„Lookalikes“: Kunstverein präsentiert Malerei von Svenja Maaß

Von: defi
Letzte Aktualisierung:
8931919.jpg
„Du wässerst meine Kresse“: So heißt das Bild der Malerin Svenja Maaß (l.), in deren Arbeit die Kunstsammlerin Ulla Lohmann (r.) bei der Vernissage zur aktuellen Ausstellung beim Kunstverein Region Heinsberg in Unterbruch einführte. Foto: defi

Kreis Heinsberg. Die fotorealistische Darstellung sei Geschichte . Und auch das „Schwarze Quadrat“ sei schon gemalt worden. Pinsel, Farbe und Leinwand könnten also endgültig der Vergangenheit angehören, eingepackt in den Instrumentenkoffer einer vormedialen Zeit, erläuterte Ulla Lohmann, Biologin, Kunstsammlerin und Kennerin der Arbeiten der Malerin Svenja Maaß.

Svenja Maaß malt Tiere tatsächlich so, dass man sie erkennt, und sie malt ganz selten mal Menschen, noch seltener Tiere und Menschen zusammen, wie auf dem kleinformatigen Bild „Rechtshänder“, auf dem ein Schaf zu sehen ist, dessen hinteres rechtes Bein die Hand eines Menschen ist. Ulla Lohmann, die wie die Künstlerin aus Hamburg zum Horster Hof in Unterbruch gereist war, kennt diese „Randlage“ bestens, wuchs sie doch im Wittrock – eine Feldflur entfernt vom Horster Hof – auf.

Zusammen mit ihrem Mann hat Ulla Lohmann, die es bereits vor 40 Jahren nach Hamburg verschlug, eine Kunstsammlung aufgebaut, deren Augenmerk sich auf Kunst richtet, die sich mit der Natur auseinandersetzt. Die Arbeiten von Svenja Maaß, 1977 in Bielefeld geboren, Studium der Freien Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig, sind geradezu prädestiniert für die Sammlung Lohmann, auch wenn die Biologin – und nicht nur sie – einen naturwissenschaftlichen Ansatz bei Svenja Maaß nicht findet. Lohmann über Maaß: „Ihre Bilder können durchaus als gegenständlich bezeichnet werden, aber sie sind dennoch keineswegs Abbild.“ Die Malerin überrascht nicht nur den Betrachter ihrer Bilder, sondern gerne auch sich selber beim Malen.

„Du wässerst meine Kresse“ ist ein großformatiges Bild (Öl auf Nessel, 1,90 mal 2,70 Meter) auf das Ulla Lohmann bei der sehr gut besuchten Vernissage besonders einging. Schon der Bildtitel, so Lohmann, konterkariere eine gewisse Richtung, die der Betrachter anhand der Bildinhalte deuten mag. Lohmann: „Aus einem optischen Irrgarten wird der Betrachter über eine zweite, verbale Ebene dann noch in ein sprachliches Labyrinth geführt.“ „Du wässerst meine Kresse“ ist wirklich „starker Tobak“, weder Kresse ist auf dem Bild zu entdecken noch ein Gärtner mit Gießkanne. Maaß, die nicht nur ihre Freude daran hat, sich selber beim Malen zu überraschen, scheint auch Freude an feiner Ironie zu haben. Statt den Betrachter auf die Spur der „Kresse“ und zu diesem „Du“ zu führen, erklärt die Künstlerin lieber, was man auf dem Bild kaum noch sieht, nämlich einen großen Moschusochsen.

Der Ochse ist während des Malprozesses leise in den Hintergrund des Bildes getreten. Dunkle Blautöne lassen seine Umrisse noch erahnen. Der Moschusochse hat das Bildfeld geräumt zugunsten eines Kängurus und eines Walrosses – wunderschön gemalt. Svenja Maaß kann malen, ganz fein sogar mit wenigen Pinselhaaren, wie auch die zur Ausstellung erschienene Edition beweist. „Ich erzähle Geschichten“, sagt Svenja Maaß, „nie ganz zu Ende.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert