Gangelt - Lockangebot für Störche im Gangelter Bruch

Lockangebot für Störche im Gangelter Bruch

Von: Karl-Heinz Hamacher
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Eine Spezialkonstruktion des B
Eine Spezialkonstruktion des Breberener Landwirts Willi Rulands machte das Aufstellen der Körbe leicht. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt. Es ist eine Mischung aus Hoffnung, knapper werdendem Wohnraum und dem Setzen darauf, dass die so genannten Weststörche einmal beim Überflug den Blick auf einen der vier Masten mit Nisthilfen im Rodebachtal in dem Bereich zwischen Niederbusch, Gangelt, Mindergangelt und Selfkant werfen.

Bei der Nabu-Ortsgruppe ist man nun nach dem Aufbau der Masten gespannt, ob es gelingen wird, Störche zur Rast und zur Brut zu bewegen. Für den Nabu-Vorsitzenden Franz Oschmann war ein Zeitungsartikel, in dem es hieß, dass im Kreis Viersen nach rund 150 Jahren erstmals wieder eine erfolgreiche Weißstorchbrut gelungen war, ausschlaggebend für das Projekt in den Gemeinden Gangelt (drei Nisthilfen) und Selfkant (eine).

„Erste Planungen schlummerten lange in meinem Hinterkopf”, so Oschmann. Die Vorbereitungen begannen im Januar, und jetzt wurden die Nisthilfen aufgestellt. Fotos erhielt man in Gangelt von der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Viersen und anderen Fachleuten, die Wissen und Bilder zur Verfügung stellten. „Wir brauchten im Grunde also nur nachzubauen”, waren die Nabu-Handwerker dankbar für die Vorlagen.

Die vier Masten stammten von ehemaligen Überlandleitungen, und bei der Firma Stahlbau Trepels fand man wieder einmal ein offenes Ohr und große Hilfsbereitschaft, als es darum ging, für die unterschiedlichen Masten die passenden Körbe zu bauen.

Oft haben wir über die Arbeit des Nabu an den zahlreichen Kopfweiden im Rodebachtal berichtet. Nun kann eine Variante hinzugefügt werden, denn als Nestbaumaterial sind Weidenruten noch nicht eingesetzt worden.

In geselliger Runde, so ist es überliefert, wurden an mehreren Abenden die biegsamen Äste in die Körbe eingeflochten, und so das Teil-All-Inclusive-Angebot (Futter suchen müssen die Störche dann doch selber) vorbereitet.

Möglichst offen in der Landschaft und von Menschen ungestört, wurden die Aufstellplätze ausgewählt. Das Nahrungsangebot sollte im Bereich des Naturparks allgemein gut sein. Umfangreich war dann auch die Hilfe der Bauhofmitarbeiter, die unter anderem für die Erdarbeiten sorgten.

Dann war es soweit, und die Masten konnten aufgestellt werden. Hier hatte Beigeordneter Gerd Dahlmanns eine tolle Idee, die diese Arbeiten deutlich erleichterten. Landwirt Willi Rulands aus Breberen hat vor Jahren eine Vorrichtung gebaut, die das Aufstellen des Maibaums im Ort deutlich einfacher macht. Der und eine Handvoll Nabu-Helfer waren dabei, als die Masten aufgerichtet und festgeschraubt wurden.

Der Naturpark mit seinen weitläufigen wiedervernässten Bereichen und den Wiesen- und Feldbereichen sei prädestiniert für ein solches Projekt, ist sich Franz Oschmann sicher. Nabu-Recherchen haben zum Beispiel in dem Knorr-Standardwerk „Die Vögel des Kreises Heinsberg” ergeben, dass es wohl noch nie Weißstorchbruten in diesem Bereich gegeben hat. Allerdings ist da von Aufenthalten der Störche während der Zugzeiten für mehrere Tage die Rede.

„Wer nicht wagt, der nicht gewinnt”, sagt man sich aber beim Naturschutzbund und Franz Oschmann gibt sich „trotzdem optimistisch”. Er bemüht die Statistik: Gab es in 1993 nur drei Brutpaare in NRW, so wurden in 2010 schon 63 gemeldet. Entgegen dem Trend bei anderen Vogelarten ist also hier die Tendenz deutlich steigend.

Das führen die Experten auf die veränderten Klimaverhältnisse der Winter, und dadurch bedingt auf ein neues Zugverhalten der Störche zurück. „Immer öfter werden am Niederrhein im frühen Frühjahr Störche angetroffen, die erst gar nicht mehr weggeflogen sind gen Süden, weil man sie mit Hunde- und Katzenfutter durch den Winter bringt”, erläutert Franz Oschmann.

Es sei im Grunde immer nur eine Frage der Nahrung: „Die meisten Vögel würden nicht mehr wegziehen, wenn das Nahrungsangebot stimmte.” Mutig die Prognose des Nabu-Vorsitzenden: „Ich lehne mich weit aus dem Fenster, glaube aber, dass in fünf Jahre Störche hier sind!” Er setzt darauf, dass bei den Zügen Einzelexemplare „zufällig” im Rodebachtal Rast machen, um Nahrungsreserven für den Weiterflug aufzubauen. „Für mich stimmen die Voraussetzungen im Gangelter Bruch und seiner Umgebung”, so Oschmann. „Ich rate jedenfalls Frauen im gebärfähigen Alter den Nistplätzen nicht zu nahe zu kommen.”
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