Lesermeinung: Eine Region am Tropf der RWE Power

Von: kl
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Quellbereich der Niers: Das Gr
Quellbereich der Niers: Das Grundwasser ist lebensnotwendig für den Bachlauf. Foto: Koenigs

Erkelenz. Eine Region hängt am Tropf. Ohne das Wasser, das RWE Power in die Erde pumpt, würde die Region austrocknen und verdörren. Dabei machte der Energieriese nicht mehr, als die Folgen zu beheben, die er selbst verursacht.

Denn der Tagebau Garzweiler II „frisst” nicht nur Land, sondern „schluckt” auch Wasser, das Grundwasser, das im Erkelenzer Land und weit darüber hinaus abgepumt werden muss, damit die Bagger trockenen Fußes die Braunkohle schaufeln können.

Allerdings ist das Grundwasser für viele Landschaftsteile lebensnotwendig, etwa für den Naturpark Schwalm-Nette oder für den Bachlauf der Niers im Erkelenzer Osten. Um die ernsthaften Risiken für die Feuchtgebiete, Bach- und Flussläufe durch die Tagebautätigkeit zu minimieren, sind zahlreiche Maßnahmen erforderlich.

Wie eine solche Beeinflussung aussieht, zeigt sich beispielsweise an der Niers. Ursprünglich sprudelte sie, wie der Naturpark Schwalm-Nette in einer kleinen Broschüre erläutert, aus etwa 30 Quellen in Kuckum. Nach 18 Kilometern mündete die Niers in die Maas. Doch schon Ende der 60er Jahre verursachte der Tagebau Garzweiler I derartige Grundwasserabsenkungen, dass die ersten Quellen versiegten. Inzwischen gibt es gar keine natürlichen Quellen mehr.

Statt dessen wird die Niers in Kuckum über mehrere Einleitstellen versorgt. Aber auch diese Maßnahme ist nur von geringer Dauer. In ein paar Jahren wird die Niers mit fortschreitendem Braunkohlenabbau restlos verschwinden, bis sie dann, so die bisherige Planung, ab 2080 aus dem bis dahin geplanten Tagebau-Restsee gespeist werden soll, der das fast 180 Meter tiefe „Loch” in der Erkelenzer Börde füllen muss.

Längst auf natürliche Quellen verzichten muss auch die Schwalm, die in einem Feuchtgebiet im Erkelenzer Nordwesten entsprang. Statt einer Quelle gibt es nur noch eine Art Quellstein, der über eine kilometerlange Pipeline aus dem Tagebau-Wasserwerk Wanlo gespeist wird. Dort wird das aus dem Tagebau angepumpte Grundwasser aufbereitet, um dann den Quellgebieten zugeführt zu werden. Dabei muss nicht nur die Zusammensetzung des Wassers beachtet werden, sondern auch der jahreszeitlich bedingte, wechselnde Grundwasserstand beachtet werden.

Für den Naturpark Schwalm-Nette scheint dies zu gelingen, aber es gibt auch Feuchtgebiete, die auszusterben drohen. Der Naturpark nennt hier namentlich das Finkenwalder Bruch mit einer ausgeprägten Auen- und Bruchwaldvegetation mit der Niers und Kleingewässern. Alle vorgenommenen Sicherungsmaßnahmen haben dort nur einen bedingten Erfolg.

Ob tatsächlich nach dem Tagebau das Wasser wieder so fließt, wie es von der Natur vorgegeben war, weiß niemand. Die Hoffnung ist nur, dass die Region dann nicht mehr am Tropf hängt.
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