Lambertus hatte am Tag des Abtransportes Schwerstarbeit zu leisten. Der Leuchter war für die Vorarbeiten der Restauratoren schon herunter gelassen worden. Weil ein Fernsehteam aber das Herablassen auch filmen wollte, musste der Leuchter erst wieder ein Stück hochgekurbelt werden.

Unausgesprochen erhielt auch der verstorbene Redaktionsleiter der Heinsberger Zeitung, Edwin Pinzek, für seine präzise Beschreibung und die exzellenten Recherchen zu den bedeutenden Bau- und Kunstdenkmälern der Stadt ein Lob. Die Diplomrestauratoren gaben nämlich just aus dieser Ausarbeitung den anwesenden Journalisten und interessierten Kirchenbesuchern nähere Auskünfte.

Jetzt bleibt nur die Hoffnung, dass nach den ersten genaueren Untersuchungen nicht noch weitere Schäden festgestellt werden, die dann Kosten- und Arbeitsplan durcheinander bringen würden. Sicherlich wird die Rückkehr eines der bedeutendsten Kunstschätze der Region demnächst besonders festlich begangen werden.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert