Lust an der Bewegung und Lust an der Sprache

Von: hewi
Letzte Aktualisierung:
6668527.jpg
„Bewegte Sprache“ war ihr Thema: Prof. Dr. Renate Zimmer wurde vom Vorsitzenden des Kreissportbundes Heinsberg, Ronnie Goertz, zu dem Vortrag in Doveren willkommen geheißen. Foto: Koenigs

Kreis Heinsberg. Renate Zimmer plädiert dafür, Kindern im Vorschulalter den Spracherwerb und die daraus resultierende Bildung durch Bewegung zu erleichtern. Die Professorin am Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft an der Universität Osnabrück war auf Einladung des Kreissportbundes Heinsberg ins Dorfgemeinschaftshaus von Hückel­ho­ven-­Doveren gekommen, um vor Erziehern unter dem Titel „Wie Sprache entsteht – Was Sprache bewegt: Bewegte Sprache“ über ihre Forschung zu referieren.

Der Vorsitzende des Kreissportbundes (KSB), Ronnie Goertz, betonte zu Beginn der Veranstaltung, dass die Bewegungsförderung ein erklärtes Ziel des KSB sei. Deshalb habe man auch gemeinsam mit dem Starke-Kids-Netzwerk der AOK zu diesem Vortrag eingeladen. Der KSB engagier sich im Rahmen des Landesprogramms „NRW bewegt seine Kinder“ und wolle durch den Vortrag Zimmers neue Denkanstöße vermitteln, betonte Goertz.

Herbert Löscher, Regionaldirektor der AOK, verwies auf die Initiative „Starke Kids“, die ebenfalls für eine Verknüpfung der „natürlichen Lust an Bewegung“ mit dem Erwerb von Sprache werbe. Die Sprache wiederum sei die Basis des späteren Erwerbs von Bildung und damit Voraussetzung für eine positive Entwicklung des Kindes.

Bericht aus der Praxis

„Man schickt nur den Kopf zur Schule, aber das ganze Kind kommt“, erklärte Renate Zimmer und forderte eine Bündelung der Kräfte und des Strebens der Kinder. „Die Lust an der Bewegung ist ­automatisch vorhanden bei Kindern“, erläuterte sie. Bildung müsse man hingegen bewusst wollen. Der Körper sei bei den Kindern Ausgangspunkt für die Aneignung der Welt, was ebenfalls für den Spracherwerb gelte. Aus ihrer Praxis berichtete sie von Spielsituationen, in denen die Kinder ihr Tun zu beschreiben hatten.

Dabei waren sie zu neuen kreativen sprachlichen Leistungen fähig, da sie sich sowohl praktisch als auch kognitiv gefordert fühlten und ihre Energie auch in den sprachlich-kreativen Bereich umleiten konnten. Dies sei ein Bereich, wo die psychosomatische Bewegungsforschung ansetze. Auf die Erzieher in den Kindertagesstätten kämen dabei neue Aufgaben und Handlungsmuster zu.

Die Kindergärten bezeichnete sie als „die ersten Bildungseinrichtungen“, in denen schon die Weichen für die spätere Bildung gelegt würden. „Man muss sagen, was man macht, damit man es versteht“, lautete einer der Grundsätze, mit denen sie ihr Konzept verdeutlichte, das sie Ende der 70er-Jahre selbst entwickelt hat. Zu Beginn ihrer Forschung sei sie belächelt worden, da es sich ja „nur“ um Kindergartenkinder handelte. Mittlerweile hätten sich die Erkenntnisse durchgesetzt, dass Bewegung und Spracherwerb eng verzahnt seien.

Das Konzept der Sprachbildung geht von der Körperlichkeit des Kindes aus und setzt daher nicht bei den Defiziten, sondern bei den Ressourcen an. Dabei werden die schöpferischen Potenziale des Kindes genutzt und die Lust an der Bewegung mit der Lust an der Sprache verknüpft. Im Rahmen ihres Vortrages stellte Zimmer auch aktuelle Projekte zu einer bewegungsorientierten Sprachbildung und -förderung vor.

Nach dem Vortrag fanden sich Zimmer und Goertz zu einer Talkrunde ein, in der sie sich mit Ulla Sevenich-Mattar von der AWO, Birgit Roye, Leiterin der Geilenkirchener Kindertagesstätte Triangel, und Dr. Khaled-Jürgen Abou Lebdi, Sprecher der Kinderärzte im Kreis Heinsberg, über praktische Fragen des Spracherwerbs durch Bewegung austauschten.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert