Literatur hat ein breites Forum

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Sie saßen diesmal auf der Quartett-Bühne (v.l.): Astrid Lowis-Auth, Christian Voßen, Maria Bäumer und Inge Koch-Wittmann, die Organisatorin der beliebten Talkrunde um und über Literatur. Foto: Koenigs

Erkelenz. „Im Fernsehen sterben die literarischen Formate aus, uns gibt es immer noch”, betonte Inge Koch-Wittmann zur Begrüßung bei der 15. Auflage des Literarischen Quartetts im Burgh-Keller des Cornelius-Burgh-Gymnasiums (CBG).

Eingeladen hatte sie den Zwölftklässler Christian Voßen, die Kollegin Astrid Lowis-Auth und Maria Bäumer, Mutter zweier Schüler am CBG.

Diesmal stand die literarische Talkrunde ganz im Zeichen der amerikanischen Literatur, denn „die Welt schaut seit Obama wieder nach Amerika”. Als erstes Buch stand „Empörung” von Philip Roth auf dem Programm. Der Roman des „jahrelangen Nobelpreisanwärters” war schon am Tag seiner deutschen Veröffentlichung vergriffen, wie Koch-Wittmann zu berichten wusste. Vorgestellt wurde es von Maria Bäumer.

Die Geschichte spielt in den USA der 50er-Jahre und wird von Marcus erzählt, einem jungen Collegestudenten, der aus dem Jenseits berichtet. Denn er ist tot. Der junge Mann berichtet von seinem Versuch, seinem allgegenwärtigen Vater zu entfliehen und mit den prüden Moralvorstellungen jener Zeit klarzukommen. Ebenfalls kritisch mit dem „american way of life” setzt sich Peter Cameron in seinem Buch „Du wirst schon noch sehen, wozu es gut ist” auseinander, dessen Geschichte im heutigen Amerika spielt. Auch er beschreibt einen jungen Mann, der zwischen allen Stühlen sitzt und nur eines will: auf keinen Fall so werden wie seine Eltern.

Voßen beschrieb ihn als jemanden, der Probleme mit der zwischenmenschlichen Kommunikation hat und es trotzdem dank seiner entwaffnenden Logik faustdick hinter den Ohren hat.

Von allen vier Talkern wurde jedoch „Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao” als die Empfehlung des Abends gehandelt. Den Autor Junot Diaz bezeichnete Koch-Wittmann respektvoll wegen seines Erzählstils und der Opulenz seines Themas und seines leicht sexistischen Sprachstils als „Garcia Marcez auf Speed”. Denn in seinem Buch, das eigentlich das Leben eines Einwandererjungen aus der Dominikanischen Republik erzählt, behandelt nebenbei nicht weniger als eine Familiensaga und gibt noch fundierte Einblicke in die Geschichte der Karibikinsel, wie auch Lowis-Auth erklärte.

Der kleine Oscar hat mit sieben Jahren schon alles, was einen karibischen Macho auszeichnet: ein gutes Aussehen und gleich zwei Freundinnen an der Hand. Damit bricht seine Welt aber auch schon zusammen, denn von da an bis zu seinem 23. Lebensjahr bleibt der ehemalige Kindergarten-Casanova Jungfrau und wird dazu auch noch ziemlich dick. Er entwickelt sich zu einem weltfremden Fantasyfreak, der zwar fließend elbisch spricht, aber bei den Frauen einfach nicht landen kann. Im Anschluss an die Vorstellung der drei Romane wurde ausgiebig mit dem Publikum diskutiert.
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