Liebesgrüße eines beredten Schweigers

Von: defi
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Das wichtigste bei einer Lesun
Das wichtigste bei einer Lesung ist, dass der Ton stimmt. Kultautor Wladimir Kaminer (l.) legte selber Hand an in der Buchhandlung von Reiner Gollenstede. Foto: defi

Heinsberg. Ein altes russisches Sprichwort besagt: „Willst du mehr über einen Mann erfahren, schau dir seine Schwiegermutter an”. Das trifft auch auf den russchischstämmigen Bestsellerautor Wladimir Kaminer zu. Spätestens seit seinem Buch „Russendisko” ist der Mann Kult. In der Buchhandlung Gollenstede in Heinsberg stellte er sein gerade erschienenes Werk „Liebesgrüße aus Deutschland” vor.

Für viele Kaminer-Fans war es ein beglückendes Wiedersehen mit dem eingebürgerten Russen, der von Berlin aus, seinen ganz speziellen Blick auf die Republik wirft. Buchhändler Reiner Gollenstede durfte sich auch beim „Comeback”, 2010 war Wladimir Kaminer das erste Mal bei Gollenstede zu Gast, über ein großes Publikumsinteresse freuen.

100 verkaufte Karten im Vorverkauf und dann noch mal knapp das gleiche Kontingent an dazu gerückten Stühlen - der Laden war voll und voll der Vorfreude auf einen, der ein wenig zu spät kam, die Einbahnstraßen in Heinsberg undsoweiter und doch vom ersten Moment an - okay ein kurzer Gang zur Toilette noch, und dann sofort voll und ganz für sein Publikum da war.

Mit deutschen Wurzeln

Der Kultautor mit jüdisch-russischen und inzwischen nach 21 Jahren BRD auch mit deutschen Wurzeln präsentierte unter anderem sein bislang „dickstes und lustiges Buch”, so Wladimir Kaminer. „Liebesgrüße aus Deutschland” heißt es und hält, was der Autor verspricht. Wladimir Kaminer sagte gerne zu, noch einmal in der Buchhandlung von Reiner Gollenstede zu lesen, als er hörte, dass gerade erst Thilo Sarazin am selben Ort sein Buch vorgestellt hatte. Kaminer wirft einen anderen Blick als Sarazin auf seine nicht mehr so neue Heimat, Motto „Typisch deutsch und trotzdem lustig”.

Buchmesse in Mexiko

Merkwürdig sei, so Kaminer, dass er inzwischen als der deutsche Exportschlager in Sachen deutscher Literatur weltweit gebucht werde, etwa zur Buchmesse in Mexiko. Die Geschichten so am Rande machen seine „Lesungen” zum Genuss. Etwa die: Fernsehauftritt Wladimir Kaminer bei Fernsehdiva Tietjen. Wladimir Kaminer ritt damals gerade auf der großen Welle, die ihm sein Bucherfolg in einem kleinen christlichen Verlag beschert hatte - Thema „Adam und Eva”.

Nun ja, was hat ein Russe jüdischer Abstammung zu Adam und Eva zu sagen. Frage Tietjen an den bislang angesichts potenterer Talkgäste Schweigenden: „Herr Kaminer, was glauben sie, warum wurden wir aus dem Paradies vertrieben?” Wladimir Kaminer zu seinem Heinsberger Publikum: „Naa. Waas hätte ich daa zu ihr sagen sollen: Schaaueen sie sich doch einmaal aan? - habe ich halt nichts gesagt.”

„Adam und Eva”, die Bibel frei nacherzählt von Wladimir Kaminer, machte Kaminer auch zum Star des Kirchentags. Der Russe wunderte sich und wußte ebenso wunderbar vom Kirchentag zu ezählen. Fast wäre sein neues Buch „Liebesgrüße aus Deutschland” bei seiner „Lesung” zu kurz gekommen.

Also „Goldfieber”, ab Seite 16 im bislang „dicksten und lustigsten” Buch des Autors, erzählt von Kaminers ganz persönlichen Sparkassenberater, der zum Kundengespräch erst mal zwei Bier bestellt. Kaminer: „Dafür schätze ich den Mann.” Das Treffen findet in der verräucherten Raucherecke einer Eckkneipe statt. Wie die Geschichte ausgeht, steht auf Seite 20 von „Liebesgrüße aus Deutschland”.

Ach ja, die Schwiegermutter. Schwiegermütterchen lebt, traut man der Feder des Schriftstellers, im Kaukasus und zwar dort im Dorf Borodinowka, liegt direkt an der Steppenstraße im Bezirk Mineralowodski innerhalb des Bezirks Stawropolsky.

Auf der Durchreise

Und was Schwiegermütterchen zu erzählen hätte, würde man auf Durchreise an die Tür ihres Häuschens am Rand von Borodinowka klopfen, würde sicherlich ein ganz neues Licht auf den großen Bestsellerautor Wladimir Kaminer werfen.

Dass im Kaukasus Melonen als Beeren betrachtet werden und in männliche und weibliche unterschieden werden, ist ja bekannt, aber die Geschichten die Schwiegermütterchen Kaminer über ihr Schwiegersöhnchen zu erzählen hätte, würden sicherlich noch einmal ein ganzes Buch füllen - falls es nicht schon geschrieben ist.
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