Man betritt eine Botschaft und ist schon im Ausland

Von: defi
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Die Künstlerin Anja Nitz präsentiert beim Kunstverein Region Heinsberg Fotografien aus der Serie „Inszenation“ unter dem Ausstellungstitel „Ex Situ“. Das Foto zeigt die Künstlerin vor ihrem Bild „Gobelin“. Foto: defi

Kreis Heinsberg. „Mit Menschen hat sie es wohl nicht so“, meinte ein Kunstfreund und suchte dennoch weiter nach einem Pendant seiner selbst in den Fotografien von Anja Nitz. Die Berliner Künstlerin zeigt zurzeit Arbeiten aus der Serie „Inszenation“ in der Ausstellung „Ex Situ“ beim Kunstverein Region Heinsberg.

„Ex Situ“ heißt aus dem Lateinischen übersetzt soviel wie „außerhalb der Lage, des Ortes“. Anja Nitz hat Innenaufnahmen von Botschaften, Landesvertretungen und den Vereinten Nation erstellt, also von Orten, mit denen sich Institutionen außerhalb ihres eigentlichen Geltungsbereichs darstellen.

Anja Nitz, 1971 in Hamburg geboren, Studium der Geschichte und des Kommunikationsdesign, verzichtete bei diesen Aufnahmen auf die Darstellung der dort wirkenden Menschen, beschränkte sich ganz auf die Einrichtung der Räume. Nitz: „Man betritt eine Botschaft und ist schon im Ausland.“ Die Einrichter dieser Räume, erläuterte Nitz, hätten sich sehr genau überlegt und viel Geld investiert, um eine bestimmte Wirkung mit der Gestaltung ihrer Präsentationsräume zu erzielen.

Im Durchschnitt vier bis fünf Stunden hatte Anja Nitz vor Ort Zeit, um diese Wirkung in ihren Fotografien einzufangen. Ihre Fotografie ist bis auf wenige Ausnahmen sehr neutral, dokumentarisch; ein Blick auf die Welt, wie man ihn vielleicht von den Becher-Schülern kennen wird. Drei Monate hatte Anja Nitz an der Genehmigung für ihr Fotoshooting bei den Vereinten Nationen in New York gearbeitet, eine Empfehlung der deutschen Botschaft öffnete schließlich die Tür. Zu sehen ist ein breites, weißes Designer-Ledersofa und ein Teppich an der Wand dahinter, Titel des Bildes: „Perserteppich“.

„Gobelin“ ist ein Bild aus der deutschen Botschaft in London betitelt. Im Vordergrund auf einem Tisch ist ein Strauß gelber Narzissen im Topf zu sehen, im Hintergrund auf einem Marmorsockel eine Büste, an der Wand der Gobelin mit einer mittelalterlichen Jagdgesellschaft. Der Raum erinnert ein wenig an Sanssouci.

„Kremlglas“ heißt ein weiteres Bild. Es zeigt die Botschaft der Russischen Föderation in Berlin. Vor einem üppig bunten Glasfenster steht ein Flügel, darauf ein Schild: „Liebe Gäste, wir bitten Sie, das Geschirr nicht aufs Klavier aufzustellen.“ Es sind diese kleinen Details, die diese scheinbar leblosen Szenarien dann doch zum Reden bringen.

Und selbst der Kunstfreund, der den Menschen vermisst, wird nicht enttäuscht. Den Raum im ersten Stock des Kunstvereins hat Anja Nix einem Séparée der Botschaft der Russischen Föderation gewidmet. Der ornamental sehr anspruchsvoll tapezierte, kleine Raum lässt auf ein gegenüberliegendes Gebäude blicken, in dessen Fenster ein Paar zu sehen ist.

Der Mann raucht, die Frau trägt eine weiße Schürze, und man fragt sich, ob es sich wohl um Botschaftspersonal handeln mag. Die dritte Person ist die Fotografin selber bei der Arbeit. Sie spiegelt sich im Rahmenglas eines Fotos, das in der Bremer Landesvertretung in Berlin hängt. Das Foto zeigt Anja Nitz, einen Seenotrettungskreuzer und ein sich ebenfalls spiegelndes Fenster.

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