Lieber Gott gehorcht als den Menschen

Von: Petra Wolters
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Im Gespräch mit dem Redaktionsleiter der Heinsberger Zeitung, Rainer Herwartz, ließ Majella Lenzen das Publikum durch die eindringlichen Schilderungen aus ihrem Ordensleben in der Buchhandlung Gollenstede manchmal staunen. Foto: agsb

Heinsberg. Es gibt Interviewpartner, die antworten auf Fragen kurz und präzise. Es gibt welche, die sagen viel ohne zu antworten. Und dann ist da noch Majella Lenzen, Autorin des Buches „Das möge Gott verhüten” und in diesem Jahr der erste Gast in der Gesprächsrunde „Auf ein Wort” mit Rainer Herwartz, Redaktionsleiter unserer Zeitung.

Auf seine Fragen antwortete sie oft erst nach einer sehr lebendigen und detailreichen Schilderung, bei der sie weit ausholte, aber nie langweilte. Dabei schaffte sie es, ihre mehr als 160 Zuhörer in der Heinsberger Buchhandlung Gollenstede mitzunehmen an unterschiedliche Punkte ihres Lebens. Hier ergab sich die Antwort dann quasi von selbst.

Etwa die auf die Frage, was sie bewegte, schon im Alter von 15 Jahren in einen Orden einzutreten. Ihre Antwort war die Beschreibung ihrer Kindheit in einer sehr vom Glauben geprägten Familie. Sehr offen sprach sie dabei über ihr Erleben tiefen Glaubens während ihrer Erstkommunion. „Ich wusste, wenn ich Gott als Speise aufnehme, dann ist aus uns beiden eins geworden. Dann hat Gott jetzt das Recht, über mich zu verfügen. Da war mir klar, dass ich Gott dienen wollte.”

„Reine Formsachen” sind jedoch für sie in der Reflexion ihrer Zeit im Orden der Missionsschwestern vom Kostbaren Blut die strengen Ordensregeln. „Ich brauchte Zeit, bis ich begriff, dass die nichts mit einem Leben für Gott zu tun haben”, sagte sie. „Aber ich habe sie in Kauf genommen. Ich wusste, dass Gott größer ist als all diese Regeln.” Auch während ihrer Zeit als Missionsschwester in Afrika hätten diese Regeln immer gegolten. Auch dort habe es eine Hausoberin gegeben, berichtete sie. Niemals habe sie die Heilige Messe versäumt, selbst nach mehreren Schichten hintereinander mit Operationen in dem von ihr geleiteten Buschkrankenhaus.

Auch die Zusammenhänge, die zu ihrer Abwahl führten, nachdem sie fünf Jahre Provinzoberin in Simbabwe gewesen war und sich auf die Seite der jungen afrikanischen Schwestern geschlagen hatte, wusste sie exakt zu schildern. „Wenn gewählt wird und nur die Oberin und ihre Assistentin die Wahlzettel einsehen können, dann kann man doch nicht behaupten, dass dies eine demokratische Wahl war”, so Lenzen. „Und danach wurden sogar die Bücher verbrannt in der Bibliothek, die sie aufgebaut hatten?”, fragte Herwartz. Sie habe davon erfahren, so Lenzen. „Damit wollte man zeigen, dass Schwester Lauda nichts mehr zu sagen hat.”

Sie sei zurückgeholt worden ins Mutterhaus und sei dort „Mädchen für alles gewesen. Sie habe um Beurlaubung gebeten, um ihre kranke Mutter zu pflegen und sei danach als Aidskoordinatorin nach Tansania geschickt worden. „Und da war ich dann zu selbstbewusst, was mir aber da noch nicht klar war”, berichtete sie rückblickend.

Als sie eine befreundete Ärztin bei einem Transport von Kondomen ins Rotlichtmilieu begleitete, waren ihre Tage als Nonne schließlich gezählt. „Wenn die Kirche es nicht für nötig hält, zu recherchieren, was wirklich passiert ist, nehme ich meinen eigenen Aids-Tod gerne in Kauf”, erklärte sie.

Offiziell habe sie selbst um die Entpflichtung von ihren Gelübden gebeten, berichtete sie, um damit erst um eine ausreichende Rente kämpfen zu können. Nonnen, die aus einem Orden austräten, hätten nur eine minimale Versorgung, die nicht zum Leben ausreiche.

„Ich bin absolut nicht gegen das Ordensleben”, betonte sie nach einer teilweise aufgewühlten Diskussion, die sich auch zwischen Gegnern und Befürwortern ihrer Position entspann. „Aber ich wünschte, es könnte tatsächlich gelebt werden. Ich halte meine Ideale immer noch hoch und ich hoffe, dass wir in einen Dialog kommen.”

Man müsse eben Gott mehr gehorchen als den Menschen, zitierte Herwartz schließlich aus der Apostelgeschichte und versicherte ihr, dass sie sich seiner Sympathie auf jeden Fall gewiss sein könne. Der Beifall der Zuhörer zeigte, dass dies wohl nicht nur seine Ansicht war.
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