Kreis Heinsberg - Literaturkurs: Eine moderne „Räubergeschichte“

Literaturkurs: Eine moderne „Räubergeschichte“

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Kreis Heinsberg. Eigentlich hatte der Literaturkurs des Beruflichen Gymnasiums (Schwerpunkt Erziehung und Soziales) vom Berufskolleg Ernährung – Sozialwesen – Technik des Kreises Heinsberg in Geilenkirchen unter der Leitung von Steffi Claßen schon andere literarische Projekte geplant, doch dann entstand im September 2012 die Zusammenarbeit mit der Theaterpädagogin Mira Loos des Stadttheaters Aachen zum Stück „Verrücktes Blut“.

Intensive Zusammenarbeit

Der Inhalt des ­Stückes begeisterte die Schülerinnen und Schüler sofort, und so begann eine intensive Zusammenarbeit, wobei der Literaturkurs als „Patenkurs“ das Entstehen des Stückes am Stadttheater phasenweise begleiten durfte. Ausgehend davon war bald klar, dass der Kurs dieses Stück unbedingt selber spielen wollte, berichtete das Berufskolleg zur Entstehung der Idee zu der nun bald anstehenden Aufführung vom Literaturkurs.

Zum Inhalt des Stückes

Die Lehrerin Sonia Kelich möchte mit einer Gruppe von Jugendlichen, beinahe alle mit Migrationshintergrund, im Rahmen des schulischen Theaterunterrichts Schillers „Die Räuber“ und „Kabale und Liebe“ spielen. Die Schülerinnen und Schüler zeigen überhaupt kein Interesse dafür, sondern sind viel mehr mit sich selbst beschäftigt. Es herrscht große Unruhe, jeder will der „Coolste“ sein und die anderen körperlich wie verbal übertrumpfen. Mit ihrer Stimme kommt die Lehrerin nicht gegen die derbe Jugendsprache an. Sie schafft es nicht, sich durchzusetzen, nur der starke Musa hat die Gruppe im Griff. Als bei einem Gerangel eine Pistole aus einem Rucksack fällt und Frau Kelich die Waffe an sich nimmt, ergreift sie die Gelegenheit und zwingt die Schülergruppe, sich mit Schillers Dramen zu beschäftigen …

Die besondere Faszination, die von diesem Stück ausgeht, rührt insbesondere aus der Verwendung einer energiegeladenen Jugendsprache. Fernab sprachlich-rhetorischer Traditionen des Theaters stellt die häufig vulgäre und respektlose Terminologie, gepaart mit dem verfremdenden Klang der sogenannten „Kanaksprak“, einen drastischen Gegensatz zur Sprache Schillers dar.

Dabei ist es interessant zu wissen, dass Schillers Stück „Die Räuber“ selbst – nicht zuletzt aufgrund der für die damalige Zeit skandalösen Sprache – bei der Uraufführung 1782 zu heftigen Reaktionen führte.

Das Stück „Verrücktes Blut“, geschrieben von dem türkischen ­Autor Nurkan Erpulat und dem Dramaturgen Jens Hillje, ist eine moderne „Räubergeschichte“. Entstanden nach einem Motiv aus dem französischen Film „La Journée de la Jupe“ (deutscher Titel: „Heute trage ich Rock“), gehörte es zu den besten deutschsprachigen Theaterproduktionen des Jahres 2011 und wird seither bundesweit erfolgreich gespielt.

Der Reiz des Stückes liegt in seiner Dynamik, es lebt von der Ironie und vom Aufeinandertreffen von Gegensätzen. Gleichzeitig konfrontiert es den Zuschauer mit seinem Blick auf Jugendliche mit Migrationshintergrund in der Gesellschaft und stimmt ihn am Ende nachdenklich – mit vielen offenen Fragen. Fragen, die vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Migrationsrealität gestellt werden müssen.

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