Lesung: „Kindheitsgeschichten“ spannend erzählt

Von: Johannes Bindels
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Hochinteressant: die Lesung zum Buch „Kindheitserinnerungen“ von Peter Berger durch den Herausgeber Walter Bienen (2.v.l.) im Herrenzimmer des Kulturhauses in Höngen. Foto: Johannes Bindels

Selfkant-Höngen. Zeitgleich gegen das Pokalendspiel in Berlin und bestes Grillwetter mit einer Lesung anzutreten, das war eine mutige Entscheidung, die nicht belohnt wurde. So war es nicht verwunderlich, dass die Veranstalter der Lesung des Buches „Kindheitserinnerungen“ mit Walter Bienen im Kulturhaus in Höngen nur wenige Besucher begrüßen konnten.

Diese erlebten jedoch eine exklusive und individuelle Vorstellung in kleiner Runde im wunderschönen Herrenzimmer des Kulturhauses.

Passend zur Wohnzimmeratmosphäre gab Walter Bienen, stellvertretender Vorsitzender des Heimatvereins Wassenberg und Herausgeber, eine gelungene Übersicht zu den 40 Kapiteln des Buches, gespickt mit einigen persönlichen Informationen.

Lange Jahre habe ein Manuskript seines Onkels Peter Berger zu dessen Kindheitserlebnissen aus den frühen 1920er und 1930er Jahren in Wassenberg in seinem Bücherregal gestanden und sei ihm beim Umräumen aufgefallen, so Walter Bienen.

Die aufgeschriebenen Erlebnisse seien sowohl persönlicher Natur und zugleich Zeitzeugnisse der Weimarer Zeit und der Hitler-Diktatur über das Leben in Wassenberg, betonte Bienen. Dies habe ihn zur Überzeugung kommen lassen, dass die Erzählungen von öffentlichem Interesse sein dürften und er sich zur Herausgabe der „Kindheitsgeschichten“ von Peter Berger entschlossen habe.

Peter Berger wurde 1912 geboren und starb 2008. Aufgeschrieben habe er seine Kindheits- und Alltagserlebnisse im Rentenalter. In den ersten Kapiteln ist denn auch von der Familie Berger die Rede, einer Familie mit neun Kindern, zwei weitere waren schon früh gestorben.

Peter Berger war das dritte Kind. „Meine erste Kindheitserinnerung an meinen Vater muss in einem Kriegsurlaub zwischen 1914 und 1918 gewesen sein“, lautete denn auch eine Zeile des Autors. Der Patriotismus der damaligen Zeit sei schnell verflogen gewesen und die harte Realität gerade der daheimgebliebenen Frauen mit ihren Kindern habe erste prägende Erinnerungen zurückgelassen.

Mit sechs Jahren wurde die Mitarbeit von Kindern als selbstverständlich erachtet, weil es galt, das Überleben zu sichern. Peter Berger schilderte Beispiele aus der damaligen Zeit – wie das Heideruten schneiden und diese zur Heidebesenfabrik zu liefern sowie Brennmaterial wie dürre Zweige im Judenbruch zu sammeln.

Persönliche Erinnerungen zu schildern, war schon schwieriger. Wie Peter Berger seine Mutter und seinen Vater erlebte, widmet er einem eigenen Kapitel. „Ob meine Eltern sich geliebt haben, kann ich letztlich nicht beurteilen“, leitete Peter Berger ein Kapitel ein, bei dem es um das Verhältnis der Eltern zueinander geht.

Gefühle vor den Kindern auszubreiten, war wohl damals nicht üblich. An Spiele mit den Kindern erinnerte sich Berger sehr wohl. Dazu gehörten Auszählreime wie: „Ümmke, Prümmke, Zockermanie, ame, dame, domanie, Engelsbrot, sonter Not, älla, pälla, puff, tot“.

Wie es war, Holzschuhe zu tragen, oder wie die Ferien in der damaligen Zeit verbracht wurden, sind weitere Zeitzeugenberichte aus der Epoche der Weimarer Republik. Die Sonntage waren denn auch von den Kirchenbesuchen geprägt. Drei Messen am Morgen und nachmittags die Andacht.

Zu den schrecklicheren Erlebnissen gehörte die Ermordung eines Mädchens durch ihren Freund, der die Schwangerschaft dadurch verheimlichen wollte. Persönlich gefährlicher wurde es für Peter Berger, weil er „in der NS-Zeit als Pfadfinderführer Mut und Zivilcourage bewiesen hat“, wie Sepp Becker, Vorsitzender des Heimatvereins Wassenberg, in seinem Vorwort schrieb.

Es war eine Lesung, die nicht nur wegen der besonderen Atmosphäre viel Gelegenheit zum Austausch in der kleinen Runde bot.

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